RWI in den Medien

Der Ruhestand kann lebensgefährlich sein

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.08.2019

Mit dem Rentenalter beginnt nach landläufigem Sprachgebrauch der wohlverdiente Ruhestand. Einer neuen Studie zufolge ist die Rente jedoch besonders für beruflich erfolgreiche Menschen eine erhebliches Gesundheitsgefahr: Wer in seinem Arbeitsleben ein überdurchschnittliches Einkommen erzielt hat und dann mit 65 Jahren aufhört, hat kurz danach ein messbar erhöhtes Sterberisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse aus dem RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen, für das der Altersforscher Matthias Giesecke statistische Daten für Rentner der Geburtsjahrgänge 1934 bis 1936 ausgewertet hat. Es handelt sich also um Personen, die zur Jahrtausendwende in Rente gegangen ist. "Bei Männern und Frauen aus der oberen Hälfte der Einkommensverteilung, die mit 65 Jahren in Rente gehen, steigt die Sterblichkeit um 2 bis 3 Prozent", fasste das Institut das Ergebnis am Montag in einer Mitteilung zusammen. Zugleich aber ermittelte Giesecke auch einen entgegengesetzten Effekt: Für Versicherte mit geringeren Verdiensten, die schon mit 63 Jahren in Ruhestand gingen, nahm das statistische Sterberisiko kurz nach ihrem Renteneintritt demnach leicht ab. Der Forscher erklärt dies vor allem damit, dass diese Versicherten oft körperlich anstrengende Tätigkeiten mit erhöhten Gefährdungen am Arbeitsplatz ausgeübt haben, weshalb sich in ihrem Fall die gesundheitlichen Bedingungen mit dem Ruhestand ganz überwiegend verbessern. Bei ehemaligen Gutverdienern spielten solche Einflüsse dagegen eine untergeordnete Rolle. Hier stehe "wahrscheinlich die soziale Isolation im Rentenalter im Vordergrund, weil sie mit der Berufstätigkeit auch Berufsprestige und soziale Netzwerke verlieren", erklärt Giesecke.

Hoch