RWI in den Medien

Negative Effekte von Windkraft

Manuel Frondel bewertet die aktuellen Erkenntnisse zu Vermögensverlusten bei Immobilien durch die Errichtung neuer Windparks.

Fuldaer Zeitung vom 10.02.2020

Bei den Technologien zur Stromerzeugung wird häufig Schwarz.-Grün-Malerei betrieben: Einerseits gelten konventionelle Technologien, vor allem Atom- und Kohlekraftwerke, als nicht mehr zeitgemäß und gefährlich für Mensch und Umwelt. Andererseits werden regenerative Technologien wie Photovoltaik und Windkraftanlagen scheinbar als makellos angesehen. Und die Politik ist offenbar der Auffassung, dass allein den „grünen“ Technologien die Zukunft gehört. Hingegen ist das Ende der Atomkraft in Deutschland schon seit langem auf das Jahr 2022 festgesetzt und die Tage der Kohlekraftwerke sind mit dem bis spätestens zum Jahr 2038 avisierten Kohleausstieg ebenfalls gezählt.

Trotzdem weisen auch regenerative Technologien erhebliche Nachteile auf. Abgesehen von ihrem geringen Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Strom und ihrer Kosteneffizienz, welche die Stromverbraucher mittlerweile mit mehr als 25 Milliarden Euro pro Jahr sehr teuer zu stehen kommen, hat jede grüne Technologie ihre spezifischen Nachteile. So gehen mit Windkraftanlagen zum Beispiel die Lärmbelästigung ihrer Umgebung und die Gefährdung von Vögeln einher.

Vor allem stellt jedoch die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ein massives Problem dar: Allein die bloße Existenz der Anlagen sorgt für gravierende Vermögensverluste bei den Anwohnern, weil deren Grundstücke und Immobilien mit der Errichtung von Windkraftanlagen in ihrer Nähe erheblich an Wert verlieren. Die große Zahl von rund 1000 Bürgerinitiativen gegen die Windkraft, die es mittlerweile in Deutschland gibt, ist ein starkes Indiz für derartige negative Effekte.

Wie eine Studie des RWI-Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung mit dem Titel „Local Cost for Global Benefit: The Cas of Wind Turbines“ zeigt, können Windkraftanlagen den Wert eines Einfamilienhauses, das nicht weiter als ein Kilometer davon entfernt ist, im Durchschnitt um gut sieben Prozent senken. In absoluten Werten betratet kann demnach die Installation einer Windkraftanlage für Hausbesitzer einen Vermögensverlust von mehreren zehntausend Euro bedeuten. Mit zunehmendem Abstand von der Windkraftanlage verringert sich der Effekt und er verschwindet gang bei einem Abstand von acht bis neun Kilometern. Wie die RWI-Studie zudem zeigt, erleiden nicht alle Immobilien den gleichen Wertverlust: Am stärksten betroffen sind alte Häuser in ländlichen Gebieten. Hier kann der Wertverlust innerhalb eines Ein-Kilometer-Radius sogar 23 Prozent betragen. Dagegen verlieren Häuser in Stadtrandlage bei gleicher Entfernung zu einer Windkraftanlage kaum an Wert. Dies dürfte daran liegen, dass in städtischen Gebieten Störungen des Landschaftsbildes oder Lärm weniger auffallen als auf dem Land.

Angesichts der wichtigen Rolle, die der Windkraft für die Energiewende zugedacht ist, sollte die Politik Konsequenzen aus diesen Ergebnissen ziehen. Sie sollte grundsätzlich darüber nachdenken, ob grüne Investitionen in Windkraftanlagen an Land, von denen einige wenige profitieren, wofür alle aber privaten Stromverbraucher die lasten zu tragen haben und worunter viele Anwohner in erheblichem Maße zu leiden haben, ein sozialverträgliches Modell für eine nachhaltige Stromversorgung der Zukunft sein.

Hoch