RWI in den Medien

"Ich bin froh, dass Kliniken geschlossen wurden"

Die Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitssystems steht im Mittelpunkt der Corona-
Maßnahmen. Volkswirt Boris Augurzky sagt trotzdem: Es gibt in Deutschland nicht zu wenige,
sondern immer noch zu viele Krankenhäuser.

T-online vom 14.04.2020

In der Corona-Krise wäre nach Ansicht von Gesundheitsökonom Boris Augurzky eine geringere Zahl von Krankenhäusern hilfreich. "Warum soll in einer Pandemie wie der jetzigen eine effizientere Krankenhausstruktur schlechter sein?", fragt der Professor am RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen im Podcast "Tonspur Wissen". Hören Sie hier die komplette Folge: Und so stellt sich Augurzky ein effizienteres System vor: Weniger kleinere Krankenhäuser, mehr größere, zudem "eine stärkere Spezialisierung, vor allem auch, um höhere medizinische Qualität und eine höhere Wirtschaftlichkeit" zu erreichen. "Natürlich mag dann vielleicht ein kleines Krankenhaus mit 100 Betten nicht in der Nachbarschaft mehr existieren", sagt Augurzky. Doch gebe es in einer solchen Struktur nicht weniger Intensiv-Betten und nicht weniger entsprechendes medizinisches Personal.
Ein weiterer Punkt sei, dass deutlich mehr Fälle ambulant in den Kliniken behandelt werden sollten – die Patienten also nicht im Krankenhaus bleiben müssten: "Morgens hin, abends zurück", sagt Augurzky.
Möglichst keine Bezahlung mehr pro Einzelfall
Auch befürwortet der Volkswirtschaftler, dass vor allem für Krankenhäuser in ländlichen Regionen eher in Gesundheitsbudgets gerechnet werde anstatt in der Bezahlung pro Fall. Dies hätte laut Augurzky auch in der Pandemie den Vorteil, dass es für Kliniken egal sei, ob sie etwa geplante Operationen zurückfahren, um Corona-Patienten aufzunehmen.
Um die geltenden Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus lockern zu können, braucht es nach Meinung von Augurzky flächendeckende Tests, ein Tracking der Ansteckung per Smartphone und Atemmasken – ganz nach Vorbild von Südkorea: "Die Indizien sprechen dafür, dass diese Maßnahmen helfen können", sagt der Experte. "Ziel wäre, dass die nicht Infizierten raus können, auch ihrer Arbeit nachgehen können, während die Infizierten und die Verdachtsfälle zumindest vorübergehend isoliert werden müssen."

Hoch