RWI in den Medien

Mit Öl heizen wird teuer

ANALYSE Wer zahlt bei der Einführung einer CO2-Steuer drauf?

Neue Osnabrücker Zeitung West vom 07.06.2019

Berlin Wie kann Deutschland den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid spürbar reduzieren? Die Einführung einer CO-Steuer wird heftig diskutiert und ist auch innerhalb der Großen Koalition umstritten. Einige fürchten zusätzliche Belastungen für die Bürger.

Wie sind die Positionen innerhalb der Regierungskoalition? Die Einführung einer CO2-Steuer ist in der Koalition umstritten. Während sich Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) dafür offen zeigt, wird sie in CDU und CSU überwiegend abgelehnt. Tatsächliche Vor- und Nachteile für Steuerzahler würden stark von der Ausgestaltung einer solchen Steuer oder Abgabe abhängen, für die es unterschiedliche Modelle gibt. Gemeinsam ist den meisten Ansätzen, dass die Steuerzahler insgesamt nicht mehr belastet werden, sondern zusätzliche Einnahmen in irgendeiner Form an sie zurückgegeben werden sollen.

Wer würde durch eine CO- Steuer draufzahlen? Von einer CO2-Steuer, wie sie derzeit diskutiert wird, würden nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI insbesondere Stadtbewohner und Familien profitieren. Schlechter würden der Studie des als wirtschaftsnah geltenden Instituts zufolge dagegen Landbewohner und Besitzer von Ölheizungen abschneiden, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete.

Gibt es praxisnahe Musterrechnungen? Eine Familie mit zwei Kindern, die in einer Wohnung in der Stadt lebt, nur wenig Auto fährt und mit Gas heizt, hätte laut RWI 88 Euro mehr im Jahr zur Verfügung als heute. Heizt sie mit einer modernen Wärmepumpe, hätte sie jährlich sogar 157 Euro mehr. Ausgegangen wurde dabei von einem moderaten Einstiegspreis von 20 Euro pro Tonne CO2. Bei diesem Szenario würde laut RWI dagegen ein Single, der seine Wohnung mit Öl heizt und oft mit einem Benziner unterwegs ist, 117 Euro im Jahr draufzahlen.

Wie drastisch würde sich eine höhere Besteuerung auswirken? Sollte der Preis pro Tonne CO2 auf die von der Fridays-for-Future-Bewegung geforderten 180 Euro steigen, würden sich die genannten Beträge jeweils deutlich erhöhen. Ein Plus von bis zu 1417 Euro ermitteln die RWI-Forscher in diesem Szenario für die Familie in der Stadt mit geringem Energieverbrauch, für den weniger sparsamen Single auf dem Land ergebe sich ein Minus von 1051 Euro.

Für wen wird es besonders teuer? „Die Leidtragenden sind insbesondere diejenigen mit einer Ölheizung“, sagte RWI-Forscher Manuel Frondel der „Zeit“. Diese Heizungen seien jedoch in ländlichen Regionen fast dreimal so häufig wie in der Stadt. Frondel äußerte auch die Befürchtung, dass bei einer CO2-Steuer Mieter „auf den Kosten sitzen“ blieben und dass deren Steuerungswirkung insgesamt gering bliebe.

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