Unstatistik des Monats

Mindestlohn: Alle fühlen ihre Position bestätigt

Unstatistik vom 30.09.2015

Die Unstatistik des Monats September sind die vermeintlich positiven oder negativen Beschäftigungseffekte des Mindestlohns. Während beispielsweise das „Handelsblatt“ am 15. September schrieb „Die Horrorstorys haben sich nicht bewahrheitet“ und „Bild“ am 16. September titelte „Mehr Geld für 3,7 Mio. Arbeitnehmer!“, berichtete der „Focus“ am 15. September „120.000 Mini-Jobs weg - Gewerkschaft und Arbeitgeber streiten über Mindestlohn“.

Die Befürworter des Mindestlohns führen ins Feld, dass sich die von vielen Ökonomen prognostizierten „Horrorszenarien“ nicht bewahrheitet hätten, da trotz des Mindestlohns die Beschäftigung angestiegen sei. Die Gegner des Mindestlohns kontern mit dem Hinweis auf den erheblichen Rückgang der Minijobs. Beide Argumente sind aus statistischer Sicht nicht aussagekräftig. Weder die Entwicklung der Gesamtbeschäftigung in Deutschland, noch die Beschäftigungsentwicklung in einzelnen Branchen oder die Entwicklung der Anzahl der Minijobs kann für sich genommen einen Hinweis auf die Beschäftigungseffekte des Mindestlohns geben. Dazu müsste die beobachtete Beschäftigungsentwicklung einer hypothetischen Entwicklung ohne Mindestlohn gegenübergestellt werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese hypothetische Entwicklung nicht direkt beobachtet werden kann. Hierfür wäre eine recht aufwändige wissenschaftliche Evaluation notwendig, die mit der derzeitigen Datenlage nicht möglich ist. Damit sind alle Aussagen zur Wirkung des Mindestlohns zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.

Es bleibt abzuwarten, wie Befürworter und Gegner eines Mindestlohns argumentieren werden, wenn die Arbeitslosigkeit in der nächsten Rezession zunehmen wird. Vermutlich werden die Mindestlohngegner argumentieren, die Arbeitslosigkeit wäre ohne Mindestlohn nicht so stark angestiegen, während die Befürworter behaupten werden, die Arbeitslosigkeit wäre ohne Mindestlohn noch stärker angestiegen. Auch diese beiden Behauptungen sind ohne eine eingehende wissenschaftliche Untersuchung kaum mit glaubwürdigen Fakten zu untermauern.

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Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas K. Bauer, Tel.: (0201) 8149-264

Pressemitteilung (PDF)

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