RWI Schriften 81

Reale Konjunkturzyklen, Effizienzlöhne und die Rolle von Ölpreisschocks

von Tobias Zimmermann

Berlin: RWI, 11/2007, 234 S./p., 72 Euro, ISBN 978-3-428-12631-6

Zusammenfassung

Bereits Ende der siebziger Jahre wurde die bis dahin übliche theoretische und empirische Trennung zwischen lang- und kurzfristiger ökonomischer Analyse in Frage gestellt und von der Real Business Cycle (RBC)-Theorie kurze Zeit später analytisch überwunden. Der empirische Gehalt ursprünglicher RBC Modelle erweist sich zwar insbesondere vor dem Hintergrund der dort getroffenen restriktiven Annahmen auch heute noch als erstaunlich gut. Allerdings haben sich für dieses Konzept in seiner ursprünglichen Form gravierende Erklärungsdefizite gezeigt. So weisen insbesondere die Arbeitsmärkte in entwickelten Volkswirtschaften konjunkturelle Muster auf, die von traditionellen RBC-Modellen nur ungenügend erklärt werden können.
Die vorliegende Arbeit zeigt, dass diese Mängel durch eine explizite Modellierung bestimmter Unvollkommenheiten des Arbeitsmarkts wirkungsvoll beseitigt werden können. Insbesondere führt die Annahme der Unteilbarkeit der Arbeit in Kombination mit Effizienzlöhnen zu einer besseren Erklärung konjunktureller Muster in Deutschland. Auf dieser Basis können sowohl allgemeine konjunkturelle Phänomene (stylized facts) als auch die absolute Höhe der Schwankungen größtenteils durch angebotsseitige Schocks (Technologie- und Ölpreisschocks) und daraus resultierende optimale Anpassungsreaktionen der Wirtschaftssubjekte beschrieben werden.
Inhaltlich legen die Ergebnisse die Vermutung nahe, dass Effizienzlöhne für die Erklärung der strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland eine größere Bedeutung haben als häufig angenommen. Zudem stellen sie das in der Praxis übliche Vorgehen in Frage, den Potenzialoutput mit Hilfe eines mehr oder weniger glatten Trends zu berechnen. Hier hingegen wird der Potenzialoutput als derjenige Output definiert, der sich in einer Welt mit völlig flexiblen Löhnen und Preisen unter Berücksichtigung der (Angebots-)Schocks und der daraus folgenden Anpassungen ergibt. Ein solches Gleichgewicht müsste mit Hilfe eines RBC-Modells für die jeweilige Periode berechnet werden. Die Ergebnisse einer traditionellen Konjunkturdiagnose, welche statistische Filterverfahren verwendet, und einer theoretisch fundierten Konjunkturdiagnose auf der Grundlage von RBC-Modellen können daher zu völlig unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Implikationen führen. Die vorliegende Arbeit liefert damit gute Gründe für eine adäquate Berücksichtigung der Grundgedanken der RBC-Theorie bei der praktischen Konjunkturanalyse und weist auch den Weg in eine fundiertere wirtschaftspolitische Beratung.

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