RWI in den Medien

Angst vor der Rezession

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal leicht geschrumpft. Vor allem die exportorientierte Industrie steckt wegen des Handelskonflikts in der Krise.

Handelsblatt vom 15.08.2019

Angela Merkel (CDU) versuchte schon im Vorfeld zu beruhigen. „Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit für ein Konjunkturpaket“, sagte die Kanzlerin, einige Stunden bevor das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit negativen Daten aufwartete. Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Und viele Indikatoren deuten darauf hin, dass im dritten Quartal ein richtiger Einbruch droht. Deutschland wäre dann offiziell in einer „technischen Rezession“ – und der zehnjährige Aufschwung beendet.

„Die deutsche Industrie steht momentan vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt wegen der sich immer weiter aufschaukelnden Handelskonflikte“, sagte Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrats, dem Handelsblatt. „Sollten sich diese zuspitzen, könnte es zwar auch zu einer anhaltenden Schrumpfung der Wirtschaft kommen.“ Dennoch rät er „beim augenblicklichen Stand zu mehr Gelassenheit“. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht die Wirtschaft „in einem Graubereich zwischen Magerwachstum und Rezession“.

Auch international gibt es Warnsignale. Zweijährige US-Anleihen werfen erstmals seit 2007 mehr Rendite ab als zehnjährige Papiere. Das Kippen der Zinskurve gilt als Krisenindikator. Die Angst vor einer weltweiten Rezession schickte die Aktienmärkte auf Talfahrt.

Sollte die Bundesregierung jetzt mit einem Konjunkturprogramm gegensteuern? Ökonom Schmidt hält das derzeit für eine „übertriebene Reaktion“, zumal die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch intakt sei. Der gewerkschaftsnahe Wirtschaftsweise Achim Truger fordert hingegen eine schnelle Reaktion: „Der Bund sollte die schwarze Null aufgeben, öffentliche Investitionen verstärken und mit Ländern und Gemeinden Spielräume für zusätzliche expansive Maßnahmen ausloten.“

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