Umwelt und Ressourcen

Projekt: RWI-Stromspiegel

Der RWI-Stromspiegel stellt unregelmäßig Informationen zum Stromverbrauch privater Haushalte auf Basis von umfangreichen Haushaltserhebungen zur Verfügung. Ziel des RWI-Stromspiegels ist es, privaten Haushalten Vergleichsinformationen zum durchschnittlichen Stromverbrauch anderer, gleich großer Haushalte in ähnlichen Lebensverhältnissen, insbesondere mit ähnlichem Einkommen, zur Verfügung zu stellen. Empirische Studien aus den USA zeigen, dass solche Informationen zu den Verbrauchswerten vergleichbarer Haushalte dazu beitragen können, dass Haushalte ihren Stromverbrauch senken.

Bisherige Veröffentlichungen

7. Februar 2018

RWI-Stromspiegel: Nicht immer zahlt sich der Wechsel zum stromsparenden Elektrogerät aus

Wie hoch der mittlere jährliche Stromverbrauch von in deutschen Haushalten verbreiteten Kühlschränken oder Waschmaschinen ist, ist mangels smarter Messgeräte vielfach nicht bekannt. Dadurch ist auch ungewiss, wieviel Geld sich durch die Investition in ein neues Elektrogerät mit niedrigerem Stromverbrauch einsparen lässt. Nachrechnen lohnt sich. Das zeigt eine aktuelle RWI-Studie zum Stromverbrauch in privaten Haushalten, die auf zwei umfangreichen Erhebungen basiert.

Da die Strompreise die Budgets privater Haushalte immer stärker belasten, erscheinen stromsparende Maßnahmen immer lohnenswerter. Um ermitteln zu können, wieviel Strom und damit Geld durch neue stromsparende Geräte eingespart werden kann, muss jedoch bekannt sein, wieviel Strom die zu ersetzenden alten Geräte verbrauchen. Laut einer aktuellen Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sind beispielsweise für den Betrieb eines Kühlschranks durchschnittlich rund 300 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr erforderlich, für einen Gefrierschrank etwa 400 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 30 Cent pro kWh kostet der Betrieb dieser Geräte demnach jährlich 90 bzw. 120 Euro.

Grundlage der Studie sind zwei umfangreiche Erhebungen, die zur Ergänzung des Deutschen Haushaltsenergieverbrauchspanels GRECS (German Residential Energy Consumption Survey) vom Berliner Marktforschungsinstitut forsa Gmbh, Berlin, durchgeführt wurden. Sie geben Auskunft über den Stromverbrauch von mehr als 2.000 Haushalten in den Jahren 2011 bis 2013 sowie über deren Ausstattung mit Elektrogeräten.

Investition in energieeffiziente Elektrogeräte lohnt finanziell nicht immer

Würde ein Haushalt mit einem Kühlschrank mit durchschnittlichem Verbrauch von 300 kWh pro Jahr ein neues energieeffizientes Gerät (mit Gefrierfach) mit einem Verbrauch von rund 160 kWh anschaffen, könnte er demnach bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh jährlich rund 42 Euro einsparen. Bei einem Anschaffungspreis von 700 Euro eines solchen aktuell auf dem Markt befindlichen Gerätes würde sich eine solche Investition innerhalb der durchschnittlichen Lebensdauer von Kühlschränken von zehn Jahren jedoch nicht rechnen. Auch unter Umweltgesichtspunkten kann der Austausch des alten Kühlschranks gegen einen neuen unvorteilhaft sein, da zur Herstellung eines neuen Kühlschranks erhebliche Mengen an Energie erforderlich sind und dabei Treibhausgase emittiert werden.

Noch weniger auszahlen würde sich diese Investition, wenn der neue Kühlschrank die durchschnittliche Lebensdauer von zehn Jahren deutlich unterschreiten und früher kaputt gehen würde oder der Haushalt einen günstigen Stromtarif deutlich unterhalb des durchschnittlichen Niveaus von derzeit rund 30 Cent je kWh hätte. Eher rechnen könnten sich solche Investitionen hingegen, wenn der alte Kühlschrank einen überdurchschnittlich hohen Verbrauch aufweist, besonders in Zeiten steigender Strompreise. Es lohnt sich also, den Stromverbrauch des zu ersetzenden Gerätes zu ermitteln und auf dieser Grundlage über den Kauf eines neuen zu entscheiden. 

Haushalte verwenden ein Viertel des Stromverbrauchs zur Kühlung

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass der Stromverbrauch einzelner Geräte stark über die Haushalte hinweg variiert. So fällt bei Haushalten im untersten Viertel der Stromverbrauchsverteilung der Stromverbrauch einer einzelnen Lampe mit 5,3 kWh deutlich schwächer aus als bei Haushalten des obersten Viertels (15,9 kWh). Bei Kühlschränken beträgt der Unterschied im jährlichen Stromverbrauch zwischen Haushalten des untersten und obersten Viertels der Stromverbrauchsverteilung pro Jahr etwa 65 kWh.  

Haushalte mit geringem Verbrauch verwenden zudem einen größeren Anteil des Stroms für elementare Anwendungen wie Kühlen und Kochen als Haushalte mit hohem Stromverbrauch. Eine Ursache für den hohen Stromverbrauch mancher Haushalte liegt nicht selten am Gebrauch energieintensiver Einrichtungsgegenstände wie Saunen, Wasserbetten oder Solarien.

Haushalte mit einem mittleren Stromverbrauch nutzen rund ein Viertel des Stromverbrauchs zur Kühlung, 15 Prozent für Information und Kommunikation, also den Betrieb von Fernsehgeräten, Computern oder Notebooks. Weitere alltägliche Anwendungen wie Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Kochen, Waschen und Trocknen machen jeweils zwischen 2 und 6 Prozent des gesamten Stromkonsums aus.

 

10. November 2016

RWI-Stromspiegel: Zuwanderung lässt Stromverbrauch steigen

Der Zustrom von geschätzt 2,5 Millionen Zuwanderern nach Deutschland bis zum Jahr 2020 könnte zu einem um 0,5% erhöhten Stromverbrauch der privaten Haushalte führen. Dieser Anstieg läuft dem im Energiekonzept der Bundesregierung formulierten Ziel zur Senkung des künftigen Stromverbrauchs zuwider. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle RWI-Stromspiegel auf Basis detaillierter Haushaltsangaben zum Stromverbrauch mehrerer tausend privater Haushalte für das Jahr 2014.

Bis zum Jahr 2020 erwartet die deutsche Bundesregierung die Nettoeinwanderung von 2,5 Millionen Menschen. Die Einwohnerzahl Deutschlands wird sich also um diese Zahl erhöhen. Nach Schätzungen des aktuellen Stromspiegels des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ergibt sich daraus ein zusätzlicher Stromverbrauch von 649 Mio. Kilowattstunden (kWh). Das entspricht etwa 0,5% des deutschen Haushaltsstromverbrauchs von 130 Mrd. kWh. Dieser Anstieg läuft dem im Energiekonzept der Bundesregierung formulierten Ziel zur Senkung des künftigen Stromverbrauchs zuwider. Es sieht vor, dass der Stromverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 10% gegenüber dem Jahr 2008 reduziert werden soll, bis zum Jahr 2050 sogar um 25%. Hierzu muss auch der Stromverbrauch der privaten Haushalte gesenkt werden. Diese machen etwa ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs aus und sind daher ein wichtiger Ansatzpunkt im Energiekonzept.

Der Schätzung liegt die Annahme zugrunde, dass die Hälfte der Zuwanderer langfristig in Deutschland bleibt und in Haushalten mit vier und mehr Personen in Mehrfamilienhäusern lebt, die einen niedrigen Stromverbrauch von 2 595 kWh haben. Der geschätzte zusätzliche Stromverbrauch in Höhe von 649 Mio. kWh resultiert aus der Multiplikation des Stromverbrauchs von 2 595 kWh mit der angenommenen Zahl von 250 000 zusätzlichen Migrantenhaushalten.

Mehrfamilienhäuser verbrauchen deutlich weniger Strom als Ein- und Zweifamilienhäuser

Für den aktuellen RWI-Stromspiegel haben die Wissenschaftler mehr als 4 500 Angaben zum Stromverbrauch der privaten Haushalte für das Jahr 2014 ausgewertet. Auf Basis der vom RWI gemeinsam mit forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erhobenen Daten können Haushalte ihren Stromverbrauch mit dem anderer, gleich großer Haushalte vergleichen. Empirische Studien aus den USA zeigen, dass solche gezielte Informationen zu den Verbrauchswerten vergleichbarer Haushalte dazu beitragen können, dass Haushalte ihren Stromverbrauch senken.

Die Auswertung zeigt, dass Haushalte in Mehrfamilienhäusern deutlich weniger Strom verbrauchen als vergleichbare Haushalte in Ein- und Zweifamilienhäusern. Darüber hinaus ist zu erkennen, dass der zusätzliche Stromverbrauch eines weiteren Haushaltsmitglieds umso geringer ist, je größer der Haushalt bereits ist.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Manuel Frondel

Prof. Dr. Manuel Frondel

Tel.: (0201) 8149-204

Prof. Dr. Colin Vance

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Stephan Sommer

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