Unstatistik des Monats

Hintergrund

Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämerhaben im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Sie hinterfragen jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit Daten und Fakten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben. Seit August 2018 ist Katharina Schüller, Geschäftsleiterin und Gründerin von STAT-UP, Mitglied des Unstatistik-Teams.

Sie haben Interesse an der monatlich erscheinenden Unstatistik? Wir nehmen Sie gerne in unseren auf. Desweiteren können Sie die Unstatistik des Monats per RSS-Feed abonnieren oder sie auf Twitter verfolgen.

Das Buch zur Unstatistik

216 S., zahlreiche Tabellen und Grafiken, Klappenbroschur
EUR 16,99/EUA 17,50/sFr 24,90
ISBN 978-3-593-50030-0

Aktuelle Unstatistiken

31.07.2019

Vegetarische und vegane Ernährung senkt Diabetes II-Risiko um 23 Prozent

Die Unstatistik des Monats Juli ist die von vielen Medien aufgegriffene Meldung, dass vegane Ernährung das Risiko einer Diabetes-II-Erkrankung um fast ein Viertel reduziert. Grundlage der Studie waren jedoch lediglich neun Schätzergebnisse. Zudem suggeriert die relative Risikoreduktion um fast ein Viertel einen großen Effekt, faktisch handelt es sich lediglich um die Reduzierung des absoluten Risikos um knapp zwei Prozentpunkte von 7,7 auf 5,9 Prozent. Mehr

28.06.2019

Mehr Unfälle durch vereinfachten Motorradführerschein?

Die Unstatistik des Monats Juni ist die Interpretation der österreichischen Unfallstatistik durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die BASt stellt fest, dass sich die Verkehrssicherheit in Österreich erkennbar ver-schlechtert habe, seit im Jahr 1997 eine Regelung zum vereinfachten Erwerb der Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder eingeführt wurde. Die Statistiken zeigen aber keine längerfristige Trendwende in der Verkehrssicherheit. In Deutschland gibt es derzeit Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, eine vergleichbare Regelung einzuführen. Mehr

07.06.2019

„Zuverlässiger“ Bluttest aus Heidelberg: jede zweite gesunde Frau würde falschen Krebsbefund erhalten

Die Unstatistik des Monats Mai ist die Falsch-Alarm-Rate des Heidelberger Bluttests für Brustkrebs. Wie aktuelle Informationen zeigen, liegt er über alle getesteten Frauen hinweg bei 46 Prozent. Wenn ein solcher Test zum Brustkrebs-Screening eingeführt werden würde, würden also knapp die Hälfte aller gesunden Frauen in Deutschland einen verdächtigen Befund erhalten. Mehr

17.04.2019

Gelsenkirchen #401

Im April 2019 wurde eine Studie aus dem Mai 2018 als Unstatistik virulent: Wie u.a. die WAZ berichtet, weigern sich mehrere Oberbürgermeister und Landräte des Ruhrgebiets, an zwei vom ZDF geplanten Ranglisten, dem „Familienatlas“ und dem „Seniorenatlas“, teilzunehmen. Hintergrund ist die Verärgerung der Lokalpolitiker über die Studie „Wo lebt es sich am besten? Die große Deutschland-Studie“ aus der Dokumentations-Reihe ZDFzeit vom Mai 2018, die von der Prognos AG im Auftrag des ZDF erstellt wurde. Mehr

29.03.2019

Digitaler Scheinenthusiasmus

Die Unstatistik des Monats ist eine im März publizierte Studie der Firma Duden Learnattack, nach der sich deutsche Lehrer und Schüler mehr digital geprägten Unterricht wünschen. Diese Stichprobe ist aber nicht repräsentativ. Vielmehr zieht YouGov seine Stichprobe zufällig aus einem Pool internet-affiner Zeitgenossen. Mehr

28.02.2019

Weltsensation: Bluttest erkennt Brustkrebs!

Die Unstatistik des Monats Februar ist eine Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg. Sie berichtet über einen neuen „marktfähigen“ Bluttest für Brustkrebs, der eine Trefferrate (Sensitivität) von 75 Prozent hat. Nicht angegeben ist die Falsch-Alarm-Rate. Sie macht die Trefferrate jedoch erst aussagekräftig. Mehr

04.02.2019

Berichterstattung in der Tagesschau über den Zusammenhang von Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen

Die "Unstatistik des Monats" ist das Konzept der „Anzahl vorzeitiger Todesfälle“. Es suggeriert beispielsweise, dass Schweine gefährlicher sind als Diesel-Autos und den größten Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub verursachen – doppelt so viele wie bisher angenommen. Für die "Tagesschau" ist damit klar, dass Feinstaub ebenso gefährlich ist wie Rauchen. Mehr

08.01.2019

„Sie sind wahrscheinlich HIV-Positiv“

Seit Oktober dürfen in Deutschland HIV-Schnelltests frei verkauft werden, die man in Apotheken, Drogerien oder über das Internet bestellen und anonym selbst durchführen kann. Zum verantwortungsvollen Umgang mit ihnen gehört, verständlich zu erklären, was ein positives Testergebnis wirklich bedeutet. Denn bei einem positiven Testergebnis liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man infiziert ist, nur bei etwa 8 Prozent. Mehr

04.12.2018

Die sogenannte „schwarze Null“

Die Unstatistik des Monats November 2018 ist die vielzitierte „schwarze Null“, mit der Bundesfinanzminister Scholz seinen Haushaltsentwurf 2019 abschließt. Dabei ist erstens zu beachten, dass insbesondere die derzeit gute Konjunktur zu höheren Staatseinnahmen und geringeren Ausgaben führt. Zweitens ignoriert die derzeitige Berechnungsweise, dass staatliche Autobahnen, Brücken und andere öffentliche Infrastrukturprojekte gelegentlich repariert oder erneuert werden müssen. Mehr

30.10.2018

„Erfolgreiche“ Gesichtserkennung mit Hunderttausenden Fehlalarmen

Die Unstatistik des Monats Oktober ist die Pressemitteilung des Innenministeriums über das „erfolgreiche“ Projekt zur automatischen Gesichtserkennung mit einer Trefferrate von über 80% und Falsch-Alarm-Rate von unter 0,1%. Tatsächlich würden monatlich mehr als 350.000 unnötige Personenkontrollen durch Fehlalarme verursacht. Mehr

Kontakt

Prof. Dr. Thomas K. Bauer
RWI-Vizepräsident
Tel.: (0201) 8149-264

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer
Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Tel.: (030) 82406-0

Prof. Dr. Walter Krämer
TU Dortmund
Fakultät Statistik
Tel.: (0231) 755-3125

Unstatistik-Archiv

Informationen zum FDZ Ruhr am RWI

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