RWI Schriften 77

Was hat die Reform der Minijobs bewirkt? - Erfahrungen nach einem Jahr

von Michael Fertig, Jochen Kluve und Markus Scheuer

Berlin: RWI, 02/2005, 141 S./p., 64 Euro, ISBN 3-428-11798-0

Zusammenfassung

Viel wird über die "Hartz-Reformen" und ihre Effekte spekuliert, aber es gibt bislang so gut wie keine aussagekräftigen Belege, auf die sich derartige Schlussfolgerungen stützen können. Auch wenn sich viele Wirkungen der Hartz-Reformen erst im Zeitablauf richtig entfalten werden, so besteht doch mittlerweile die Möglichkeit zu einer ersten Zwischenbilanz für solche Reformkomponenten, die bereits seit geraumer Zeit umgesetzt sind. Eine solche ist die Neuregelung bei den Minijobs, die zum 1. April 2003 in Kraft gesetzt worden war.
Die vorliegende Untersuchung beinhaltet damit die erste fundierte Analyse der Auswirkungen der Neuregelungen im Bereich der Minijobs. Sie knüpft an das umfassende Evaluierungskonzept an, das vor einiger Zeit als Heft 74 der RWI : Schriften veröffentlich worden war. Untersucht werden insbesondere die Quellen des Zuflusses in Minijobs nach der Reform von 2003 sowie der Handlungsbedarf, der dadurch entsteht, dass Arbeitslose nicht im erwarteten Umfang derartige Beschäftigungsverhältnisse aufnehmen bzw. aus ihnen heraus in eine sozialversicherungs- pflichtige Beschäftigung wechseln. Dazu wurden auf der Basis einer schriftlichen Befragung von 10 000 Personen umfangreiche Hintergrundinformationen erhoben. Der Gesamtrücklauf belief sich auf 2 451 Fragebögen. Mit Hilfe dieser Daten wurden umfassende statistisch-ökonometrische Analysen durchgeführt, um zu Erkenntnissen hinsichtlich der Zusammensetzung des Bestandes und des Zuflusses an Beschäftigten in Minijobs zu gelangen.
Die Ergebnisse dieser Analysen liefern ein gemischtes Bild hinsichtlich des Erfolgs der Reform der Minijobs. So wurde das Ziel, die Attraktivität geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse zu steigern, zwar erreicht, jedoch sind erhebliche Zweifel angebracht, ob Minijobs für Arbeitslose tatsächlich als eine "Brücke" in ein nicht-geringfügiges Beschäftigungsverhältnis dienen können. Um die Brückenfunktion der Minijobs zu stärken, wird daher ein Reformvorschlag unterbreitet ("Erweiterter Minijob für Arbeitslose"), der eine zeitlich befristete Erhöhung der Einkommensgrenze für Minijobs für seit mindestens sechs Monaten arbeitslos oder arbeitsuchend gemeldete Personen vorsieht, wobei gleichzeitig die Anrechnungsregelungen für Hinzuverdienste bei Leistungsbezug generöser gestaltet werden sollen. Zur Abrundung werden zudem die Arbeitsmarktwirkungen sowie die "Kosten" des Reformvorschlags abgeschätzt.
Mit der Durchführung dieser Untersuchungen war das RWI Essen im März 2004 von der Minijob-Zentrale der Bundesknappschaft beauftragt worden. Die Proktleitung lag in den Händen von Dr. Michael Fertig. Die Autoren danken Prof. Dr. Thomas K. Bauer, Dr. Ulrich Roppel, Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Thorsten Vennebusch und Uwe Werner für die Bereitstellung der Daten und für kritische Anmerkungen und Diskussionen bei der Erstellung der Studie.

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