RWI in den Medien

Exporte legen wieder zu

Deutschlands Außenhandel erholt sich nach Rückschlägen zum Jahresende.

DIE WELT vom 12.03.2019

Die deutsche Exportwirtschaft hat nach Rückschlägen zum Jahresende im Januar wieder zugelegt. Die Ausfuhren wuchsen gemessen am Vorjahresmonat um 1,7 Prozent auf 108,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Zum Jahresbeginn sorgte vor allem eine starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der Europäischen Union für eine Erholung. Die Exporte in Drittländer wie die USA und China stiegen um 3,3 Prozent, innerhalb der EU lag das Plus nur bei 0,6 Prozent. Gemessen am Vormonat Dezember stagnierten die Exporte im Januar allerdings. "Angesichts der düsteren Konjunkturprognosen sind wir mit dem moderaten Start in das laufende Jahr ganz zufrieden", stellte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, fest. Stärker fielen die Zuwächse bei den Importen aus. Sie kletterten binnen Jahresfrist um 5,0 Prozent auf 94,4 Milliarden Euro, im Vergleich zum Dezember stand ein Plus von 1,5 Prozent. Dadurch verringerte sich der Überschuss Deutschlands im Handel mit anderen Ländern. Die Leistungsbilanz lag im Januar bei 18,3 Milliarden Euro nach 21,1 Milliarden Euro im Vorjahresmonat. Da die Bundesrepublik seit Jahren mehr exportiert als sie einführt, steht sie immer wieder in der Kritik.

Angesichts von internationalen Handelskonflikten, des anstehenden Brexits und einer schwächeren Weltwirtschaft hatten die deutschen Exporteure zuletzt mit Gegenwind zu kämpfen. Im Dezember waren die Ausfuhren um 4,5 Prozent geschrumpft. Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Exportunternehmen zwar das fünfte Rekordjahr in Folge erreicht, der Anstieg verlor aber an Tempo.

Für die exportabhängige deutsche Wirtschaft dürfte das nicht ohne Folgen bleiben, fürchten Ökonomen. Jüngst senkte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognose. Sie erwartet, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2019 nur um 0,7 Prozent zulegt - das wäre halb so stark wie im vergangenen Jahr. Die Ökonomen verwiesen auf eine schwächere Weltkonjunktur und eine nachlassende Wirtschaft in China.

Sorgen bereitet Volkswirten etwa die fallende Produktion der deutschen Industrie. Im Januar schrumpfte sie um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Der Start ins neue Jahr sei für die deutsche Wirtschaft kaum besser ausgefallen als das Jahresende, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING in Deutschland. Es gebe aber Zeichen, dass der Boden erreicht sein könnte. So blieben der Konsum stark, die heimische Nachfrage groß und das Zinsniveau niedrig.

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dampften am Montag ihre Vorhersagen ein. Das Essener Forschungsinstitut rechnet nur noch mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 0,9 Prozent in diesem Jahr. Bislang waren die Ökonomen von 1,4 Prozent ausgegangen. Der BDI sprach ferner von "Verwerfungen im Außenhandel" mit Großbritannien und den USA, die die deutsche Wirtschaft "gefährlich nahe" an die Nulllinie bringen könnten. Der Industrieverband erwartet nun ein Plus von 1,2 Prozent statt 1,5 Prozent wie zuvor prophezeit.

Allerdings warnen einige Experten zugleich vor übertriebenem Pessimismus. "Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich derzeit zwar nicht allzu dynamisch, es deutet jedoch nichts auf eine Rezession hin", sagte der Konjunkturchef des RWI, Roland Döhrn. Anders als die Exporte wuchsen die Importe im Januar, und zwar um 1,5 Prozent und damit mehr als doppelt so kräftig wie im Vormonat. Das signalisiert eine kräftige Binnennachfrage. Zuvor war bereits der Einzelhandelsumsatz so stark gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr, was auf nach wie vor kauffreudige Verbraucher hindeutet. Deren Konsumausgaben tragen mehr als die Hälfte zur Wirtschaftsleistung bei.

Der Außenhandelsverband BGA rechnet trotz aller Hürden mit einem Exportrekord im laufenden Jahr. Demnach sollen die Ausfuhren um bis zu 3,0 Prozent wachsen. Das wäre in etwa so viel wie 2018, aber deutlich weniger als im Jahr zuvor (plus 6,2 Prozent). Die Abwärtsrisiken ließen sich nicht leugnen, bemerkte BGA-Präsident Bingmann. Er warnte aber vor Pessimismus: "Wir sollten tunlichst vermeiden, uns gedanklich in einer Negativspirale zu verfangen."

Auch im Handwerk läuft es gut. "Von den ersten dunkleren Wolken am allgemeinen Konjunkturhimmel zeigt sich das Handwerk nach wie vor wenig beeindruckt", sagte der Präsident des Branchenverbandes ZDH, Holger Schwannecke. "Die Geschäfte laufen sehr gut." Die handwerklichen Umsätze dürften 2019 erneut deutlich um bis zu vier Prozent zulegen.

Das Wirtschaftsministerium macht die Fahrzeugindustrie für die Produktionsdelle am Jahresbeginn verantwortlich. Deren Fertigung brach um 9,2 Prozent ein. Dazu hätten "auch Produktionsstillstände aufgrund von Modellwechseln sowie Streiks bei Zulieferern und damit erneut Sondereffekte" beigetragen. "Angesichts der gesunkenen Produktion im Januar und der schwachen Frühindikatoren ist weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur auszugehen." Darauf deutet auch der Absatz der Pkw- Sparte Mercedes-Benz hin, der im Februar um 6,7 Prozent auf knapp 153.000 Fahrzeuge sank. Den stärksten Einbruch erlitt die Marke mit dem Stern in Nordamerika mit minus 14 Prozent.

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