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RWI-Benzinpreisspiegel: Rätselraten an der Zapfsäule – CO2-Preis erklärt Sprung bei Kraftstoffpreisen nur zum Teil

Die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen sind zum Jahreswechsel sprunghaft angestiegen. Neue Auswertungen des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigen, dass die Erhöhung der CO2-Bepreisung allein diesen Anstieg nicht rechtfertigen kann.

Zum Jahreswechsel sind die Kraftstoffpreise beinahe sprunghaft gestiegen – um knapp 10 Cent je Liter. Häufig wird die nationale CO2-Bepreisung für diesen Anstieg verantwortlich gemacht, doch nach Einschätzung von Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI in Essen, rechtfertigt der höhere CO2-Preis lediglich einen Anstieg um maximal 2,8 Cent je Liter Benzin und 3,2 Cent je Liter Diesel inklusive Mehrwertsteuer. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem ein Festpreis von 55 Euro pro Tonne CO2 galt, ist die Belastung damit zwar gestiegen, erklärt aber nur etwa ein Drittel des Preissprungs an den Tankstellen.

Abbildung 1: Durchschnittpreise für Diesel und E10-Super-Benzin sowie Rohölpreis der Sorte Brent (alle Angaben in Euro je Liter)

Quelle: RWI-Berechnungen auf Basis von Daten von Tankerkönig.de. 

Auswertungen des ADAC bestätigen, dass der Preis für einen Liter Diesel im Januar durchschnittlich um 9,4 Cent höher lag als im Dezember, der Preis für Super E10 lag im Januar durchschnittlich um 8,6 Cent pro Liter höher. 

Unerklärliche Differenz trotz gestiegener Rohölpreise

Zwar ist der Rohölpreis der Sorte Brent im selben Zeitraum zeitweise um rund zehn US-Dollar pro Barrel gestiegen. Doch wenn die RWI-Forscher diesen Anstieg sowie Wechselkursschwankungen herausrechnen, bleibt ein deutliches Plus: Der bereinigte Preis lag im Januar 2026 bei Diesel immer noch um 7,4 Cent und bei E10 um 6,5 Cent über dem Dezember-Niveau. 

Abbildung 2: Durchschnittliche Preise für Diesel und Superbenzin E10 abzüglich des Rohölpreises in Euro pro Liter. 

Quelle: RWI-Berechnungen auf Basis von Daten von Tankerkönig.de. 

Regimewechsel sorgt für Intransparenz

Hintergrund der Verwirrung um die Preissteigerung ist ein Systemwechsel bei der CO2-Bepreisung: Seit dem 1. Januar 2026 wird der Preis nicht mehr fix festgelegt, sondern soll sich theoretisch durch Versteigerungen von CO2-Zertifikaten am Markt bilden – innerhalb eines gesetzlich festgelegten Korridors von 55 bis 65 Euro. „Die Frage, welcher CO2-Preis aktuell tatsächlich eingepreist wird, ist völlig unklar, da die offiziellen Versteigerungen erst am 1. Juli 2026 beginnen“, kritisiert Manuel Frondel.

Forderung nach mehr Klarheit

Das Forscherteam des RWI mahnt eine bessere Informationspolitik an. Ohne Transparenz über die finanziellen Folgen verliert die CO2-Bepreisung als Klimaschutzinstrument an Akzeptanz. „Die Bevölkerung hat ein Recht zu erfahren, wie sich die Preise an der Zapfsäule zusammensetzen“, betont RWI-Ökonom Patrick Thiel.


Ihre Ansprechpartner dazu:

Prof. Dr. Manuel Frondel, manuel.frondel@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-204

Dr. Niels Oelgart (Kommunikation), niels.oelgart@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-213

Alexander Bartel (Kommunikation), alexander.bartel@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-354


Weitere Informationen zum RWI-Benzinpreisspiegel sind unter www.rwi-essen.de/benzinpreisspiegel zu finden. 

Über das RWI:
Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist ein führendes Zentrum für wirtschaftswissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung in Deutschland und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Die Forschung des RWI wird durch einen international besetzten wissenschaftlichen Beirat kritisch begleitet. Zudem wird das Institut regelmäßig durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft evaluiert. Die Forschungsarbeiten des RWI basieren auf neuesten theoretischen Konzepten und moderne empirischen Methoden.