RWI Schriften 75

CO2-Vermeidung und Brennstoffwahl in der Elektrizitätserzeugung – Ökonometrische Analysen

von Harald Tauchmann

Berlin: RWI, 07/2004, 215 S./p., 72 Euro, ISBN 3-428-11574-0

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund einer drohenden Veränderung des Weltklimas wurde in jüngerer Vergangenheit die Notwendigkeit erkannt, den Ausstoß klimarelevanter Spurengase, insbesondere CO2, zu reduzieren. Ein Weg dazu könnte in der Substitution kohlenstoffreicher durch -arme Energieträger bestehen. Dabei ist der Elektrizitätserzeugungssektor als größter CO2-Emittent der naheliegendste Kandidat. Um dies von staatlicher Seite zu unterstützen, sind umweltpolitische Instrumente erforderlich, z.B eine CO2-Steuer. Solche Steuern sind aber nur dann effektiv, wenn der Energieträgermix durch sie hinreichend stark beeinflusst wird. Darüber hinaus muss die Preissensitivität des Energiemix bekannt sein, um den Minderungszielen entsprechende Steuersätze festlegen zu können. Wie stark der Energieträgermix auf solche Steuern reagieren würde bzw. wie hoch die entsprechenden Steuersätze gewählt werden müssten, stellt dabei eine empirische Frage dar. Diese am Beispiel Deutschlands und der USA zu beantworten, ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. In ihrem Zentrum steht also die empirische Analyse der Preissensitivität des Energieträgermix im Elektrizitätssektor und damit seine Steuerbarkeit über Preisinstrumente. In methodischer Hinsicht werden ganz überwiegend mikroökonometrische Verfahren angewendet.
Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd: Keine der durchgeführten Untersuchungen lieferte Hinweise auf starke Effekte von Brennstoffpreisänderungen auf die Energieträgerwahl im Elektrizitätssektor. Konnte dieses Ergebnis für Deutschland noch mit auf die hier hohe Regulierungsintensität zurückgeführt werden, vermittelte die Analyse für die USA, dass auch technologische Gründe hierfür verantwortlich sind. Die ökologische Effektivität differenzierter Energiesteuern muss daher zurückhaltend beurteilt werden. Das heißt, es müssten sehr hohe Energiesteuern erhoben werden, um eine deutliche CO2-Minderung zu erzielen. Dies bedeutet letztlich jedoch nichts anderes, als dass die Vermeidungskosten in diesem Fall sehr hoch wären. Zudem erwies es sich als schwierig, aus historischen Daten die zur Festlegung der richtigen Steuersätze notwendigen Preissensitivitäten zuverlässig zu bestimmen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die nunmehr von der EU getroffene Entscheidung, die CO2-Emissionen über ein Zertifikatesystem, also ein Mengeninstrument, zu reduzieren, als vermutlich geeignetere Strategie als der Einsatz von Preisinstrumenten. CO2-Zertifikate zielen nämlich im Gegensatz zu entsprechend differenzierten Energiesteuern nicht explizit auf eine Veränderung des Energiemix ab und erfordern keine Information über Preissensitivitäten, um bestimmte Vermeidungsziele zu realisieren. Gleichwohl werden sich hohe Vermeidungskosten aber auch in einem Zertifikatesystem auswirken. Bei einer durch die Zertifikate festgelegten Emissionsmenge sind die Kosten der CO2-Reduktion endogen - und möglicherweise überraschend hoch. Die Vermeidung von CO2-Emissionen im Elektrizitätssektor könnte sich so als unerwartet steiniger Weg erweisen.
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