RWI Schriften 68

Arbeitsmarktgesteuerte Zuwanderung – Szenarien der Zuwanderung sowie rechtliche und institutionelle Aspekte ihrer Steuerung

von Ullrich Heilemann, Hans D. von Loeffelholz und Klaus Sieveking

Berlin: RWI Essen, 11/2002, 109 S./p., 52 Euro, ISBN 3-428-11051-5

Zusammenfassung

Deutschland wird auch in Zukunft ein wichtiges Zuwanderungsziel in Europa sein. Angesichts der aus Bevölkerungsschrumpfung und -alterung resultierenden längerfristigen Arbeitsmarkterfordernisse auf der einen Seite und der bevorstehenden EU-Osterweiterung auf der anderen wird in der Öffentlichkeit zunehmend eine verstärkte Steuerung von Immigrationen diskutiert. Das Thema gewinnt insbesondere durch die green card-Initaitive der Bundesregierung zur Anwerbung von hochqualifizierten IT-Beschäftigten aus dem Ausland an Bedeutung, und die Diskussionen über die Möglichkeiten und Grenzen einer arbeitsmarktspezifischen Steuerung zukünftiger Zuwanderungen nehmen auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen zu. Die Bundesregierung hat eine Unabhängige Kommission "Zuwanderung" eingesetzt, die Anfang Juli 2001 ihre Vorschläge vorlegte; Parteien und Verbände haben ebenfalls entsprechende Überlegungen vorgestellt, und die Regierung will noch in dieser Legislaturperiode ein Gesetzesvorhaben zur Regelung der Zuwanderung abschließen.
Die vorliegende Untersuchung, die im Rahmen eines Forschungsprojekts für die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags "Demographischer Wandel" entstand und Anfang 2002 abgeschlossen wurde, knüpft an diese Diskussionen an und stellt vor dem Hintergrund unterschiedlicher Zuwanderungsszenarien zunächst eine Reihe von arbeitsmarktspezifischen Zuwanderungskriterien vor. Die Autoren verweisen dabei mit Recht auf den in Deutschland gegebenen Ordnungsrahmen und zeigen die Probleme auf, die mit den Unsicherheiten verbunden sind, das langfristige Arbeitsmarktniveau in den unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen, aber auch die jeweiligen strukturellen Anforderungen für Steuerungszwecke zu prognostizieren. Sie stellen aber nicht nur die Frage nach den konjunkturellen Verläufen, sondern auch danach, inwieweit die technologische Entwicklung bzw. die "Globalisierung" tatsächlich zu einer relativen Deprivierung weniger qualifizierter Arbeitskräfte führt oder inwieweit künftig nicht eher die "Gärtner" als die "Gartenarchitekten" (Krugman) gefragt sein werden.
Die Arbeit zeigt weiter mögliche, auf die zukünftige Arbeitsmarktentwicklung ausgerichtete Kriterien für eine gesteuerte Zuwanderung auf und diskutiert sie unter dem Aspekt des Zuwanderungspotenzials im Zuge der EU-Osterweiterung und der Integrationschancen. Dabei werden die Kriterien auch in Hinblick auf ihre Operationalisierbarkeit und Überprüfbarkeit analysiert. Besondere Bedeutung kommt ebenfalls den Möglichkeiten und Grenzen für eine derartige arbeitsmarktspezifische Steuerung zu; entsprechende internationale Zuwanderungspolitiken und Erfahrungen in "klassischen" Einwanderungsländern und ihre Übertragbarkeit auf Deutschland unter anderen institutionellen Rahmenbedingungen werden berücksichtigt.

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