RWI in den Medien

Die Stimmen zum Thema "Nobelpreis für Greta"

DIE WELT vom 14.08.2019

Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), würde es sehr begrüßen, wenn die 16-Jährige die ranghohe Auszeichnung bekäme:

"Klimaschutz und die globale Energiewende sind das beste Friedensprojekt, welches wir derzeit haben. Dezentrale erneuerbare Energien vermeiden geopolitische Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen. Greta Thunberg hat den Friedensnobelpreis hoch verdient, sie trägt dazu bei, dass Klimaschutz in den politischen Entscheidungen einen hohen Stellenwert bekommt. Damit trägt sie zum globalen Friedensprojekt bei."

Hubertus Porschen, Internetunternehmer und Ex-Bundesvorsitzender des Verbands Die Jungen Unternehmer, sieht es ähnlich:

"Greta Thunberg unternimmt etwas. Sie hat Überzeugungen und ist kreativ. Eigenschaften, die bei vielen Kindern über den Durchlauf durchs Bildungssystem verloren gehen. Ich würde mich freuen, wenn so ein engagierter junger Mensch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird."

Fritz Vahrenholt, früher Topmanager bei Shell und RWE und heute Alleinvorstand der Deutschen Wildtier- Stiftung, hält dagegen:

"Wenn die Menschheit Gretas Ziele und Zeitvorstellungen verfolgt, wird dies Wohlstand und Entwicklung zerstören. Die Folge sind Armut, Hunger und kriegerische Konflikte. China - das jede dritte Tonne ausstößt - wird sich nicht beeindrucken lassen, weiter immer mehr CO2 produzieren, und in diesem Szenario die Welt beherrschen."

Dieter Kempf, ein anderer Wirtschaftsvertreter, nennt Greta Thunberg nicht namentlich und empfiehlt sie auch nicht ausdrücklich für den Nobelpreis - aber der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) lobt das Klimaengagement der Jugend:

"Ich finde es gut, dass sich junge Menschen für Politik und ihre Zukunft engagieren - ohne Wenn und Aber. Jede Generation hat die Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, dass die Gesellschaft sich positiv entwickelt. Jüngere Generationen sollen und müssen ihre Stimme erheben und sich einmischen. Solange man miteinander im Gespräch bleibt, lassen sich auch große Herausforderungen bewältigen. Probleme zu benennen ist eine Sache, noch wichtiger ist, Wege zur Lösung aufzuzeigen und Lösungsvorschläge offen und vorurteilsfrei zu diskutieren."

Judith Skudelny ist umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Sie lobt Greta, zählt aber zugleich zu den Nobelpreisskeptikern:

"Greta Thunberg hat es auf beeindruckende Weise geschafft, eine ganze Generation von jungen Menschen für Klimapolitik zu interessieren und zu politisieren. Es ist nicht mehr an der Zeit, 'nur' aufzurütteln, sondern internationale Lösungsansätze aufzuzeigen. Und an dieser Herausforderung scheint auch Greta Thunbergs basisdemokratische Bewegung 'Fridays for Future' zu scheitern, wie der europäische Kongress im Schweizer Lausanne Anfang August gezeigt hat. Dass nun ernsthaft erwogen wird, Greta Thunberg den Friedensnobelpreis zu verleihen, zeigt einerseits unsere Hilflosigkeit, Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu finden, und andererseits auch unsere Hilflosigkeit gegenüber weltweit stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen und Bedrohungen wie beispielsweise in Syrien, Iran, Nordkorea oder in der Ukraine direkt vor unserer Haustür."

Bjørn Lomborg ist ein dänischer Klimaexperte, der die Denkfabrik Copenhagen Consensus Center leitet. Er hält den Friedensnobelpreis für Greta ebenfalls für einen Fehler:

"Greta den Nobelpreis zu verleihen, hieße, den zugrunde liegenden Klimaalarmismus zu begrüßen. Dies ist falsch, führt dazu, Milliarden für eine schlechte Klimapolitik zu verschwenden, und verängstigt unnötig Kinder und Erwachsene. Die UN schätzen, dass der Einfluss von globaler Erwärmung selbst dann, wenn wir nichts tun, bis 2070 zwischen 0,2 und zwei Prozent der Einkommen betragen wird - zu einer Zeit, in der wir zwischen 200 und 500 Prozent reicher als heute sein werden. Greta Thunberg erzählt uns, dass wir 'Angst haben' sollen, dass wir 'panisch werden' sollen und dass unser 'Haus in Flammen steht'. Ich verdenke ihr das nicht - sie ist schlicht selbst zu Tode verschreckt durch den Klimaalarmismus. Aber ich gebe den Erwachsenen Schuld, die sie verängstigen, fehlinformieren und fördern. Dies sollte nicht vom Nobelkomitee belohnt werden."

Christoph Schmidt ist Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und misst dem Engagement einen besonderen Wert bei:

"Indem sie die junge Generation für das Thema begeistert hat, hat Greta Thunberg einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Klimapolitik in der westlichen Welt nun schon seit vielen Monaten ganz weit oben auf der Agenda der öffentlichen Diskussion steht. Das hat die Politik unter Zugzwang gesetzt, endlich mehr dafür zu tun, die eigentlich längst vereinbarten Klimaziele tatsächlich zu erreichen. Diese Leistung verdient Anerkennung."

Thomas Mayer ist ein weiterer bekannter Ökonom - und geht auf Distanz. Der Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute sagt:

"Ich denke, das wäre eine sinnwidrige Vergabe des Preises, die wohl kaum der Absicht des Stifters entsprechen würde. Alfred Nobel wollte, dass der Preis für Leistungen zur 'Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen' vergeben wird. Ich kann nicht erkennen, dass Greta Thunberg irgendetwas auf diesen Gebieten geleistet hätte. Vielmehr ist sie eine politische Aktivistin mit dem Ziel, die Politiker zu Maßnahmen zur Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid zu nötigen."

Dietmar Bartsch ist Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. Er ist voll des Lobes für Thunberg. Geehrt würde mit der Auszeichnung eine ganze Generation :

"Greta Thunberg gebührt großer Respekt, den entscheidend von Menschen verursachten Klimawandel oben auf die politische Agenda gesetzt zu haben. Die Klimafrage und der Kampf um Ressourcen ist ganz zentral auch eine Friedensfrage. Greta Thunberg hat große Teile der jungen Generation auf das Thema aufmerksam gemacht und für das Thema gewonnen. Viele wissen, die Klimafrage kann nicht weiter in die Zukunft verschoben werden, sie muss jetzt entschlossen angegangen werden. Greta Thunberg würde den Preis deshalb auch stellvertretend für eine Generation erhalten, die keine Geduld mehr mit Politikern hat, die Themen so lange in die Zukunft schieben, bis zu wenig von dieser Zukunft bleibt."

Bettina Hoffmann ist umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Sie findet, dass Greta den Friedensnobelpreis "verdient" hätte:

"Sie stellt die Nachhaltigkeitskrise ins Zentrum allen Handelns und spricht die Dramatik der Situation mit großer Klarheit und Glaubwürdigkeit aus. Scheinbar aus dem Nichts heraus zieht sie Menschen allen Alters weltweit in ihren Bann, fordert viel und gibt gleichzeitig Hoffnung. Liest man ihre eigene Geschichte, spürt man, dass sie mit ungeahnter Stärke aus sich selbst herausgeht, mit dem Ziel, die Klimakrise aufzuhalten. Damit liefert sie einen unschätzbaren Beitrag für den Frieden auf unserem Planeten."

Carsten Träger ist umweltpolitischer Sprecher SPD im Bundestag und würde Greta wählen:

"Wäre ich die Jury, würde Greta Thunberg den Friedensnobelpreis bekommen! Was diese junge Frau in einem Jahr geschafft hat, ist beispiellos! Dank ihr gibt es eine weltweite Bewegung von jungen und nicht mehr ganz so jungen Leuten für mehr Klimaschutz. Das Thema Klimaschutz ist für viele Menschen inzwischen das wichtigste überhaupt. Das gibt uns Umweltpolitikern Rückenwind für schnellere Entscheidungen und macht außerdem Hoffnung, dass die junge Generation viel politischer und engagierter ist als oft befürchtet."

Alice Weidel ist Fraktionsvorsitzende der AfD - und warnt die Entscheider in Oslo:

"Greta Thunberg ist zu einer quasireligiösen Ikone einer hypermoralisierten Klimakampagne hochstilisiert worden. Das ist zum einen schlimm für die Jugendliche, die zuletzt im Hambacher Forst mit vermummten Linksautonomen auftreten 'musste', zum anderen ist es verheerend für die Debatte um Umweltpolitik, die auf wissenschaftlicher und nicht pseudomoralischer Grundlage geführt werden muss. Deshalb bin ich der Meinung: Das Nobelpreiskomitee sollte sich nicht ein weiteres Mal blamieren."

Erich Sixt ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Sixt SE. Er legt Wert auf eine differenzierte Sicht:

"Ich bin natürlich wie jeder vernünftige Mensch für den Klimaschutz, aber ich bin auch gegen hysterische Übertreibungen. Persönlich habe ich Zweifel, ob ein 16-jähriges Mädchen schon in der Lage ist, wissenschaftlich sauber zu analysieren, wo wirklich die Probleme liegen. Ich bin mir nicht sicher, ob man antworten kann, indem ich einfach das Fliegen abschaffe und damit 0,3 Prozent CO2- Ausstoß weltweit verringere. Das wirkliche Problem liegt doch in Afrika, China, Brasilien und anderen Ländern, wo gnadenlos Regenwald abgeholzt wird, und nicht bei uns, wo wir nur in minimalem Umfang zum Klimaschutz beitragen können."

Marie-Luise Dött ist umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU im Bundestag - und denkt auch an die deutsche Bundeskanzlerin:

"Der Nobelpreis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen überhaupt. Davor habe ich größten Respekt, gerade auch angesichts der aktuellen Kandidatenliste, auf der nach meiner Kenntnis beispielsweise das UNHCR, die Reporter ohne Grenzen oder Angela Merkel stehen. Ich bin sicher, dass das Nobelpreiskomitee die Auswahl entsprechend den Regularien und mit größter Verantwortung treffen wird."

Hoch