RWI in den Medien

Zur Osterreise wird Benzin an der Tankstelle teurer

Das Bundeskartellamt hat die Spritpreise in den Blick genommen: Offenbar gibt es neue Muster für das Auf und Ab der Preise - und einige Auffälligkeiten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.04.2019

Pünktlich zum Beginn der Osterferien werden Benzin und Diesel in Deutschland wieder teurer. Der Preis für einen Liter Super E10 hat im Vergleich zur Vorwoche rund 2,5 Cent auf mehr als 1,426 Euro je Liter zugelegt. Diesel verteuerte sich um 1,1 Cent auf 1,265 Euro je Liter. Wenn am Wochenende in vielen Bundesländern die Osterferien beginnen und überall mit Staus zu rechnen ist, müssen Autofahrer daher mit vergleichsweise hohen Kraftstoffpreisen kalkulieren. Passend dazu hat das Bundeskartellamt den "Jahresbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe" erstellt - eine Erhebung zur Benzinpreisentwicklung in Deutschland, die sich auf die Zahlen von mehr als 14 750 Tankstellen stützt und die der F.A.Z. exklusiv vorliegt.

Ihr wichtigster Befund: Eine systematische Anhebung der Benzinpreise durch die Mineralölkonzerne jeweils zu den Ferien, ohne Gründe in der Rohölpreisentwicklung, sei nicht zu belegen: "Auch im Jahr 2018 waren für Ostern und Pfingsten keine auffällig erhöhten Kraftstoffpreise zu beobachten", schreibt das Kartellamt.

Deutlich vorsichtiger äußert das Amt sich zu den hohen Preisen für Benzin und Diesel im vergangenen Herbst. "Insbesondere im Oktober und November vergangenen Jahres war der Abstand von Benzin und Diesel zum Rohölpreis besonders groß", schreibt das Kartellamt. In dieser Zeit habe es auch auffällige Preisunterschiede beim Kraftstoff in den verschiedenen Teilen Deutschlands gegeben, vor allem zwischen Nord- und Süddeutschland - in Extremfällen von 20 Cent je Liter.

Für diese Entwicklung sei "in Branchenkreisen" das Rhein-Niedrigwasser und ein Raffineriebrand in Vohburg in Bayern verantwortlich gemacht worden, schreibt das Kartellamt - ohne sich festzulegen, ob es dieser Begründung folgt oder nicht vielmehr eine vorübergehende Ausweitung der Margen der Mineralölgesellschaften als maßgeblich annimmt. Bis Ende vorigen Jahres habe sich dieser Abstand wieder verringert: "Zuletzt war er, mit Einschränkungen für Diesel, nur noch etwa so groß wie Anfang 2018."

Nach wie vor gebe es erhebliche Preisunterschiede je nach Tageszeit und zwischen den verschiedenen Tankstellen, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Im Laufe eines Tages schwankten die Preise für Benzin und Diesel um bis zu 20 Cent je Liter. Das könnten die Verbraucher ausnutzen und mit Hilfe von Tank-Apps, die sich auf die Zahlen der Markttransparenzstelle stützen, Geld sparen: "Ein wenig Planung für den Weg zur Arbeit oder die Urlaubsreise lohnt sich", meinte Mundt. Gerade zur Ferienzeit sollten Autofahrer beachten, dass Autobahntankstellen im Schnitt 15 Cent je Liter teurer seien als andere Tankstellen. "Schon die oft direkt neben einer Autobahnausfahrt liegenden Autohöfe oder Straßentankstellen sind häufig eine deutlich preisgünstigere Alternative", sagte Mundt.

Das tägliche Auf und Ab der Kraftstoffpreise an den Tankstellen sei grundsätzlich durchaus vorhersehbar, meinte der Kartellamtspräsident. "Wir haben dabei beobachtet, dass sich die Preisverteilung über den Tag in den vergangenen Wochen verändert hat", sagte Mundt. Die Kraftstoffpreise seien zwar weiterhin morgens am höchsten und abends am niedrigsten (siehe Grafik). Die Zeit nach dem Berufsverkehr morgens, in der man bislang auch zumindest relativ günstig tanken konnte, sei aber zusammengeschrumpft. Seit etwa zehn Tagen sei zu beobachten, dass die Benzinpreise nach der ersten Phase fallender Preise am Morgen schon von 10 Uhr an wieder angehoben würden. Auch mittags würden die Preise noch mal angehoben, aber etwas später als bislang, etwa gegen 13 Uhr. Eine weitere Preisanhebung gebe es an den Tankstellen gegen 16 Uhr, das sei etwas früher als bislang. "Zwischen 19 und 22 Uhr gibt es dann eine relativ lange Niedrigpreisphase, in der man günstig tanken kann", schreibt das Kartellamt. Zur Nacht hin würden die Preise bei einem Großteil der Tankstellen in Deutschland, die dann noch geöffnet hätten, wieder deutlich angehoben - und blieben nachts auch so hoch. Erstmals eingehender ausgewertet wurden vom Kartellamt die Preise der in unmittelbarer Autobahnnähe liegenden Autohöfe. Diese waren im Schnitt deutlich günstiger als Autobahntankstellen, und zwar um weit mehr als 10 Cent je Liter, und nur leicht teurer als sogenannte Straßentankstellen, um wenige Cent je Liter.

Eine große spektakuläre Sektoranalyse zu den Tankstellenpreisen hatte das Bundeskartellamt vor sieben Jahren vorgelegt. Damals beklagten die Wettbewerbshüter, dass die Mineralölkonzerne immer im Gleichklang die Preise anheben und senken, zu Lasten der Autofahrer. Und zu Beginn der Osterferien gebe es zumindest "auffällige Parallelen" zwischen den Preisen verschiedener Mineralölgesellschaften, hieß es damals. So wie zu Beginn der Osterferien 2009: Da war das Benzin am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vor Ostern um bis zu elf Cent teurer als noch zwei Wochen vorher. Dabei war weder der Rohöl- noch der Großhandelspreis vergleichbar gestiegen. Ähnliche Preisspitzen stellten die Statistiker damals am Ferienende fest - und regelmäßig vor den Wochenenden ab Freitagmittag.

Als eine Reaktion auf die erschreckenden Befunde damals wurde in Deutschland die Markttransparenzstelle eingerichtet. An die melden jetzt mehr als 14 000 Tankstellen ihre Preise. Aus den Daten werden dann Apps fürs Smartphone gefüttert, mit denen Autofahrer jeweils die billigste Tankstelle in ihrer Umgebung finden und diese dann anfahren können.

Das hat offenbar zu zwei Entwicklungen beigetragen, die sich seither ergaben: Die Preise an den Tankstellen schwanken jetzt im Tagesablauf viel stärker als früher, weil die Anbieter sich gegenseitig noch intensiver beobachten. Dafür sind die Schwankungen im Wochenverlauf nicht mehr so stark. Der Freitag ist nicht mehr so teuer. Und auch vor den Ferien gibt es zumindest nicht mehr so zuverlässig Preisspitzen wie früher. Das haben auch der ADAC und das Forschungsinstitut RWI an vielen Beispielen belegt. 2016 beispielsweise war Benzin weder zu Ostern noch zu Pfingsten teurer als sonst. 2017 war der Preis zu Ostern gestiegen, zu Pfingsten gesunken. Und 2018 wurde Benzin vor Ostern leicht teurer, aber wohl nur als Folge eines höheren Rohölpreises.

Hoch