RWI in den Medien

Der Wirtschaft fehlt der Schwung

Zum zweiten Mal in Folge fällt der wichtige Ifo- Geschäftsklimaindex. Die 9 000 befragten Manager beurteilen die Lage ihrer Geschäfte im Mai wieder deutlich schlechter.

Handelsblatt vom 24.05.2019

Als das Statistische Bundesamt letzte Woche für das erste Quartal ein unerwartet kräftiges Wachstum meldete, keimte Hoffnung auf ein schnell anziehendes Wirtschaftswachstum auf. Diese Hoffnung war wohl verfrüht, wie wichtige Frühindikatoren zeigen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel zum zweiten Mal in Folge, von 99,2 auf 97,9 Punkte. Und die Einkaufsmanagerumfrage des IHS-Markit-Instituts zeigte eine überraschend große Schwäche der deutschen Industrie an. Das Barometer entfernte sich weiter von der Schwelle, ab der es Wachstum signalisiert. Die Industrie befindet sich demnach auf Schrumpfkurs. "Der deutschen Konjunktur fehlt es weiterhin an Schwung", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest, als er das Ergebnis der Befragung von 9 000 Führungskräften deutscher Unternehmen zum Geschäftsklima vorstellte: Diese beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage ungünstiger als im April. Das letzte Aufschwungssignal hatte der Index im März gesendet.

Immerhin: Die Aussichten für die kommenden sechs Monate blieben unverändert bei 95,3 Punkten. Dass US-Präsident Donald Trump die Handelskonflikte mit China und der EU in den zwei Wochen verschärft hat, scheint die Firmenchefs zwar aktuell, aber nicht dauerhaft zu schrecken. "Die jüngst wieder verschärfte Gangart im Handelskonflikt zwischen den USA und China schürt die Unsicherheit und belastet damit die ökonomische Aktivität", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr dem Handelsblatt. Dies könnte zunächst der deutschen Industrie sogar helfen: "Die Angst vor höheren Zöllen auf europäische Automobilexporte in die USA dürfte zunächst gemildert sein, da kaum damit zu rechnen ist, dass die USA vor einer Lösung mit China einen weiteren Handelskonflikt eskalieren lassen", sagte der Handelsexperte.

Leichtes Wirtschaftswachstum - die Bundesregierung rechnet für das Gesamtjahr 2019 mit 0,5 Prozent - bleibt damit das wahrscheinliche Szenario. "Wir stehen jetzt nicht vor einer Rezession", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.

Zumal es nicht der gesamten Industrie schlecht geht. Für einen Lichtblick sorgt die chemische Industrie: Dort geht es nach der Schwäche im zweiten Halbjahr 2018 aufwärts. Die Autoindustrie dagegen zeigt laut Ifo keine Anzeichen für die erhoffte kräftige Erholung. Dass Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung herrscht, zeigte sich vor allem bei den Dienstleistern: Sie beurteilten ihre Lage deutlich schlechter, auch ihr Blick in die Zukunft trübte sich ein. Laut Wohlrabe schwächeln vor allem Transport und Logistik, die stark vom Export abhängen.

Das zeigte am Dienstag auch der RWI-Containerumschlag- Index, der im März und April sank. "Der April-Wert bestätigt, dass die handelspolitischen Belastungen für den Welthandel größer werden", sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Vor allem in Chinas Häfen sank der Containerumschlag. Laut Ifo schwächelt in diesem Mai der Großhandel - während die Einzelhändler im Inland dank des guten Konsums überaus optimistisch sind. Die Binnenwirtschaft bleibt Konjunkturstütze. Das zeigt auch die Bauwirtschaft: Ihr Dauerboom bleibt ungebrochen, so Fuest.

Gemessen an den zum Jahreswechsel pessimistischen Erwartungen war die deutsche Wirtschaft überraschend kräftig in dieses Jahr gestartet. Das Statistische Bundesamt bekräftigte am Donnerstag seine Schnellschätzung aus der vergangenen Woche. Danach legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Im Schlussquartal stagnierte das Wachstum, nachdem es im dritten Quartal 2018 um 0,2 Prozent geschrumpft war.

Neben dem Bauboom war es zu Jahresbeginn die Kauflust der privaten Verbraucher, die sich als Treiber der Wirtschaft erwies, so die Statistiker. Die Konsumausgaben stiegen im ersten Quartal um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ein ähnlich starkes Plus verzeichnete der Konsum zuletzt im Jahr 2011. Ungewöhnlich ist dies auch, weil normalerweise um Weihnachten herum besonders viel eingekauft wird. Die Wiesbadener Statistiker erklären die Kauflust zum Jahresbeginn mit der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und gestiegenen Einkommen. Dazu trugen auch niedrigere Krankenkassenbeiträge seit Januar bei.

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