A model of moral balancing under motivated reasoning
Obwohl es zahlreiche empirische Belege dafür gibt, dass Menschen zwischen egoistischem und prosozialem Verhalten wechseln, gibt es nur wenige ökonomische Modelle, die diese Erkenntnisse formalisieren. Dieser Beitrag stellt ein neuartiges Modell vor, das drei Schlüsselkonzepte zum Verständnis prosozialen Verhaltens gemeinsam analysiert: moralisches Abwägen, Selbstsignalisierung und motiviertes Denken. Individuen maximieren ihren materiellen Nutzen unter der Einschränkung, ein Mindestmaß an Selbstbild aufrechtzuerhalten (moralische Abwägung), wobei das Selbstbild von Signalen abhängt, die aus vergangenem Verhalten gewonnen werden (Selbstsignalisierung). Die Verarbeitung dieser Signale ist darauf ausgerichtet, ein positives Selbstbild zu erreichen (motiviertes Denken). Der Zeithorizont, für den die Selbstbildbeschränkung gilt, hängt von der intrinsischen Motivation der Individuen und ihrem Bewusstsein für selbstbildrelevante Entscheidungen ab. Egoistisches Verhalten ist tendenziell stärker ausgeprägt, wenn die Einschränkung nur langfristig gilt, und nimmt mit der Tendenz zu motiviertem Denken zu. Diese Ergebnisse stimmen teilweise mit den experimentellen Ergebnissen überein. Das Modell legt nahe, dass freiwilliges prosoziales Verhalten nicht von Dauer ist und daher angemessene politische Maßnahmen erforderlich sind.
Flörchinger, D. (2026), A model of moral balancing under motivated reasoning. Journal of Economic Behavior & Organization, 242, 107393