RWI in den Medien

Containerboom trotz Handelsflaute

DER SPIEGEL vom 28.09.2019

Im Exportland Deutschland steigt die Furcht vor einer Rezession, die Handelskonflikte bremsen die Weltkonjunktur – doch das Geschäft in den internationalen Seehäfen läuft erstaunlich gut. Der Containerumschlag hat laut vorläufiger Schätzung im August einen neuen Höchstwert erreicht. Das RWI-Leibniz- Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen ermitteln monatlich einen Index. Er bildet den Umschlag in 83 Häfen weltweit ab und gilt als verlässlicher Indikator für die globale Konjunktur. Dass der Wert deutlich von der trüben Stimmung vor allem in Deutschland abweicht, überrascht auch RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Der Ökonom erklärt die Diskrepanz so: Die aktuelle, in vielen Ländern beobachtete Schwäche der Autoindustrie fließe nicht in den Index ein, weil Autos nicht in Containern verschifft würden. Sie werden vor allem mit der Bahn oder auf speziellen Fähren transportiert. Auch bei Schüttgütern, etwa Agrarwaren wie Soja, die mit Sanktionen belegt seien, schlage sich ein möglicher Rückgang nicht im Index nieder. Verzerrt werden könnte der Umschlagswert laut Döhrn auch dadurch, dass vermehrt Container ohne Ladung unterwegs seien, weil in den Entladehäfen weniger Waren auf den Versand warten. Gleichwohl hält der Wissenschaftler den Index weiter für »einen guten Spiegel der Globalisierung «. Belastet werde die Weltwirtschaft derzeit durch die extrem hohe Unsicherheit, die der Containerumschlag nicht abbilden kann.

Hoch