Unstatistik des Monats

Das Glück macht einen Sprung!

Unstatistik vom 28.10.2016

Krieg im Nahen Osten, Flüchtlingskrise, Terrorgefahr, Brexit, Klimawandel – aber die Deutschen werden glücklicher, so das von nahezu allen Presseorganen aufgenommene Ergebnis des von der Deutschen Post herausgegebenen Glücksatlas, über den unter anderem Zeit Online oder auch heute.de am 18. Oktober berichtet haben. „Das Glück der Deutschen macht einen deutlichen Sprung“ – sagt man uns dort schon im Titel. In der Studie hatten Deutsche ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 beurteilt. Gegenüber dem Vorjahr ist diese im Mittel von 7,0 auf 7,1 gestiegen! Mit diesem „deutlichen Sprung“ von 0,1 habe Deutschland endlich das jahrelang zu beobachtende „Zufriedenheitsplateau“ von 7,0 verlassen, so die Berichte. Und es wurden auch munter Vergleiche sowohl einzelner Regionen über die vergangenen Jahre als auch Vergleiche zwischen einzelnen Regionen gefeiert oder beklagt. So titelte RP Online „Menschen in Köln sind glücklicher als in Düsseldorf“ oder die B.Z. Berlin „Berliner werden immer unglücklicher“. Hat das Glücksniveau in Deutschland nun wirklich endlich die magische Marke von 7,0 durchbrochen? Sind Kölner wirklich glücklicher als Düsseldorfer und werden Berliner immer unglücklicher?

Die Antwort auf diese Fragen ist in allen Fällen: Wahrscheinlich nein! Die im Glücksatlas dokumentierte Entwicklung des Glücksindex zeigt alle paar Jahre leichte und wohl zufällige Abweichungen von einem langfristig (schwach) ansteigenden Trend. In den Jahren 2005 und 2010 ist der Glücksindex ähnlich leicht angestiegen wie im Jahr 2016, um im Jahr danach wieder zu fallen. Und im Jahr 2015 war ein kleiner Einbruch des Glücks zu verzeichnen. Das Glück ist also wahrscheinlich einfach wieder zu seinem langfristigen Trend zurückgekehrt. Düsseldorfer waren in den Jahren 2014 und 2015 glücklicher als Kölner. Und in Berlin ist der Glückindex von 6,89 auf 6,85 gefallen. Sowohl beim Vergleich von Düsseldorf und Köln, als auch bei der Entwicklung des Glücks in Berlin sind die jeweiligen Unterschiede jedoch sehr gering und sehr wahrscheinlich einfach dem Zufall geschuldet.

Fazit: Alles wenig dramatisch – wahrscheinlich hat sich am Endorphinniveau der Deutschen nichts verändert. Nur die Post hat kräftig ins Horn geblasen.

----------

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Bauer,                       Tel.: (0201) 8149-264
Jörg Schäfer (Pressestelle RWI),           Tel.: (0201) 8149-244

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.

Pressemitteilung (PDF)

Hoch