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Stellungnahme von RWI-Präsident Christoph M. Schmidt zur Verlängerung der Kurzarbeit

Pressemitteilung vom 20.08.2020

Im Rahmen der Coronakrise gingen viele Millionen Erwerbstätige in Kurzarbeit. Im vergangenen Monat war noch rund jeder siebte sozialversicherungspflichtige Erwerbstätige in Kurzarbeit. Dazu eine Stellungnahme von RWI-Präsident Christoph M. Schmidt:

"Kurzarbeit" ist ein Instrument zur temporären Überbrückung von Engpässen, das grundsätzlich in einem Konflikt mit einem gesunden Strukturwandel steht. In der akuten Corona-Krise war dieser Zielkonflikt nicht relevant, die Ausweitung der Kurzarbeiter-Regelung war daher eine gute Idee. Aber jetzt eine Verlängerung vorzusehen, die bis ins Jahr 2022 hineinreichen wird, halte ich nicht für sinnvoll. Zumal wir aktuell erwarten, dass sich die Wirtschaft bis Ende des kommenden Jahres weitgehend erholen wird. 

Wenn man sich um die Stabilität der Unternehmen sorgt, sollte man lieber deren Eigenkapitalbasis direkt unterstützen. Denn trotz der Corona-Krise müssen sich die Unternehmen weiterhin dem Strukturwandel stellen - die Herausforderungen, insbesondere durch Alterung, Digitalisierung und Klimawandel, sind ja nach wie vor präsent. ("Den Strukturwandel meistern" war auch der Titel des letzten Jahresgutachtens des Sachverständigenrates, das kurz vor der Corona-Krise erschienen ist.) 

Den Strukturwandel übermäßig zu hemmen, ist gerade für die Beschäftigten langfristig problematisch, weil sie auf zukunftsfähige Arbeitsplätze angewiesen sind. Der Staat sollte zwar die unmittelbaren Konsequenzen des Strukturwandels abfedern, was er auch bereits massiv tut, aber den Wandel selbst sogar aktiv fördern. 

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Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph M. Schmidt ist Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Von 2009 bis 2020 war er Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, von März 2013 bis Februar 2020 dessen Vorsitzender. 

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Ihr Ansprechpartner dazu: 

Leonard Goebel (RWI-Kommunikation), Tel.: (0201) 81 49-21

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