RWI in den Medien

Auch die Kliniken in NRW rufen nach einem „Digitalpakt“

Häufig fehlen Gelder für digitale Patientenakten und eine digitale Kommunikation mit niedergelassenen Ärzten.

Westdeutsche Allgemeine WAZ Essen-Rüttenscheid vom 01.03.2019

Im Jahr 2019 erhält das größte kommunale Krankenhaus in NRW kabelloses Internet: Das Klinikum Dortmund rüstet seine Stationen mit über 1400 Betten mit schnellem WLAN aus. Ärzte und Pflegekräfte sollen so künftig von jedem Raum aus auf die Daten ihrer Patienten sicher zugreifen können – ein Fünf-Millionen-Euro-Projekt.

Vorbild ist der Pakt für die Schulen

Nur für einen Teil dieser Summe, sagt Sprecher Marc Raschke, reiche die Pauschale, die das Land für Investitionen bereitstellen muss. Deshalb greift das Haus auf Eigenmittel zurück, Gelder, die es von den Krankenkassen für den laufenden Betrieb erhält. „Die Kliniken kommen immer wieder in die Lage, dass sie Gelder, die für Behandlungen gezahlt werden, für Investitionen nutzen.“

Ein Unding, heißt es aus Kliniken des Ruhrgebiets. Sie schließen sich einer Forderung aus Herne an, dass Bund und Land Fördermittel fürs digitale Krankenhaus bereitstellen müssten. Nötig sei ein „Digitalpakt“, hatten unlängst die Geschäftsführer der St. Elisabeth- Gruppe und die evangelische Krankenhausgemeinschaft gegenüber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert – angelehnt ans gleichnamige Milliardenprogramm für Schulen.

In der Herner St. Elisabethgruppe liegt der Investitionsstau bei drei Millionen Euro. Geschäftsführer Theo Freitag benennt Folgen. So seien bisher keine Mittel da gewesen, um eine digitale Patientenakte umzusetzen. „Eine digitale Kommunikation mit niedergelassenen Ärzten ist damit derzeit nicht möglich“, auch der Service am Patienten werde damit eingeschränkt.

Einen Schritt weiter geht Frank Mau, Chef der Evangelischen Kliniken Essen- Mitte. Nötig seien innovative IT-Systeme. Um etwa Krebspatienten bestmöglich zu behandeln, müssten Forschungsergebnisse digital erfasst und einberechnet werden, so Mau. „Dafür brauchen wir eine leistungsstarke IT-Infrastruktur.“ Die Klinikgesellschaft erhalte im Jahr weniger als 2,5 Prozent ihres Umsatzes vom Land als allgemeine Investitionspauschale. In anderen Branchen liege die reine IT-Investitionsquote bei zwei Prozent. „Deswegen sind wir gezwungen, um einen modernen IT-Standard vorzuhalten, Eigenmittel aufzuwenden.“

Mittel fließen in bauliche Substanz

Unterstützung erhalten die Mediziner vom RWI-Institut in Essen. Die Investitionsmittel des Landes reichten nicht aus, sagt Gesundheitsökonom Boris Augurzky. Die Häuser stellten daher oft die Digitalisierung hintenan, um die bauliche Substanz zu verbessern. „Die größte Baustelle der Kliniken ist inzwischen, die internen Prozesse zu digitalisieren“, so Augurzky. Er wirbt für einen bundesweiten „Digital Boost“, eine Anschubfinanzierung für die Digitalisierung: Acht Jahre lang sollten gezielt jedes Jahr 510 Millionen Euro zusätzlich in Auf- und Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen.

Marc Raschke vom Dortmunder Klinikum sieht auch die Häuser selbst in der Pflicht. „Sie freuen sich über einen neuen Anbau, aber keiner lädt zum Festakt, wenn neue Server aufgestellt werden.“ Nötig sei ein Umdenken. Das viertgrößte kommunale Krankenhaus Deutschlands will jetzt mit einem Expertengremium digitale Strategien in Medizin und Pflege vorantreiben.

Hoch