RWI in den Medien

Mehr ist gerade nicht drin

Viele Forscher erwarten, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr kaum noch wachsen wird.

Süddeutsche Zeitung vom 19.06.2019

Der Konjunktur droht nach einem Schwächeanfall im vorigen Jahr erneut die Puste auszugehen. Die Wirtschaft wird nach Prognose des Ifo-Instituts im laufenden Quartal schrumpfen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal sinken, wie Ifo- Konjunkturchef Timo Wollmershäuser prognostizierte. Im Sommer 2018 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent geschrumpft. Danach stagnierte die Wirtschaft, bevor sie zu Jahresbeginn wieder Fahrt aufnahm. Trotz des befürchteten Durchhängers im Frühjahr erwartet der Ifo-Experte allerdings nicht, dass es zu zwei Minus-Quartalen in Folge kommen wird: „Wir haben keine Hinweise auf eine Rezession.“ Angesichts der Zollkonflikte, der Gefahr eines womöglich ungeordneten Brexit sowie wachsender Spannungen zwischen den USA und Iran rauschen die Konjunkturerwartungen der Investoren dennoch in den Keller.

Das Barometer des Mannheimer ZEW sackte im Juni um 19 Zähler auf minus 21,1 Punkte ab. Zum Pessimismus trage auch „eine substanziell schlechtere Konjunkturentwicklung“ in Deutschland zu Beginn des zweiten Quartals bei, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Zuletzt hatte auch die Bundesbank ihre Prognose relativiert und ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im laufenden zweiten Quartal prognostiziert. Von Januar bis März war das BIP noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Und die Werte fürs Gesamtjahr sind nicht besser: Die deutsche Wirtschaft wird dem Ifo-Institut zufolge in diesem Jahr weniger als halb so stark zulegen wie 2018. Das Bruttoinlandsprodukt werde lediglich um 0,6 Prozent steigen. Das Essener Forschungsinstitut RWI veranschlagt in seiner Prognose immerhin ein Plus von 0,8 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte es beim Wachstum noch zu 1,4 Prozent gereicht. „Es mehren sich die Anzeichen, dass das Wachstum der deutschen Wirtschaft an Fahrt verliert“, sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. „Darauf deuten unter anderem gesunkene Auftragseingänge in der Industrie und ein schwächerer Beschäftigungsaufbau am Arbeitsmarkt hin.“ Laut Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser steckt das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe, wo ein Viertel der Wertschöpfung entsteht, in einer Rezession. Gleichzeitig allerdings verzeichneten die binnenorientierten Dienstleister und die Baubranche robuste Zuwächse.

Das Münchner Institut erwartet, dass sich die Wirtschaft wieder fängt und das Wachstum in den kommenden Quartalen bei etwa 0,3 Prozent liegen wird. Ifo-Präsident Clemens Fuest ist auch deshalb gegen ein staatliches Ausgabenprogramm zur Förderung der Wirtschaft. „Es ist nicht sinnvoll, so etwas einzuleiten wie ein Konjunkturprogramm“, sagte er. „Viele Faktoren, die die Industrie belasten, kommen zudem aus dem Ausland.“

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