Unstatistik des Monats

VCD-„Städtecheck“ liefert falsche Zahlen zur Verkehrssicherheit

Unstatistik vom 29.06.2012

Die Unstatistik des Monats Juni ist der „Städtecheck 2012“ des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Hier teilt der VCD 76 deutsche Großstädte je nach der Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche in unterschiedliche Gefährdungsklassen ein. Dazu werden die Veränderungsraten der Verkehrsunfälle der vergangenen fünf Jahre arithmetisch gemittelt. Diese Vorgehensweise ist irreführend und wissenschaftlich nicht zulässig.

Angenommen, in einer Stadt gibt es erst 10, dann 16, dann 8 Verkehrsunfälle pro 1000 Kinder und Jahr. Dem entsprechen jährliche Veränderungsraten von +60% und –50 %, im Mittel also +5 %. In Wahrheit hat aber die Zahl der Verkehrsunfälle abgenommen. In Deutschland hat sich die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder in den vergangenen Jahren mehr als halbiert.

Deshalb geht auch die ausführliche Medienberichterstattung über diesen Städtecheck an den wahren Tatsachen vorbei. So titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am 18. Juni: „Im Ruhrgebiet verunglücken mehr Kinder auf den Straßen“. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. So verunfallten nach Angaben des VCD bundesweit, also unter Einbezug der ländlichen Gebiete, im Jahr 2010 260 von 100.000 Kindern. Dabei lagen nur 8 der untersuchten 76 Städte am oder unter diesem Bundesdurchschnitt, darunter Bochum, Hagen und Herne. Betrachtet man nur Städte, waren 320 von 100.000 Kindern an Unfällen beteiligt. Mit Ausnahme von Moers, Recklinghausen und Krefeld lagen alle Ruhrgebietsstädte unter diesem Wert. Im Vergleich zu anderen deutschen Städten leben Kinder im Ruhrgebiet also vergleichsweise sicher.

Auch die vom VCD angeführten internationalen Vergleiche hinken. Demnach verunglückten in Deutschland im Jahr 2009 277 von 100.000 Kindern im Straßenverkehr, in den Niederlanden dagegen nur 52. Das ist zum großen Teil auf eine andere Definition zurückzuführen: in den Niederlanden werden – anders als in Deutschland – geringfügige Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern statistisch nicht erfasst. Nur Kinder, die wegen eines Unfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, gehen in die Statistik ein. In Deutschland dagegen wird jedes Kind gezählt, auch wenn es sich bei einem Verkehrsunfall beispielsweise lediglich das Knie aufgeschürft hat und direkt nach Hause gehen kann.

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Ihr Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-31 25

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