RWI Schriften 78

Der Zins-Pass-Through deutscher Geschäftsbankengruppen

von Hiltrud Nehls

Berlin: RWI, 01/2007, 164 S./p., 66,80 Euro, ISBN 978-3-428-12407-7

Zusammenfassung

Am 6. Dezember 2005 hob die Europäische Zentralbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte an und veränderte ihn damit zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren. Dieser Zinsschritt zog bis Oktober 2006 fünf weitere nach sich, insgesamt wurde der Hauptrefinanzierungssatz seitdemum125 Basispunkte erhöht.
Für die Konjunkturprognose gehören die Zentralbankzinsen mit zu den bedeutenden Einflüssen, die zu antizipieren und zu analysieren sind. Zunächst dürften höhere Leitzinsen zu einem Anstieg der Zinsen auf Kredite und Einlagen führen, was c.p. die Spartätigkeit anregt und die Investitionen dämpft. Über diesen vereinfachten Mechanismus hinaus ist jedoch ein differenzierteres Bild von großemWert für die Analyse und Prognose der volkswirtschaftlichen Entwicklung. Dabei besteht ein wichtiger Schritt, den es zu verstehen gilt, in der Reaktion des Bankensektors auf dieVerteuerung der Liquidität am Kapitalmarkt. Denn noch immer wird ein Großteil der in Deutschland verwendeten Finanzmittel nicht direkt am Kapitalmarkt, sondern in Form von Krediten bei den Geschäftsbanken aufgenommen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit eben dieser Reaktion des deutschen Bankensektors auf veränderte Kapitalmarktzinsen. Sie untersucht die theoretischen und institutionellen Einflussfaktoren und quantifiziert die zeitliche Verzögerung, mit der die Reaktion vonstatten geht.
Die Ergebnisse dürften nicht nur für jene von Interesse sein, die Deutschland aus konjunktureller oder geldpolitischer Perspektive betrachten und sich aus diesem Grund mit der Weitergabe von Zentralbankimpulsen beschäftigen. Die vorliegende Analyse lässt gleichermaßen Rückschlüsse auf den hiesigen Bankenmarkt zu, über die Wettbewerbsverhältnisse und die Wirkung verschiedener institutioneller und historisch gewachsener Eigenheiten.

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