RWI in den Medien

So teuer ist Wohnen seit 2008 geworden

Der Immobilienboom hat Deutschland sehr unterschiedlich getroffen. Während sich die Kaufpreise in Großstädten verdoppelt haben, sind sie in einigen Landkreisen sogar gesunken. Wie sieht es in Ihrer Region aus?

Spiegel online vom 12.07.2019

Wohl dem, der eine Eigentumswohnung in München besitzt - denn er dürfte in den vergangenen zehn Jahren reich geworden sein. Die niedrigen Zinsen und eine steigende Wohnungsnachfrage haben in dieser Zeit den Immobilienboom in vielen Großstädten befeuert. Und München liegt dabei nach allen gängigen Datenmodellen an der Spitze.

Auf der anderen Seite gibt es einige Gegenden in Deutschland, in denen die Kaufpreise innerhalb des Zehnjahres-Zeitraums stagnierten oder gar gefallen sind. Im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg etwa ging es sowohl bei Häusern als auch bei Eigentumswohnungen nach unten. Ebenso im bayerischen Landkreis Hof oder im rheinland-pfälzischen Birkenfeld.

So teuer wurde Wohnen in Ihrer Region

Auch in einer neuen Auswertung des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI steht die bayerische Landeshauptstadt wieder ganz oben. Um sagenhafte 240 Prozent sind dort die Kaufpreise für Einfamilienhäuser zwischen 2008 und 2018 gestiegen. Bei Eigentumswohnungen lag das Plus bei immerhin 196 Prozent.

Die Analyse basiert auf einem Datensatz, in dem das RWI Forschungsdatenzentrum alle seit 2008 auf der Internetplattform ImmobilienScout24 angebotenen Wohnungen und Häuser erfasst - egal ob zum Kauf oder zur Miete und über alle Größen, Ausstattungen und Lagen hinweg. Andere Auswertungen, die auf anderen Daten basieren, kommen teilweise auf andere Zahlen. In der Tendenz stimmen sie jedoch überein.

Teuer ist es rund um München und Stuttgart

Neben den Metropolen wie München, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Stuttgart, ist das Wohnen demnach vor allem in süddeutschen Kreisen oder Städten teurer geworden, die um die Metropolen München und Stuttgart herum liegen. In Fürstenfeldbruck etwa kostete ein Haus im Jahr 2018 fast drei Mal so viel wie zehn Jahre zuvor.

Die Karte macht auch deutlich, dass die Mietpreise in vielen Gegenden Deutschlands deutlich langsamer gestiegen sind als die Kaufpreise. Das gilt deutschlandweit vor allem bei Wohnungen.

Von Anfang 2008 und bis Ende 2018 haben die Mieten in Deutschland laut RWI um durchschnittlich knapp 35 Prozent zugelegt. Eine Eigentumswohnung kostete dagegen etwa 60 Prozent mehr als eine Wohnung mit vergleichbarer Ausstattung im Jahr 2008. Die Kaufpreise für Häuser stiegen im gleichen Zeitraum nur um 33 Prozent.

Ein Blick auf die Grafik zeigt, dass die Häuserpreise erst relativ spät angezogen haben, etwa ab dem Jahr 2014. Gerade im vergangenen Jahr ging es dafür aber besonders steil nach oben.

"Die Tatsache, dass das Angebot an hochwertigen Wohnungen in teuren Regionen in letzter Zeit abgenommen hat, könnte darauf hindeuten, dass Mieter aus diesen Wohnungen seltener ausziehen oder die Wohnungen vermehrt privat vergeben werden", sagt Sandra Schaffner, Leiterin des FDZ Ruhr am RWI.

Berücksichtigt man sowohl die regionalen Unterschiede als auch die Charakteristika der Wohnungen wie Ausstattung, Wohnungsgröße und Baujahr, steigen die Mietpreise laut RWI deutschlandweit weiter an, allerdings weniger stark als in den beiden Vorjahren.

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