JAHRESRÜCKBLICK 2025

Vorstand des RWI

Struktur des RWI auf einen Blick
Highlights aus der Forschung
Der Kompetenzbereich „Arbeitsmärkte, Bildung, Bevölkerung“ erforscht Themen der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Migrationsökonomik. Im Bereich der Arbeitsmarktökonomik wird schwerpunktmäßig untersucht, wie sich der technologische Wandel auf den Arbeitsmarkt auswirkt, vor allem auf die Beschäftigung und deren Struktur, Löhne und Qualifikationsanforderungen. Darüber hinaus führt der Kompetenzbereich regelmäßig kausale Evaluationen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und institutionellen Reformen durch. Im Bereich der Bildungsökonomik steht die berufliche Bildung (Studium, duale Ausbildung, lebenslanges Lernen) im Zentrum.
Highlight-Publikation: Migration response to an immigration shock: evidence from Russia’s aggression against Ukraine
Der Artikel untersucht die Auswirkungen des Zustroms von Ukrainern im Jahr 2014 auf die lokalen Migrationsmuster in Polen. Die Ergebnisse zeigen, dass der regionale Zustrom von Einwanderern zwar die interne Zuwanderung verdrängt, aber sowohl die interne als auch die internationale Abwanderung der lokalen Bevölkerung verringert. Dies kann auf eine Vergrößerung der lokalen Arbeitsmärkte zurückgeführt werden. Migration kann somit in Regionen mit einem hohen Angebot an hochqualifizierten Arbeitskräften zu positiven Effekten auf (reduzierte) Abwanderung führen.
Highlight-Projekt: Studi-BUCH
Das durch das BMFTR (vormals BMBF) geförderte, interdisziplinäre Vorhaben „Studi-BUCH“ („NLP als neue Datenkompetenz in der Bildungsforschung: Entwicklungen des deutschen Hochschulmarktes basierend auf den Handbüchern zur Studien- und Berufswahl von 1970 - 2021“) untersuchte von Oktober 2022 bis September 2025 die Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft seit den 1970er Jahren, insbesondere Hochschul- und Fächergründungen sowie deren Auswirkungen auf Bildungsentscheidungen und Arbeitsmärkte. Hierzu wurden die Handbücher zur Studien- und Berufswahl digitalisiert und dadurch die Datenbasis RWI-UNI-SUBJECTS geschaffen. Ergänzend wurden methodische Kompetenzen in Textdatenanalyse aufgebaut, interdisziplinäre Workshops durchgeführt und die NLP4EDU-Toolbox entwickelt, um umfangreiche Textdaten nutzerfreundlich auswertbar zu machen.
Highlight-Veranstaltung: Bildungspolitisches Forum
Das Thema des Bildungspolitischen Forums des Forschungsnetzwerks Bildungspotentiale (LERN) war "Bildung in Zeiten von Transformation und beruflichem Wandel". Kerstin Schneider und Friederike Hertweck waren Mitorganisatorinnen der Tagung. Das Forum zielte darauf ab, das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen zwischen Bildung und Transformationsprozessen zu beleuchten. Dabei wurden verschiedene Bildungsetappen betrachtet – von der frühen Bildung über die Schule und den Übergang in die Berufsausbildung bis hin zur Hochschulbildung (organisiert vom RWI) und Weiterbildung.
Weitere Highlights:
- Im Rahmen des EU-Projekts „Skills for Labour Markets in the Digital and Green Transition“ fand die Mid-term-Konferenz in Sofia (Bulgarien) statt. Ronald Bachmann war für die wissenschaftliche Organisation der Konferenz hauptverantwortlich.
- Die Forschungsgruppe RegelWerk und die Nachwuchsforschungsgruppe CAM4Transfo, beide vom BMFTR finanziert, nahmen ihre Forschungstätigkeit zur Effizienz von Regeln und Institutionen des Hochschulsystems in Deutschland und zu Übergängen in die Hochschulen und von den Hochschulen in den Arbeitsmarkt auf.
- Dr. Christina Vonnahme wurde auf eine Professur an der Westfälischen Hochschule (Gelsenkirchen) berufen.
Der Kompetenzbereich „Gesundheit“ forscht im Bereich der empirischen Gesundheitsökonomik. Im Vordergrund steht die ökonomische Analyse der Leistungserbringer und der stationären Einrichtungen. Kern der Forschungsarbeit sind der „Krankenhaus Rating Report“ sowie der „Pflegeheim Rating Report“. Im zweiten Schwerpunkt Gesundheitspolitik werden das deutsche Gesundheitssystem und die Gesundheitspolitik untersucht. Insbesondere geht es um die Determinanten individuellen Gesundheitsverhaltens und Maßnahmen, die dieses Verhalten beeinflussen.
Highlight-Publikation: The Effects of Resigning GPs on Patient Healthcare Utilization and Some Implications for Health
Mit Verwaltungsdaten einer großen gesetzlichen Krankenversicherung zeigen die Autoren, wie sich der Ruhestand des Hausarztes auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen seiner Patienten auswirkt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Patientinnen und Patienten nach dem Austritt ihres Hausarztes die ambulante Versorgung seltener nutzen. Die Publikation erschien in „Health Economics“ und ist ein Ergebnis des Leibniz ScienceCampus Ruhr (LSCR).
Highlight-Projekt: HEPARD - Health Economic Policy Advice with Real-World Data
Im Rahmen dieses EU MSCA-Doktorandennetzwerks werden verschiedene gesundheitspolitische Maßnahmen evaluiert. Im Konsortium mit Oslo, Tilburg, Cluj, Uppsala und der Uni Duisburg-Essen untersucht das RWI, wie unterschiedliche Versorgungsmodelle in der hausärztlichen Versorgung Gesundheit und Gesundheitskosten beeinflussen. Zudem wird analysiert, welchen Einfluss Teenagerschwangerschaften auf die Gesundheit von Kindern und Müttern haben.
Highlight-Veranstaltung: Jahrestagung der dggö in Paderborn
Der KB Gesundheit hat gemeinsam mit der Universität Paderborn die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö) 2025 in Paderborn ausgerichtet. Unter dem Thema „Alterung und Gesundheit“ versammelten sich für zwei Tage etwa 400 Gesundheitsökonominnen und Gesundheitsökonomen. Highlights waren die Abendveranstaltung in der Paderhalle sowie die Keynotes von Friedrich Breyer, Corina Mommaerts und das abschließende Debattenduell.
Weitere Highlights:
- Ausrichtung des RWI-Impuls „Gesundheit der Zukunft – Probleme, Perspektiven und Handlungsansätze“ im Dezember 2025 im Berliner Büro mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Krankenkassen, Verbänden und Praxis.
- Leibniz Lab Pandemic Preparedness: One Health, One Future. In einem Verbund von 41 Instituten arbeitet der KB Gesundheit an Konzepten, um zukünftige Pandemien zu verhindern.
- Boris Augurzky hat mit Christian Karagiannidis und Mark Alscher das Buch „Die Gesundheit der Zukunft – Wie wir das System wieder fit machen“ veröffentlicht.
Im Fokus des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ steht die Evaluierung von umwelt- und energiepolitischen Instrumenten und Maßnahmen mittels Methoden der Evaluationsforschung sowie mikroökonometrischer Analysen. Dies erfolgt entweder auf Basis externer Erhebungen oder eigens erhobener Daten, wie beispielsweise zum Energieverbrauch privater Haushalte. Die Arbeiten des Kompetenzbereichs gliedern sich in zwei Schwerpunkte: Der Schwerpunkt Umwelt-, Energie- und Ressourcenökonomik befasst sich unter anderem mit dem effizienten Einsatz von Ressourcen wie Wasser, metallischen Rohstoffen oder fossilen Brennstoffen. Im Schwerpunkt Umwelt- und Energiepolitik steht die Evaluierung von umwelt- und energiepolitischen Maßnahmen und Instrumenten im Mittelpunkt. Seit Anfang 2021 ist zudem die Forschungsgruppe „Prosoziales Verhalten“ Teil des Kompetenzbereichs.
Highlight-Publikation: Fixed Effects, Lagged Dependent Variables, and Bracketing: Cautionary Remarks
Wir untersuchen eine Klammereigenschaft, die obere und untere Grenzen für die mit einem Fixed-Effects-Modell (FE) und einem Lagged-Dependent-Variable-Modell (LDV) geschätzten Treatmenteffekte liefern soll. Unter Bezugnahme auf analytische Ergebnisse und eine Monte-Carlo-Simulation untersuchen wir die Bedingungen, unter denen die Klammerungseigenschaft gilt, und bestätigen, dass dies der Fall ist, wenn der datengenerierende Prozess (DGP) entweder durch unbeobachtete Heterogenität oder durch Rückkopplungseffekte von einer verzögerten abhängigen Variable gekennzeichnet ist. Wenn der DGP jedoch durch beide Merkmale gleichzeitig charakterisiert ist, stellen wir fest, dass die Klammerung des Treatmenteffekts nur unter bestimmten Bedingungen gilt - aber nicht im Allgemeinen.
Highlight-Projekt:Stimulating Prosocial Behavior
In dem Projekt PROSOCIAL werden verschiedene Formen prosozialen Verhaltens wie Geld- und Blutspenden, Freiwilligenarbeit und umweltfreundliches Verhalten untersucht. Mithilfe einer internationalen Haushaltsbefragung und Feldexperimenten in Kooperation mit Praxispartnern wie der Welthungerhilfe, der Caritas oder der DLRG soll geprüft werden, welche Interventionen zur Förderung prosozialen Verhaltens über verschiedene Verhaltensweisen hinweg funktionieren. Ergänzend zu einem interdisziplinären Workshop am WZB im September 2026 wurde die neue RWI/WZB PROSOCIAL Virtual Seminar Series als offene Plattform für den fachübergreifenden Austausch der wissenschaftlichen Community geplant und Anfang 2026 gestartet.
Highlight-Veranstaltung: Workshop „Kausale Auswirkungen und Mechanismen der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik"
Am 24. und 25. Juli 2025 veranstaltete der Kompetenzbereich Umwelt und Ressourcen in der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin einen Workshop zum Thema „Kausale Auswirkungen und Mechanismen der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik". Bei der durch die Thyssen-Stiftung geförderten Veranstaltung trafen sich 25 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis, um die Potenziale kausalanalytischer Ansätze zu diskutieren. Die Ergebnisse zeigen: Während die methodischen Grundlagen bereits ausgereift sind, wird das volle Anwendungspotenzial durch Datenlücken, komplexe Förderstrukturen und weitere Limitationen in der Praxis noch nicht ausgeschöpft.
Weitere Highlights:
- FG „Wärme und Wohnen“: Die neue FG Wärme und Wohnen, geleitet von Dr. Kathrin Kaestner, widmet sich gezielt, wenn auch nicht ausschließlich, der empirischen Analyse der sozialen und ökonomischen Herausforderungen der Wärmewende für private Haushalte. Ihr Ziel ist insbesondere, ein besseres Verständnis darüber zu gewinnen, wie Haushalte auf politische Maßnahmen im Wärmesektor reagieren, welche Hemmnisse energieeffizientes Verhalten und Investitionen in Energieeffizienz behindern und wie ein wirkungsvoller und zugleich sozial ausgewogener Instrumentenmix gestaltet werden kann.
- Neues UBA Projekt: In Zusammenarbeit mit dem Institut für sozial-ökologische Forschung und Kollegen von WKÖ untersucht der Kompetenzbereich Umwelt und Ressourcen federführend im Auftrag des Umweltbundesamtes von 2026 bis 2028 im Projekt „Die Dienstwagenbesteuerung: Eine Analyse der fiskalischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen“ umfassend die deutsche Dienstwagenbesteuerung
Der Kompetenzbereich „Wachstum, Konjunktur, Öffentliche Finanzen“ bündelt die RWI-Forschung zu Fragen der Gesamtwirtschaft und der Öffentlichen Finanzen. Der Bereich forscht zu konjunkturellen Entwicklungen, langfristigen wirtschaftlichen Entwicklungen und Strukturwandel sowie Steuer- und Transfersystemen. Hinsichtlich Politikberatung produziert der Bereich Konjunkturprognosen für Deutschland und NRW und nimmt an der Gemeinschaftsdiagnose teil. Der Bereich erstellt zudem den monatlichen RWI-/ISL-Containerumschlagindex und evaluiert Steuerreformen mithilfe des RWI-Einkommensteuer-Mikrosimulationsmodells. Die Forschungsgruppe „Mikrostruktur von Steuer- und Transfersystemen“ ist im Kompetenzbereich angesiedelt. Sie untersucht Reformen des Wohlfahrtsstaats auf mikro- und makroökonomischer Ebene.
Highlight-Publikation: The Micro and Macro Effects of Changes in the Potential Benefit Duration
In dem Beitrag quantifizieren die Autoren Mikro- und Makroeffekte von Änderungen der potenziellen Leistungsdauer (PBD) in der Arbeitslosenversicherung. In Polen beträgt die PBD für neu Arbeitslose 12 Monate, wenn die Arbeitslosenquote des Vorjahresbezirks mehr als 150 % des nationalen Durchschnitts beträgt, und ansonsten 6 Monate. Wir nutzen diesen Grenzwert mit Hilfe von Regressionsschätzungen auf Registerdaten, die das Universum der Arbeitslosen von 2005 bis 2019 enthalten. Für diejenigen, deren PBD direkt von der politischen Regel betroffen ist, d. h. Empfänger von Leistungen, die jünger als 50 Jahre sind, führt eine Erhöhung der PBD von 6 auf 12 Monate zu einer um 13 Prozent höheren Arbeitslosigkeit. Eine Dekompositionsanalyse zeigt, dass 12 Monate nach einer Erhöhung der PBD nur die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosigkeit auf den Effekt auf die Suchanstrengungen (den Mikroeffekt) zurückzuführen ist, während die andere Hälfte auf erhöhte Zuflüsse in die Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Der Gesamteffekt auf die Arbeitslosigkeit, der die Gleichgewichtseffekte einschließt, wird vollständig durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit von Arbeitnehmern erklärt, die direkt von der Politikänderung betroffen sind. Wir finden keine Anzeichen für Spillover-Effekte auf zwei unterschiedliche Gruppen von Arbeitslosen, deren PBD unverändert bleibt, und keine Auswirkungen auf die Messgrößen für die Anspannung des Arbeitsmarktes.
Highlight-Projekt: REshaping Supply CHAins for Positive social impact
In dem Projekt werden die Auswirkungen sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Veränderungen sowie Störungen (einschließlich Covid) auf die internationalen Lieferketten analysiert. Dabei sollen die damit verbundenen Herausforderungen in Bezug auf die Beziehungen zwischen den Ländern und die Auswirkungen auf die Beschäftigung untersucht werden. Darauf aufbauend sollen Vorschläge für die Strategien erarbeitet werden, wie ressourceneffiziente, geschlossene Kreisläufe und humanitäre Maßnahmen integriert werden können, um die Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit der EU zu erhöhen. Einige wichtige europäische Sektoren wie die Mode-, Automobil-, Medizin- und Werkzeugmaschinenindustrie werden anhand von Fallstudien und Umfragen analysiert.
Highlight-Veranstaltung: Ruhr Macro Day 2025
Der erste Ruhr Macro Day fand am RWI Essen statt und brachte Makroökonomen der Ruhr-Allianz aus Wuppertal und Hagen zusammen. Es war ein großartiger Tag mit hervorragenden Vorträgen und spannenden Diskussionen, der künftig jährlich fortgesetzt werden soll.
Weitere Highlights:
Vortrag von Almut Balleer: „Monetary Policy in the Presence of Supply Constraints: Evidence from German Firm-Level Data” im Rahmen des „Money/Macro Research Seminars” beim Board of Governors of the Federal Reserve System in Washington im Mai 2025.
Das FDZ Ruhr am RWI vereint Kompetenzen in Forschung und Datenservice und teilt diese mit internen und externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Das Profil des FDZ Ruhr definiert sich durch die Bereitstellung und Forschung mit kleinräumigen Daten. Dabei ist das FDZ Ruhr Schnittstelle zwischen den internen und externen Datenproduzenten und Datennutzenden sowie den Kompetenzbereichen und Forschungsgruppen des RWI. Das FDZ Ruhr wurde im Jahr 2010 durch den Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) akkreditiert und orientiert seinen Leistungskatalog an dessen Kriterien.
Highlight-Publikation: Wind of Change? Cultural Determinants of Maternal Labor Supply
Barbara Boelmann und Ko-Autorinnen untersuchen in „Wind of Change? Cultural Determinants of Maternal Labor Supply“, wie kulturelle Normen und das soziale Umfeld das Arbeitsangebot von Frauen nach der Geburt eines Kindes prägen. Auf Basis der deutschen Wiedervereinigung zeigen sie, dass sich progressive Geschlechternormen übertragen, wenn westdeutsche Mütter in ostdeutschenUnternehmen arbeiten. Diese Anpassung bleibt sogar nach einer Rückkehr in den Westen bestehen. Ostdeutsche Mütter in Westdeutschland passen sich hingegen nicht an.
Highlight-Projekt: Access to Firmdata
Das DFG-geförderte Projekt „Access to Firmdata“ im Rahmen von KonsortSWD haben wir im Jahr 2025 abgeschlossen. Das Projekt hatte das Ziel neue Datenkooperationen mit Unternehmen einzugehen und Forschenden Guidelines für die Kooperation mit Unternehmen zu geben. Die Erfolge manifestieren sich in neuen Kooperationen, bspw. Die Bereitstellung der AutoScout24-Daten über das FDZ Ruhr sowie etwa 1000 Downloads unseres erschienen Handbuchs.
Highlight-Vortrag:
Im Rahmen des BBSR-geförderten Projekts „Folgen warmer Nebenkosten“ wurde untersucht, wie sich die sprunghaft gestiegenen Energiekosten (im Gebäudebereich) auf die Belastung von Haushalten und energetische Sanierungsmaßnahmen ausgewirkt haben. Im Rahmen eines Workshops wurden die Ergebnisse mit Interessensverbänden, Politik und Forschung debattiert und ihre Interpretation hinsichtlich der Dekarbonisierung im Gebäudesektor analysiert.
Weiteres Highlight:
2025 wurde erstmals der neue Datensatz „RWI-GEO-CARMKT“ mit Informationen zum Gebrauchtwagenmarkt bereitgestellt. Der Datensatz beruht auf einer Kooperation mit AutoScout24 und deckt alle Inseratsdaten der seit xxx gelisteten Anzeigen der Webseite ab. Der Datensatz liefert essenzielle Informationen zur Mobilitätswende und ist ein weiteres Beispiel für prozessgenerierte Unternehmensdaten als zukunftsweisende Quelle für empirische Forschung.
Das Policy Lab „Klimawandel, Entwicklung und Migration“ ist eine Plattform, die Forschungsaktivitäten zu den drei namensgebenden Zukunftsthemen miteinander vernetzt. Die Kernaktivitäten finden am RWI statt, doch das Policy Lab ist zugleich fest an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) verankert. Die Einrichtung bietet lebendige Strukturen, um Forschende am RWI und an umliegenden Universitäten und Instituten zusammenzubringen. Konstituierend für das Policy Lab ist das Ineinandergreifen seiner Themen, und so befasst sich auch seine Forschung mit den Wechselwirkungen zwischen Klima, Entwicklung und Migration. Das Policy Lab nimmt dabei insbesondere die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in den Blick. Dazu wendet das Policy Lab auch meta-wissenschaftliche Methoden an und betrachtet die Rolle der Wissenschaft in den Debatten mit eigenständigen Forschungsprojekten. Dieser Ansatz reflektiert die gesellschaftliche Relevanz der Themen und der Transformationen, die sie in den nächsten Jahrzehnten mit sich bringen.
Für dieses Vorhaben bringt das Policy Lab unterschiedliche Forschungsgruppen, Kompetenzbereiche und Forschende am RWI zusammen.
Highlight-Publikation: Tax Carbon Cautiously for Sub-Saharan Africa
Die Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen sind in vielen Ländern Subsahara-Afrikas die wichtigsten Emissionsquellen und zugleich eng mit Lebensgrundlagen und Armutsbekämpfung verknüpft. Ankel-Peters et al. (2025, Nature Climate Change) zeigen, dass CO₂-Steuern in der Region daher nur ein begrenztes Minderungspotenzial besitzen, obwohl internationale Klimapolitik und CO₂-Grenzausgleichsmechanismen ihre Einführung zunehmend fördern. Die Studie argumentiert zudem, dass CO₂-Steuern weder einen „Carbon Lock-in“ noch den Verlust wichtiger Kohlenstoffsenken wirksam verhindern und gleichzeitig insbesondere arme und wirtschaftlich aufstrebende Bevölkerungsgruppen belasten könnten, während kompensierende Sozialtransfers häufig an fehlenden institutionellen Kapazitäten scheitern.
Highlight-Projekt: The Modernisation of Agriculture and Occupational Change
Die Landwirtschaft in Sub-Sahara Afrika sichert die Existenzgrundlage für einen Großteil der Bevölkerung und spielt daher weiterhin eine zentrale Rolle für wirtschaftliche Entwicklung und strukturellen Wandel. Durch das von UK-Aid finanzierte Projekt "The Modernisation of Agriculture and Occupational Change" konnte gezeigt werden, dass die Ausweitung kommerzieller Landwirtschaft mit einem Wandel lokaler Arbeitsmärkte einhergeht. Während Männer häufiger in abhängige Beschäftigung, insbesondere außerhalb der Landwirtschaft, wechseln, verbleiben Frauen häufiger in selbstständiger Tätigkeit innerhalb des Agrarsektors. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Wandel hin zu kommerzieller Landwirtschaft Prozesse struktureller Transformation fördern kann, gleichzeitig aber unterschiedliche Beschäftigungsmuster von Männern und Frauen fortbestehen. Grundlage der Analyse sind drei Wellen national repräsentativer Census-Daten, 13 DHS-Erhebungswellen für den Zeitraum 1992–2019, georeferenzierte Daten zur Expansion kommerzieller Farmen, Fernerkundungsdaten sowie vor Ort erhobene Betriebsdaten.
Highlight-Veranstaltung: Evidence That Matters: Evidence-based Development Cooperation in Strategy and Practice
Das Policy Lab war Mitveranstalter eines joint learning forums zum Thema evidenzbasierte Entwicklungszusammenarbeit. Die Veranstaltung brachte Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger zusammen, um konkrete Beispiele für die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Politik sowie die daraus zu ziehenden Lehren zu erörtern. Die in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA), dem Deutschen Institut für Entwicklungsevaluation (DEval) und der KfW organisierte Veranstaltung wurde unter anderem von Fachleuten der KfW, der GIZ und der Internationalen Arbeitsorganisation begleitet.
Weitere Highlights:
- Die meta-wissenschaftliche Arbeit des Policy Lab generiert weiterhin viel Aufmerksamkeit. So war Jörg Ankel-Peters auf dem Panel zum Thema „Open Science und Replikation“ bei der Jahrestagung des VfS in Köln vertreten. Das Papier „Is Economics Self-Correcting?” wurde von den Economic-Inquiry Editor:innen zum besten Artikel des Jahres 2025 gewählt (siehe hier https://www.weai.org/news/2025-best-ei-article-award-announced). Die vom RWI herausgegebene Diskussionspapierreihe des Institute for Replication ist eine der am meisten frequentierten Reihen auf Econstor. Nicht zuletzt konnte das Policy Lab ein neues DFG-Projekteinwerben, das sich mit der Bedeutung von KI für Replizierbarkeit beschäftigt.
- Dialogveranstaltung mit der Praxis: Policy Lab organisiert Session auf der Policy-Konferenz „The Future of Climate & Disaster Risk Finance“, 25.-26.6.2025, Bonn: Die Veranstaltung brachte Akteure aus Praxis, Politik und Forschung zusammen, um neue Erkenntnisse und offene Fragen im Bereich Climate Disaster Risk Financing and Insurance zu diskutieren. Das RWI-Team stellte in einer eigenen Session zum Thema „Closing the Protection Gap: Discussions on Increased Need Amidst Growing Risk Exposure“ Forschungsergebnisse zur Nachfrage nach Wetterversicherung sowie dem Zusammenspiel von Wetterversicherung und vorausschauender humanitärer Hilfe vor.
Druckreif








Wirtschaftsgespräch 2025
Seit 1997 bringt das „RWI-Wirtschaftsgespräch“ jährlich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um gemeinsam über aktuelle wirtschaftspolitische Themen zu diskutieren. Zunächst als Podiumsdiskussion konzipiert, wird die Veranstaltung seit dem Jahr 2019 im innovativen Veranstaltungskonzept „3x3: 3 Prominente, 3 Themen, 3 Herausforderer“ umgesetzt: Drei Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft stellen sich den Fragen und Meinungen, die in der öffentlichen Debatte kursieren. Diese werden eloquent zugespitzt vorgebracht von drei Vertreter/innen des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen. Für die studentischen Profi-Debattierer/innen spielt dabei die eigene Position keine Rolle. Es zählt allein die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Gegenseite.
Das „RWI-Wirtschaftsgespräch“ wird von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI gemeinsam mit dem RWI ausgerichtet. Die Fördergesellschaft verleiht im Rahmen des Wirtschaftsgesprächs zudem jährlich Auszeichnungen für hervorragende wissenschaftliche Leistungen am RWI, die in einem der drei Bereiche – Forschung, Nachwuchsförderung sowie wirtschaftspolitische Beratung – einen wesentlichen Beitrag für das RWI geleistet und damit zum Renommee des Instituts beigetragen haben.
Ökonomie Hautnah 2025
Das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sieht es als eine sehr wichtige Aufgabe an, jungen Menschen die Themen und Methoden der Wirtschaftswissenschaften näher zu bringen, Verständnis für Wirtschaftswissenschaften zu fördern und vor allem aktuelle wirtschaftliche Zusammenhänge zu erläutern. Aus diesem Grund haben wir im Jahr 2017 „Ökonomie hautnah – Wirtschaft erleben“ ins Leben gerufen, eine innovative und dialogorientierte Schülerveranstaltung, bei der wirtschaftsbezogene Themen und Fragestellungen von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II gemeinsam mit Forschenden des RWI diskutiert, reflektiert und präsentiert werden.
In einem interaktiven Programm möchte das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Themen und Fragestellungen der Wirtschaftswissenschaften näherbringen, Berührungsängste abbauen und zeigen, wo Ökonomie im Alltag eine Rolle spielt.
Weitere Informationen zu Ökonomie Hautnah
Veranstaltungsort:
Haus der Technik e.V.
Hollestr. 1
45127 Essen
www.hdt-essen.de




