RWI in den Medien

Lichtblick für die Konjunktur

Ifo-Index steigt erstes Mal seit Frühjahr.

Süddeutsche Zeitung vom 25.09.2019

Kleine Atempause für die deutsche Wirtschaft: Der viel beachtete Ifo-Index ist das erste Mal wieder gestiegen, nachdem es zuvor fünf Monate abwärts ging. „Der Abschwung macht eine Pause“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Eine wirkliche Wende ist das allerdings nicht: Für die nächste Zeit erwarten die befragten Manager weitere Probleme.

Im September stieg der Geschäftsklimaindex von 94,3 auf 94,6, nachdem er im August auf den niedrigsten Wert seit sieben Jahren gefallen war. Zum Vergleich: Im April stand er noch bei 99,3. Der Aufwärtstrend im September kommt daher, dass die 9000 befragten Manager die aktuelle Lage besser einschätzen. Ihr Ausblick auf die kommenden Monate ist dagegen erneut pessimistischer geworden: Die Erwartungen gingen weiter zurück.

Am Montag war bekannt geworden, dass der Index der Einkaufsmanager in der Eurozone im September auf ein Sechs-Jahres-Tief gefallen ist. Nach 51,9 im August steht er nur noch bei 50,4. Der Wert gilt ebenso wie der Ifo- Index als Gradmesser der Unternehmensaktivität. Notenbanker Mario Draghi warnte, der Eurozone drohe ein „längerer Durchhänger“, als noch vor wenigen Monaten gedacht. Der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) rechtfertigte bei einem Auftritt vor dem Europäischen Parlament erneut seine starke Lockerung der Geldpolitik Mitte September, als er unter anderen das Kaufprogramm für Anleihen wiederbelebt hatte. Diese Aktion war auf starke Kritik selbst innerhalb des EZB-Rats gestoßen. Die wirtschaftliche Abschwächung in Deutschland, der größten EU-Wirtschaftsnation, liefert den zentralen Grund für die Sorgen in der Eurozone. Die deutsche Konjunktur ist gespalten: Während die Binnennachfrage und der Arbeitsmarkt stabil sind, leidet die Industrie unter dem globalen Handelsstreit und dem langsameren Wachstum Chinas. Viele Ökonomen erwarten, dass die deutsche Wirtschaft wie im zweiten auch im dritten Quartal von Juli bis einschließlich September geschrumpft ist. Die führenden wirtschaftlichen Forschungsinstitute in Deutschland legen kommende Woche ihre Herbstprognose vor. Zuletzt hatten eine ganze Reihe von Instituten ihre Prognose nach unten korrigiert. So erwarten das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Essener RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent. Zum Vergleich: 2018 nahm das Bruttoinlandsprodukt noch um 1,5 Prozent zu. Auch für kommendes Jahr sind die Ökonomen inzwischen skeptischer geworden. So rechnet das Kieler IfW-Institut nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent – wobei fast die Hälfte auf eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Arbeitstagen im kommenden Jahr zurückgeht.

Hoch