RWI in den Medien

Tempolimit: ein Blick auf die Fakten

Die Kolumne von Frank Pöpsel, Chefredakteur von FOCUS-MONEY.

Focus vom 26.01.2019

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will beim Deutschen Bundestag eine Petition für ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen einreichen. Die Aktion soll am Aschermittwoch (6. März) starten. Ein Hoch auf die deutsche Verbotskultur! Wäre ich nicht katholisch, würde ich aus der Kirche austreten. Die Fakten:

Ein halbes Prozent: Die Umweltbelastung würde sich durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht maßgeblich verringern. Laut einer Studie des Umweltbundesamts ginge der gesamte CO2-Ausstoß in Deutschland um weniger als ein halbes Prozent zurück. Langsamer heißt nicht sicherer: Pauschale Geschwindigkeitsbegrenzungen machen Straßen nicht sicherer. In Deutschland kommen auf eine Milliarde gefahrener Kilometer 3,1 Tote. In Österreich sind es 4,8, in den USA 5,0. In beiden Ländern gelten auf der Autobahn Tempolimits. Studien haben zudem ergeben, dass die eintönige Fahrweise dazu führt, dass die Fahrer ihr Großhirn abschalten und die Zahl der Unfälle zunimmt.

Wirtschaftsbremse: Man kann sich natürlich über den Lobbyismus der Automobilindustrie ereifern. Für ihre Abgasbetrügereien wird die Branche zu Recht gescholten. Doch die wirtschaftliche Bedeutung ist immer noch enorm. Rund 7,7 Prozent des Bruttosozialprodukts gehen direkt oder indirekt auf die Autoproduktion zurück. Und die deutschen Autobahnen sind nun einmal auch Werbung für den Exportschlager Auto. Augenwischerei: Ein Elektroauto mit 250 Kilometer Reichweite verursacht in Deutschland derzeit weit mehr Treibhausgasemissionen als ein Diesel, so das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Fakten, für die sich offensichtlich niemand interessiert.

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