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RWI-Benzinpreisspiegel: Häufige Preisänderungen an Tankstellen sind kein Beleg für Marktversagen

Tankstellen in Deutschland ändern ihre Benzinpreise heute deutlich häufiger als noch vor zehn Jahren. Nach Einschätzung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist diese Entwicklung jedoch kein Hinweis auf unlauteres Verhalten oder fehlenden Wettbewerb. Vielmehr zeigen die Daten stabile Preismuster, an denen sich Verbraucher weiterhin gut orientieren können. Staatliche Eingriffe erscheinen daher nicht erforderlich.

Neue Auswertungen des RWI-Benzinpreisspiegels zeigen: Während Tankstellen im Jahr 2014 ihre Preise im Durchschnitt rund fünfmal täglich anpassten, sind es im Jahr 2025 bereits etwa 32 Preisänderungen pro Tag (Abbildung 1). Diese Zunahme wird in der politischen Debatte zunehmend kritisch gesehen. Das Land Baden-Württemberg hat im Bundesrat eine Begrenzung der täglichen Preiserhöhungen angestoßen. Der Bundesrat stimmte dem Antrag am 21. November zu. 

Abbildung 1: Durchschnittliche Zahl der täglichen Änderung der Preise für Kraftstoffe in den Jahren 2014 bis 2025  

  

Quelle: RWI-Berechnungen auf Basis von Daten von Tankerkönig.de.  

Aus ökonomischer Sicht lässt sich allein aus der Häufigkeit von Preisänderungen jedoch nicht auf Marktversagen schließen. Zwei Deutungen stehen im Raum: Einerseits könnte die hohe Markttransparenz dazu führen, dass Tankstellen ihr Verhalten stärker aneinander ausrichten. Andererseits kann die dynamische Preissetzung aber auch Ausdruck eines intensiven Wettbewerbs sein, in dem die Anbieter laufend auf die Nachfrage, die Tageszeiten und das Verhalten der Konkurrenz reagieren. 

Keine Belege für Marktmanipulation in Deutschland 

Für Deutschland liegt bislang keine belastbare empirische Evidenz für wettbewerbsschädliches Verhalten vor. Die neuen Auswertungen des RWI geben keinen Hinweis darauf, dass häufigere Preisänderungen vor allem aus minimalen, für Verbraucher kaum wahrnehmbaren Anpassungen bestehen, wie der ADAC behauptet: „Je häufiger die Preise an einer Tankstelle angepasst werden, desto geringer fällt in der Regel die einzelne Änderung aus“. Vielmehr haben vor allem Preissprünge zwischen einem und fünf Cent zugenommen (Abbildungen 2 und 3). Entscheidend ist jedoch: Die grundlegenden Preismuster im Tagesverlauf bleiben stabil. 

Abbildung 2: Durchschnittliche Zahl der Änderung der Preise für Diesel und Superbenzin E10 während der abendlichen Stoßzeit von 16 bis 19 Uhr.  

  

Quelle: RWI-Berechnungen auf Basis von Daten von Tankerkönig.de.  

Tageszeitmuster bleibt für Verbraucher erkennbar 

„Verbraucher können weiterhin klar erkennen, zu welchen Tageszeiten Benzin besonders teuer oder besonders günstig ist“, sagt Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI. „Solange diese Transparenz besteht, ist ein staatlicher Eingriff unnötig.“ 

Das bestätigen auch die zeitlichen Preisverläufe. „Die Preise zur morgendlichen Stoßzeit sind nach wie vor die höchsten des Tages, während sie nach der abendlichen Stoßzeit ihren Tiefpunkt erreichen“, erläutert Patrick Thiel, Ökonom am RWI und verantwortlich für die Datenauswertungen. „Diese Regelmäßigkeit erleichtert es Verbrauchern, ihr Tankverhalten anzupassen.“ 

Abbildung 3: Durchschnittliche Zahl der Änderung der Preise für Diesel und Superbenzin E10 während der morgendlichen Stoßzeit von 6 bis 9 Uhr.  

  

Quelle: RWI-Berechnungen auf Basis von Daten von Tankerkönig.de.  

Vor diesem Hintergrund warnen die Autoren vor vorschnellen regulatorischen Maßnahmen nach dem Vorbild anderer Länder wie beispielsweise Österreich. Preisregulierungen könnten unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben und den Wettbewerb eher schwächen als stärken. „Bevor neue Regeln eingeführt werden, sollten die Ursachen der Preisänderungshäufigkeit sorgfältig analysiert werden“, empfiehlt Frondel. „Eine hohe Zahl von Preisänderungen ist für sich genommen kein Argument für Regulierung.“ 

Ihre Ansprechpartner dazu: 

Prof. Dr. Manuel Frondel, manuel.frondel@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-204 

Dr. Niels Oelgart (Kommunikation), niels.oelgart@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-213 

Alexander Bartel (Kommunikation), alexander.bartel@rwi-essen.de, Tel.: (0201) 81 49-354 

Weitere Informationen zum RWI-Benzinpreisspiegel sind unter  www.rwi-essen.de/benzinpreisspiegel zu finden.  

Über das RWI: 
Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist ein führendes Zentrum für wirtschaftswissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung in Deutschland und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Die Forschung des RWI wird durch einen international besetzten wissenschaftlichen Beirat kritisch begleitet. Zudem wird das Institut regelmäßig durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft evaluiert. Die Forschungsarbeiten des RWI basieren auf neuesten theoretischen Konzepten und moderne empirischen Methoden.