Ruhr Economic Papers

Ruhr Economic Papers #482

State-of-Play in Implementing Macroeconomic Adjustment Programmes in the Euro Area

von Daniel Gros, Cinzia Alcidi, Ansgar Belke, Leonor Coutinho und Alessandro Giovannini

University of Duisburg-Essen, 05/2014, 34 S./p., 8 Euro, ISBN 978-3-86788-548-5 DOI: 10.4419/86788548

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Zusammenfassung

Das Europa-Parlament unterzog soeben das Wirken der Troika im Hinblick auf Rechenschaftslegung, Demokratieprinzip und Transparenz einer kritischen Prüfung. Dieser Beitrag fasst die Kernaussagen einer vom Committee on Economic and Monetary Affairs (ECON) des Europäischen Parlaments in Auftrag gegebenen ausführlichen Studie zusammen. Zwei der vier makroökonomischen Anpassungsprogramme, dasjenige für Portugal und das für Irland, können in dem Sinne als erfolgreich angesehen werden, dass die ursprünglichen Erwartungen bezüglich der fiskalpolitischen und der außenwirtschaftlichen Anpassung weitestgehend erfüllt wurden. Eine auf Exporten basierende Wende ist in beiden Ländern bereits eingetreten. Eine vollständige Erholung wird aber noch viele Jahre benötigen. In Griechenland waren schon die ursprünglichen Pläne unzureichend. Während der starke Einfluss der fiskalpolitischen Anpassung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im Prinzip hätte beizeiten antizipiert werden können, war der Widerstand gegen Strukturreformen überraschender und bleibt nur schwer zu überwinden. Die fiskalpolitische Anpassung ist nunmehr fast vollendet. Die außenwirtschaftliche Anpassung ist jedoch nur wenig vorangekommen. Die Exporte stagnieren trotz eindrucksvoller Senkung der Lohnkosten. Anders als Irland und Portugal hat Griechenland nach wie vor Probleme, die Ziele seines Anpassungsprogramms zu erfüllen, seine Wirtschaft schrumpft wieder und die Regierung steht in scheinbar endlosen Verhandlungen über ein neuerliches multilaterales Finanzierungspaket. Warum? Das Problem lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Exporte (oder vielmehr: Mangel an Exportwachstum). Zwei Zahlen zeigen das Dilemma des Landes. Die Regierung hat in 2013 einen primären Haushaltsüberschuss (Haushaltssaldo minus Schuldendienst) erzielt, und Griechenland hat 2013 weniger exportiert als 2012. Dass der griechische Staat erstmals seit Jahrzehnten in der Lage ist, seine Ausgaben mit seinen eigenen Einnahmen zu bezahlen, ist zwar in der Tat ein Meilenstein. Doch wir glauben, dass die zweite Nachricht (der Mangel an Exportwachstum) langfristig die bedeutsamere ist. Für Zypern war das Ergebnis weniger einschneidend als ursprünglich befürchtet. Es ist jedoch noch für alle Programmländer zu früh, robuste Evidenz fuer eine Erhöhung des langfristigen Produktionspotenzials durch die Anpassungsprogramme zu finden. Survey-basierte Evidenz legt nahe, dass Strukturreformen bisher kaum gewirkt haben. Die von der EU geführten makroökonomischen Anpassungsprogramme außerhalb der Eurozone (z.B. Lettland) waren noch viel strikter. Trotzdem erfolgte die Anpassung schneller und mündete in eine schnellere Wende und Erholung.

JEL-Classification: E22, E62, F32

Keywords: Current account imbalance; Euro area; fiscal multiplier; investment; macroeconomic adjustment programme

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