Retirement and cognitive abilities: Evidence from the German early retirement age reform for women
Wir untersuchen die Auswirkungen des Renteneintritts auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Frauen im Alter von 63 bis 67 Jahren. Dazu nutzen wir eine deutsche Rentenreform, die für Frauen der Jahrgänge nach 1951 das frühestmögliche Rentenalter um drei Jahre angehoben hat – von 60 auf 63. Als Kennzahlen für die kognitive Leistungsfähigkeit verwenden wir objektive Ergebnisse aus kognitiven Tests (Wortabruf, semantische Flüssigkeit und der Stroop-Test) aus einem großen biomedizinischen Datensatz sowie die Diagnose kognitiver Störungen aus Krankenversicherungsdaten. Wir finden Rückgänge von etwa 13% einer Standardabweichung pro Rentenjahr bei Maßen der fluiden Intelligenz, während die kristalline Intelligenz unbeeinflusst bleibt. Diese Schätzungen spiegeln die reformbedingte Verschiebung der Rentendauer für Personen wider, die die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen (Complier) und um die Stichtagsgrenze herum in den Rentenstatus eintreten. Im Gegensatz dazu haben zusätzliche Jahre im Ruhestand keinen Einfluss auf die Diagnose kognitiver Störungen und senken Diagnosen von Risikofaktoren im Zusammenhang mit Demenz, wie etwa Bluthochdruck, Depressionen und Schlafprobleme. Die Verbesserung der gesundheitlichen Ergebnisse deutet darauf hin, dass der kognitive Abbau nicht durch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands verursacht wird, sondern möglicherweise auf eine geringere kognitive Beanspruchung nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben zurückzuführen ist.
Bergschneider, H., R. Kottmann, H. Schmitz und M. Westphal (2026), Retirement and cognitive abilities: Evidence from the German early retirement age reform for women. Journal of Health Economics, 108, 103161