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7-Tage- oder Hospitalisierungsinzidenz – Die „risikoadjustierte Inzidenz“ als alternativer Frühindikator?

von Boris Augurzky, Martin Fischer und Christoph M. Schmidt

10/2021, 9 S./p., 8 Euro, ISBN 978-3-96973-078-2

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Zusammenfassung

Die 7-Tage-Inzidenz ist als Entscheidungsgrundlage für ein adäquates Management der Corona- Pandemie zunehmend ungeeignet. Eine hohe Impfquote unter den vulnerablen, älteren Bevölkerungsgruppen und ein erhöhtes Infektionsgeschehen unter den Jüngeren hat die Bedeutung der Inzidenzwerte für das Gesundheitswesen stark verändert. Nach dem Willen des Bundesgesundheitsministers soll deshalb die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz der wesentliche Maßstab für künftige Maßnahmen werden. Diese kann jedoch nicht als Frühwarnsystem dienen, da sie ebenso wie Daten zur Belegung der Intensivstationen erst die Meldungen von bereits erfolgten Krankenhauseinlieferungen abbildet. Die vorangegangene Infektionsentwicklung bleibt dabei unberücksichtigt. Zudem ist die Erfassung der Daten teilweise unvollständig. Alternativ werden Bündel an Kennzahlen diskutiert, die sich etwa aus Inzidenzen, Krankenhauskennziffern, Testquoten und Sterbefällen zusammensetzen sollen. Die politische und mediale Kommunikation gebündelter Kennzahlen gestaltet sich jedoch schwierig. Als Kompromiss plädieren wir für eine risikoadjustierte Inzidenz. Dabei werden Inzidenzen nach Altersgruppen ausgewertet und mit ihrem jeweiligen Hospitalisierungsrisiko gewichtet. Die daraus resultierende Kennzahl bietet ein unkompliziertes und zugleich aussagekräftiges Frühwarninstrument für die zu erwartende Krankenhausauslastung.

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