Zum Hauptinhalt springen

RWI Konjunkturberichte

2008

Roland Döhrn, Tobias Kitlinski, Torsten Schmidt, Simeon Vosen, Tobias Zimmermann

Die wirtschaftliche Entwicklung im Ausland: Nachlassende Expansion der Weltwirtschaft

Die internationale Konjunktur hat sich in der ersten Jahreshälfte 2008 weiter abgekühlt. Offenbar machen sich die Finanzmarktturbulenzen, der Verfall der Immobilienpreise in den USA und anderen Ländern und der Anstieg der Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, die die Weltwirtschaft schon seit dem Sommer vergangenen Jahres belasten, mehr und mehr bemerkbar. Das Weltsozialprodukt dürfte im zweiten Quartal (gewichtet mit Kaufkraftparitäten) um nur 3,8% zugenommen haben, der geringste Anstieg seit 2003. Dies ist in allen Regionen spürbar. Der Rückgang der Frühindikatoren deutet darauf hin, dass die Phase weltweit schwacher Expansion in der zweiten Jahreshälfte anhalten wird. Allerdings erwarten wir keinen generellen Einbruch. Dagegen sprechen neben der vielerorts expansiven Geld- und Finanzpolitik, dass sich in den USA keine Kontraktion abzeichnet und dass die Wirtschaft in den Schwellenländern wohl langsamer wächst, aber voraussichtlich nicht in eine Rezession gerät. Zwar gehen von den Rohstoffpreisen keine Teuerungsimpulse mehr aus – jedoch verstärkt sich vielerorts der binnenwirtschaftliche Preisauftrieb. Damit bleibt die Teuerung vorerst wohl hoch und dürfte die Realeinkommen weiterhin belasten. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion weltweit vorerst nur verhalten ausgeweitet wird. Im kommenden Jahr dürften die Auftriebskräfte stärker werden, so dass die Expansion an Fahrt gewinnt. Für die USA gehen wir davon aus, dass der Rückgang der Wohnungsbauinvestitionen auslaufen wird und die übrigen Investitionen wieder kräftiger zulegen. Das BIP dürfte dort um 1,7% zunehmen nach 1,9% in diesem Jahr. Im Euro-Raum dürften im Verlauf von 2009 wieder Impulse von der Außenwirtschaft kommen, da der Euro inzwischen deutlichgegenüber dem Dollar abgewertet hat. Auch steigen die Realeinkommen bei rückläufiger Inflation voraussichtlich wieder. Belastend wirkt in manchen Ländern, so in Spanien, weiterhin der Verfall der Immobilienpreise. Die Wirtschaft des Euro-Raums dürfte 2009 um 1,0% wachsen nach 1,3% in diesem Jahr.

Döhrn, R., T. Kitlinski, T. Schmidt, S. Vosen und T. Zimmermann (2008), Die wirtschaftliche Entwicklung im Ausland: Nachlassende Expansion der Weltwirtschaft. RWI Konjunkturberichte, 59, 2, 99-123

Link zum Dokument