Normative Aspects in Modeling the Urgency of Climate Policy
Die sozialen Kosten von Kohlenstoff (SCC) sind das zentrale Konzept der Kosten-Nutzen-Analyse in der Klimawirtschaft. Die SCC geben Aufschluss über die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen, da sie den Barwert der erwarteten zukünftigen Schäden ausdrücken, die mit der Emission einer zusätzlichen Tonne CO₂ verbunden sind. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten normativen Annahmen zusammen, die der Berechnung der SCC zugrunde liegen, und veranschaulicht, wie diese die Höhe der endgültigen Schätzungen entscheidend beeinflussen. Aufbauend auf einem Rahmenkonzept der sozialen Wohlfahrt diskutieren wir die Behandlung von Risiko, Zeit (Diskontierung) und Ungleichheit (Gerechtigkeitsgewichte). Darüber hinaus stellen wir die normativen Entscheidungen vor, die damit zusammenhängen, wie SCC-Schätzungen nichtmarktbezogene Schäden, insbesondere den Verlust von Menschenleben, monetarisieren. Basierend auf einer Datenbank mit 515 Studien mit originären SCC-Schätzungen (Tol, 2026) dokumentieren wir, wie die Literatur mit diesen normativen Fragen umgeht. Dabei stellen wir erhebliche Unterschiede in der Behandlung normativer Aspekte nicht nur zwischen den Studien, sondern auch zwischen verschiedenen normativen Dimensionen fest. Während die Literatur beispielsweise die Verwendung eines zeitlichen Diskontsatzes auf der Grundlage der Annahme abnehmender Grenznutzen rechtfertigt, werden Gerechtigkeitsaspekte zwischen Ländern oder Regionen oft ignoriert. Abschließend betonen wir, dass die GSK zwar dazu beitragen kann, die gesellschaftliche Debatte über Klimapolitik zu strukturieren, jedoch mehr Klarheit und Transparenz hinsichtlich der zugrunde liegenden normativen Annahmen erforderlich ist.