RWI in den Medien

Warnung vor zu schneller Öffnung der Kitas

Studie: Anteil der Kinder von berufstätigen Eltern in Einrichtungen ist sehr hoch.

Berliner Morgenpost vom 22.04.2020

Kitaschließung und Homeoffice – viele Eltern leiden unter der Corona- Krise und machen ihrem Frust bei Twitter und in Petitionen Luft. So finden sich etwa Beschreibungen aus dem Alltag, aber auch Beschwerden darüber, dass die Öffnung der Kitas – im Gegensatz zu Geschäften – in weite Ferne rückt. „Fünf Wochen war es uns einigermaßen möglich, Job und Kinder zu Hause zu vereinbaren. Weitere 3,5 Monate aber – also insgesamt fünf Monate – ist die Betreuung zu Hause bei gleichzeitiger Berufstätigkeit aus unserer Sicht nicht möglich“, heißt es etwa in einer Petition Berliner Eltern an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die unserer Redaktion vorliegt.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte keine Hoffnung darauf, dass Kitas schon bald wieder in den Normalbetrieb gehen könnten. „Eine generelle Öffnung der Kitas würde uns bei der Bekämpfung der Epidemie weit zurückwerfen“, sagte der Medizinprofessor unserer Redaktion. „Dann müssten wir den ganzen Herbst dichtmachen.“ Es sei ein schwerwiegender Fehler gewesen, vor Wochen keine wissenschaftlichen Studien gestartet zu haben, inwiefern Kinder das Coronavirus übertragen. „Wir müssen wissen, wie infektiös die Kleinen sind. Das haben wir versäumt.“ Dies nachzuholen werde Zeit brauchen. Vernünftig und beherrschbar sei der Weg, die Notbetreuung in Kitas zu erweitern, damit mehr Menschen mit systemrelevanten Jobs wieder arbeiten könnten.

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hat den Bedarf an Betreuungsplätzen von berufstätigen Eltern untersucht – er ist groß. Die Zahlen liegen unserer Redaktion exklusiv vor. 53 Prozent aller Kinder, die zwischen null und zwei Jahren in Kita oder Tagespflege betreut werden, sind Kinder von berufstätigen Eltern oder Alleinerziehenden in Teil- oder Vollzeit (421.000 Kinder). Minijobs sind hierbei nicht berücksichtigt. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind schon 61 Prozent aller betreuten Kinder von berufstätigen Paaren oder Alleinerziehenden. Bei den Grundschulkindern beträgt dieser Anteil 60 Prozent. Das sind 1.806.000 Kinder, deren Eltern nun beides stemmen müssen. Der Anteil der Grundschulkinder aus alleinerziehenden Familien, bei der die Betreuungsperson in Teil- oder Vollzeit arbeitet, beträgt zehn Prozent. Das sind 292.000 Kinder, wie das RWI berechnet hat.

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