Ruhr Economic Papers

Ruhr Economic Papers #657

Policy Uncertainty and International Financial Markets: The Case of Brexit

von Ansgar Belke, Irina Dubova und Thomas Osowski

RGS, UDE, 10/2016, 43 S./p., 8 Euro, ISBN 978-3-86788-763-2 DOI: 10.4419/86788763

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Zusammenfassung

Die vorliegende Studie misst den Einfluss ökonomischer Unsicherheit, die durch das EU-Referendum in Großbritannien generiert wird, auf die britischen und internationalen Finanzmärkte. Es werden dabei die ersten und zweiten statistischen Momente analysiert. Aufgrund der Verknüpfung internationaler Finanzmärkte und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass neben Großbritannien auch weitere Volkswirtschaften vom Brexit ökonomisch betroffen sind, wird der Einfluss der Unsicherheit über den Brexit und des Brexits selbst nicht auf britische Finanzmärkte beschränkt sein. Eine Analyse der direkten Brexit-Effekte auf die Finanzmärkte ermöglicht eine Markteinschätzung der Größe der zukünftigen realwirtschaftlichen Effekte und die Erstellung einer Rangfolge der negativ beeinflussten Volkswirtschaften außerhalb Großbritanniens.
Zu diesem Untersuchungszweck werden zunächst die Verfahren von Diebold/ Yilmaz (2012) und Hafner/ Herwartz (2008) zur Messung der zeitvariablen Beziehungen zwischen britischer politischer Unsicherheit (policy uncertainty) und der Volatilität auf britischen Finanzmärkten angewendet. Anschließend wird der Einfluss der gemessenen Brexit-Wahrscheinlichkeit im Vorfeld des Referendums auf die internationalen Finanzmärkte geschätzt. Die verwendeten Variablen zur Messung der Brexit-Wahrscheinlichkeit basieren auf Daten von Betfair und Bloomberg. Die endogenen Finanzmarktvariablen umfassen Aktienrenditen, 10-Jahreszinsen auf Staatsanleihen, Sovereign CDS von 19 verschiedenen Ländern und den Wert des britischen Pfunds gegenüber einer Vielzahl anderer Währungen.
Gemäß unserer Resultate hat die politische Unsicherheit, die direkt auf das EU-Referendum zurückgeführt werden kann, vor und nach dem 23.6.2016 Finanzmärkte in Großbritannien destabilisiert und zu umfangreichen Volatilitätsanstiegen geführt. Zusätzlich ergeben sich starke Effekte auf internationale Aktien-, Zins- und Devisenmärkte. Auf Basis der Ergebnisse lassen sich daher Potentiale für realwirtschaftlicher Effekte in der mittleren Frist ableiten. Die Stärke der länderspezifischen Effekte ist dabei nicht vollständig durch bestehende bilaterale Handels- und Finanzbeziehungen zu erklären. Wir finden stattdessen überproportionale Effekte auf die Finanzmärkte der sogenannten GIIPS Staaten. Die Folgen der Unsicherheit über den Brexit sind somit nicht auf Großbritannien beschränkt, sondern betreffen auch die Eurozone.

JEL-Classification: C58, D81, E44, F36

Keywords: Brexit; causality tests; financial instability; Pound sterling; uncertainty; spillovers

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