RWI in den Medien

Ölpreis: Was Verbraucher wissen müssen

Der Preis von Öl stieg am Montag stärker als an jedem anderen Tag seit 1991, weil die größte Raffinerie in Saudi-Arabien angegriffen wurde. Verschärft sich die Krise, kann dies die Wirtschaft weiter schwächen – mit Folgen für die Bürger.

Rheinische Post Düsseldorf-Mitte/West vom 17.09.2019

Die Weltwirtschaft ist ein Dorf. Das bestätigte sich am Montag erneut an den globalen Ölmärkten. Weil die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt in Saudi-Arabien von Drohnen angegriffen worden war, verteuerte sich Öl zeitweise um rund 14 Prozent auf mehr als 68 US-Dollar. Die Heizölpreise in Deutschland stiegen um zeitweise acht Prozent. Und der Börsenindex Dax ging um ein halbes Prozent nach unten, die von niedrigen Kerosinpreisen sehr abhängige Lufthansa verlor allerdings drei Prozent ihres Wertes. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Krise.

Spritpreise - Laut Einschätzung des ADAC hält sich die aktuelle Preiserhöhung von rund einem Cent pro Liter Benzin oder Diesel in Grenzen. Der Automobilclub meint, nun hinge alles davon ab, wie sich die Krise am persischen Golf weiter entwickelt: Aktuell würde die Preise für einen Liter Diesel mit rund 1,25 Euro pro Liter Diesel sowie von 1,38 Euro pro Liter E10- Super sowie deutlich niedriger liegen als vor einem Jahr, als Lieferengpässe auf dem Rhein die Notierung hoch gedrückt hatten. Der Preis an der Tankstelle würde nur relativ niedrig steigen, sagte eine ADAC-Sprecherin, weil Steuern ja mehr als die Hälfte des Endpreises ausmachen würden. „Falls die Krise am Golf eskaliert, könnten die Notierungen natürlich noch deutlich stärker zulegen“, sagt sie. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr kostete der Liter Diesel noch 1,34 Euro der Liter Super E10 1,50 Euro. Der Mineralölwirtschaftsverband weist zudem darauf hin, dass Saudi-Arabien für Deutschland kein wichtiger Öllieferant sei.

Heizöl - Der Preis für Heizöl stieg mit einem Plus von acht Prozent deutlich stärker als Benzin – auch weil hier der Steueranteil viel niedriger ist. Die meisten Experten raten nun zum Abwarten. „Mit diesem Ereignis ist das Tankfenster für die Verbraucher bis auf weiteres zugeschlagen. Wir raten den Verbrauchern abzuwarten“, verkündet der Branchendienst Tecson. Dies sieht auch Roland Döhrn so, Konjunkturexperte beim Essener RWI-Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung: „Natürlich könnte Heizöl etwas teurer werden. Aber es ist auch gut denkbar, dass die Lage sich wieder beruhigt.“

Konjunktur - Bisher haben relativ niedrige Energiepreise geholfen, die Wirtschaft in Deutschland und weltweit trotz Handelskriegen und Brexit-Debatte zu stabilisieren. Steigen nun aber die Ölpreise dauerhaft, könnte dies die Risiken erhöhen. „Die Wirtschaft ist zwar insgesamt weniger abhängig vom Ölpreis als früher“, sagt Döhrn. Er warnt jedoch davor, dass höhere Preise für Benzin und Heizöl die Konjunktur schwächen. „Das würde die Kaufkraft der Kunden senken. Wenn dann der private Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur schwächelt, steigt das Risiko einer Rezession.“

Dies sieht auch das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) so. Die Weltwirtschaft würde um 0,2 Prozent in 2021 langsamer wachsen, falls die Ölpreise dauerhaft um rund ein Fünftel gegenüber dem bisherigen Niveau abheben, hat es berechnet. Immerhin zwölf Prozent des weltweiten Öls würden in Saudi-Arabien gefördert, also würden langfristige Unterbrechungen von Lieferungen auf die weltweiten Notierungen durchschlagen. Besonders China wäre wahrscheinlich von höheren Energiepreisen betroffen.

Versorgung - Eine ernsthafte Versorgungskrise erwartet niemand. Auch darum verzichtet die Bundesregierung darauf, die staatlichen Ölreserven freizugeben. Die sichere Versorgung liegt auch daran, dass die US-Ölindustrie dank der Fracking-Technologie zweitgrößter Ölförderer der Welt geworden ist. Auch Rußland fördert soviel schwarzes Gold wie möglich, der Irak ist auch wieder stark präsent, das hohe Angebot zeigt sich auch an den Preisen: Der Preis von 68 US-Dollar pro Barrel Rohöl liegt zwar deutlich höher als noch im Dezember mit damals 52 Dollar, doch vor einem Jahr lag die Notierung bei 84 Dollar, vor fünf Jahren bei 100 Dollar.

Auch NRW-Wirtschafts- und Energieminister, Andreas Pinkwart (FDP), sieht die Lage gelassen: „Die Krise am Persischen Golf belastet die wirtschaftliche Entwicklung, keine Frage. Allerdings verfügen einige Ölförderländer noch über freie Kapazitäten, um die Produktionsausfälle auszugleichen.“ Er sieht die Konjunktur unter anderem als stabil, weil es am Arbeitsmarkt relativ gut aussieht: „Der Arbeitsmarkt erweist sich als robust im Vergleich zu früheren Schwächephasen.“

Börse - Nur um 0,5 Prozent rutschte der Börsenindex Dax gestern ab, ein Zeichen dafür, dass die professionellen Anleger wegen der Golfkrise erst einmal keinen Einbruch der Wirtschaft erwarten. Eine große Rolle spielt, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt deutlich weniger von günstiger Energie abhängig ist als vor Jahren. Selbst für den Düsseldorfer Chemie- und Konsumgüterkonzern Henkel spielt die Energierechnung nur noch eine kleine Rolle, ebenso sieht es bei allen Dienstleistern oder auch bei Bayer, Siemens, Telekom oder den Autobauern aus Trump-Faktor Der entscheidende Grund, warum die Wirtschaft bisher keine globale Rezession wegen der Krise am persischen Golf erwartet, ist, dass US-Präsident Donald Trump eher als zurückhaltend gilt, mit der Großmacht Iran eine bewaffnete Auseinandersetzung zu wagen. Per Tweet drohte er zwar mit einem Vergeltungsschlag infolge der Drohnenangriffe auf die Ölraffinerie. Zuvor hatte Außenminister Mike Pompeo den Iran für die Angriffe verantwortlich gemacht, obwohl sich dazu bereits die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen ausdrücklich bekannt hatten. Allerdings ist offenkundig, dass Trump etwas über ein Jahr vor der nächsten US-Präsidentschaftswahl keinen Krieg riskieren will, weil dies seine Wiederwahl gefährden könnte.

Trump machte keine Angaben dazu, wen die Vereinigten Staaten für den Urheber des Angriffs halten. Er schrieb auf Twitter: „Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen.“ Die USA stünden bereit, warteten aber auf eine Bestätigung und auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Urheber des Angriffs halte und welches Vorgehen sie empfehle. Kleinere Angriffe gegen iranische Einheiten zur Vergeltung sind damit also denkbar, eine Invasion oder breitflächige Bombenangriffe eher nicht.

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