RWI in den Medien

Unternehmen beginnen zu hamstern

Konjunktur Der Containerumschlag in den wichtigsten Häfen stagniert - der Welthandel schwächelt.

WirtschaftsWoche vom 26.07.2019

Wer Lagerhallen vermietet, macht in diesen Tagen gute Geschäfte. Nach einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes sind die Lagerbestände europäischer Unternehmen derzeit so hoch wie seit dem Jahr 2012 nicht mehr. Hauptgrund für die überquellenden Bestände seien die "steigenden globalen Unsicherheiten" und eine vielfach sinkende Nachfrage, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes für Deutschland, Österreich und die Schweiz. In Deutschland rechnet der Außenhandelsverband BGA für 2019 nur noch mit einem Exportwachstum von 1,5 Prozent - halb so viel wie 2018.

Spürbar leeren dürften sich die Lagerhallen vorerst nicht: Das lässt sich aus dem "Containerindex" ableiten, den das Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik berechnen. Der Indikator liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor. Im Juni fiel das Barometer um 2,1 auf 138,2 Punkte, saisonbereinigt sprang ein mikroskopisches Plus von 0,1 auf 137,1 Zähler heraus (siehe Grafik). "In der Gesamtschau stagniert der Welthandel seit nunmehr neun Monaten", warnt RWI-Chefvolkswirt Roland Döhrn. Zudem zeigten sich "die handelspolitischen Spannungen in derzeit großen Schwankungen des Containerumschlags in den einzelnen Häfen".

In den Index gehen die Daten von 83 Häfen aus aller Welt ein, sie stehen für rund 60 Prozent des globalen Containerumschlags (ohne Autos). In der jetzt präsentierten Schnellschätzung sind 42 Häfen enthalten. Da der Welthandel im Wesentlichen per Seeschiff abgewickelt wird, ist der Containerumschlag ein guter Indikator, um Trends zu erkennen. Ein Vorteil gegenüber anderen Frühindikatoren liegt darin, dass Containerdaten zeitig, in der Regel 15 bis 20 Tage nach Monatsende, verfügbar sind.

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