RWI in den Medien

Der Klimawandel auf der Straße

Tausende Schüler zogen für die Rettung des Planeten durch die Stadt.

Berliner Kurier vom 16.03.2019

"Fridays-for-Future"-Demonstration an diesem Freitag: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", rufen die vielen Schüler, die am Freitag durch das Regierungsviertel ziehen. Bis zu 25 000 Schüler streiken und gehen warm angezogen auf die Straße, um für mehr Umweltschutz zu kämpfen. "Rettet die Polarbären", steht auf ihren Plakaten oder auch: "Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit".

Die angehende Lehrerin Katja Seewald (43) nutzt die Demonstration als außerschulischen Lehrort. Ihre acht- und neunjährigen Schüler sind dabei. "Sie fragen von sich aus die Lehrerin, worum es beim Streiken geht und was das überhaupt ist." Als Lehrerin dürfe man den Schülern natürlich nicht empfehlen zu streiken, sagt sie. Allerdings wolle man den jungen Interessierten diese Erfahrung nicht nehmen. So geht der Wandertag der Schüler eben dieses Mal zur Demo. Auf ihrem Schild steht "Ich brauch' keine Kohle, nur gutes Klima". Mit ihren Kindern gingen auch die Freundinnen Mia, Milena und Anna zu der Demonstration. Mit Kopfhörern geschützt saßen die Kleinen bei den Müttern. Jana Braumüller (30) sieht sich selbst und ihre Generation in der Schuld. "Wir haben es verspielt", sagt sie. "Deshalb schulden wir es der jungen Generation, sie nun zu unterstützen."

Auch die Studenten Malte Gallée (25) und Moritz Riedl (27) fordern eine planetgerechte Politik für Deutschland. "Wir haben heute die Chance, das Gesicht der Welt zu verändern", sagen sie. Unterstützung erfahren die Demonstranten von Wissenschaftlern. Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (51) gibt zu, vielleicht "nicht genug für das Weltklima getan" zu haben. Auch der Ingenieurwissenschaftler und Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Volker Quaschning (50), spricht zu den Jugendlichen. "Ihr tut genau das Richtige!", ruft er. "Ihr kümmert euch um die Zukunft des Planeten." Bei der Schlussrede nimmt sich auch Johannes Vogel (56), Generaldirektor des Naturkundemuseums, Zeit, den Schülern zuzusprechen. Er hat die jungen Leute nach der Demo zu einem Austausch mit Wissenschaftlern in sein Museum eingeladen. Hier sollen die Jugendlichen die Chance haben, mit Experten über den Klimawandel, die Energiewende oder Biodiversität zu diskutieren. Die Schüler treffen auf etwa 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland, die den Schülern Antworten geben. "Ich habe bei den Schülern auf der letzten Demonstration tiefes Interesse für die Themen gespürt", erklärt Johannes Vogel . Es geht um technische und politische Lösungsmöglichkeiten der ökologischen Krise, um den Anstieg des Meeresspiegels, den Temperaturanstieg oder alternative Fortbewegungsmittel. Besonders spannend finden Adam Abdelhakim (18) und Kaan Özcam (18) den Thementisch über Elektromobilität. Sie selbst wollen später ein Auto besitzen, möchten aber an die Umwelt denken. Sie schauen sich jetzt schon um, was es Neues gibt und fragen den Experten aufmerksam nach Rat. Ramona Wöhlecke (59), Lehrerin der beiden an der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule, ist begeistert von dem Engagement ihrer Schüler. Sie habe erlebt, wie ihre Schützlinge aufmerksam das Thema Klimawandel verfolgen. "Irgendwann muss man anfangen, auf die neuen Energien umzusteigen", sagt sie. "Seit 30 Jahren wird nur geredet, jetzt soll auch mal was passieren."

In Form eines Projekttages nimmt die Sekundarschule Hagenbeck aus Weißensee erst an der Demonstration und dann an der Diskussion im Museum teil. Die beiden Lehrerinnen Leah Kunz (30) und Esther Eichenauer (39) unterstützten ihre Schüler. Die sorgen sich um das Artensterben. Insbesondere um Bienen und andere Insekten, die den Bestäubungsprozess durchführen. Dabei lernten sie viel über Fledermaus, Fliege und Kolibri, die ebenfalls bestäuben. Zu Besuch ist auch Christoph Schmidt, Präsidenten des Leibniz-Institutes für Wirtschaftsforschung. Er erklärt den Jugendlichen, dass nicht nur hierzulande die Klimapolitik wichtig ist, sondern überall auf der Welt. Nur dann würde der ganze Protest erfolgreich sein. Er sei "durchaus begeistert" von der Initiative von "Fridays for Future". Er habe vieles über die Demos gehört, Gutes wie Schlechtes, wolle sich sein eigenes Bild machen. Deshalb sei er hier. "Wir brauchen bessere Lösungen für uns Menschen", sagt er. Schüler lernten viel am schulfreien Tag.

Seine Lehrerin Ramona Wöhlecke (59) erlebt, wie aufmerksam die Schüler beim Thema Klimawandel sind. Kaan Özcam (18) sieht in der Zukunft mehr Elektromobilität. Das soll so früh wie möglich sein.

Hoch