RWI in den Medien

Ein bisschen Entspannung dank China

Konjunktur Der Absturz des Welthandels verliert etwas an Kraft, signalisiert der RWI-Containerindex.

WirtschaftsWoche vom 30.04.2020

Als das Münchner ifo Institut jüngst eine Umfrage unter deutschen Exporteuren auswertete, dürfte es selbst altgedienten Volkswirten in der Poschinger Straße die Sprache verschlagen haben. Die Zahlen seien historisch "ohne Beispiel", heißt es bei ifo, die Erwartungen der Ausfuhrwirtschaft "im freien Fall". In Schlüsselbranchen wie dem Maschinenbau und der Elektrotechnik sanken die Exportprognosen der Firmenchefs auf nie gesehene Tiefstwerte. Nur die Pharmabranche geht von stabilen Ausfuhren aus.

In dieser panikähnlichen Gemengelage kommen leise Signale der Hoffnung gerade recht: Der "Containerindex", den das Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) berechnen, konnte sich nach seinem Absturz im Februar im März leicht erholen. Der Indikator liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor. Grund für die Stabilisierung sind die Fortschritte Chinas im Anticoronakampf. "In China kehrten die Häfen zum Normalbetrieb zurück, während in der übrigen Welt Maßnahmen gegen die Pandemie die Handelsaktivitäten dämpften", sagt RWI-ChefVolkswirt Roland Döhrn. Für nachhaltig hält er die leicht positive Entwicklung aber nicht: "Die größten Rückgänge stehen noch bevor." Zumal der aktuell gestiegene Wert immer noch der zweitniedrigste der vergangenen zwei Jahre ist.

In den Index sind die Daten von 91 Häfen aus aller Welt eingegangen. Sie stehen für rund 60 Prozent des weltweiten Containerumschlags (ohne Automobile). Da der Warenverkehr nach wie vor im Wesentlichen per Schiff abgewickelt wird, ist der Index ein gutes Barometer für die weltwirtschaftliche Aktivität. Sein Vorteil gegenüber anderen Indikatoren: Die Daten sind relativ schnell verfügbar, in der Regel 15 bis 20 Tage nach Monatsende

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