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Chinas Wachstumseinbruch wird auch Deutschland treffen

Die chinesische Wirtschaft sendet Warnsignale. Der Autoabsatz schrumpft, die Ein- und Ausfuhren sinken im Dezember. Das wird auch Deutschland treffen.

Handelsblatt.com vom 19.01.2019

  • Das Wachstum in China verlangsamt sich – Exporte und Importe schrumpfen deutlich
  • Negative Auswirkungen auch in Deutschland befürchtet
  • Chinesische Regierung könnte Wachstumsziele senken

Es ist ein Jahr gewesen, das Ford lieber nicht erlebt hätte: Der Absatz des US-Autokonzerns in China ist im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel geschrumpft. Im Dezember verkaufte der Konzern sogar nur 57.000 Autos in dem Land – fast 60 Prozent weniger als noch 2017. Da tröstet es wenig, dass erstmals seit mehr als 20 Jahren in China der Autoabsatz in einem Jahr zurückgegangen ist – um 2,8 Prozent auf 28,1 Millionen Fahrzeuge 2018.

Auch Konzerne anderer Branchen spüren deutlich, dass die Präsenz im chinesischen Markt für sie nicht mehr automatisch Wachstum bedeutet. Das hat zum einen mit stärker werdender einheimischer Konkurrenz zu tun, wie es etwa Apple auf dem Smartphone-Markt zu spüren bekommt. Doch auch die generelle Konjunktur zeigt Schwächen.

„Wie stark sich das chinesische Wirtschaftswachstum verringern wird, ist eine offene Frage“, sagt Ökonom Kenneth Rogoff, ehemals Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds. Doch das „langfristige Wachstum könnte sich recht dramatisch verändern“.

Für die chinesischen Handelsdaten für Dezember hatten Beobachter noch ein leichtes Plus erwartet. Doch die am Montag offiziell vorgelegten Daten zeigen etwas anderes.

Die Exporte sind in US-Dollar gemessen im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent gefallen – nur die Gesamtjahreszahlen zeigten Rekordwerte. Die Importe gingen im vergangenen Monat sogar um 7,6 Prozent zurück. Es ist nicht das einzige Signal, dass die Zeiten des jahrelangen Wirtschaftswachstums von um die sieben Prozent vorbei sein dürften.

Dazu trägt der Zollstreit mit den USA bei, den US-Präsident Donald Trump zwar zuletzt entschärfen wollte. Doch die Verunsicherung in China bleibt nach wie vor groß, ob bis zum 1. März eine Einigung erzielt werden kann. Gleichzeitig entwickelt sich auch die Weltkonjunktur gedämpft, was China als Exportnation belastet.

„Es gibt einen deutlichen Abwärtstrend“, sagt Commerzbank-Ökonom Zhou Hao. „Es liegt nicht nur am Handelskrieg und Zöllen. Dazu kommt eine zurückgehende weltweite Nachfrage als großer Dämpfer.“

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende vergangener Woche berichtet, dass die Staatsführung in Peking für 2019 voraussichtlich nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von sechs bis 6,5 Prozent anpeilen werde – nach 6,5 Prozent im Jahr 2018. Schon das wäre der niedrigste Wert seit 1990.

Inlandsnachfrage schwächelt

China plagen die bereits verhängten US-Strafzölle ebenso wie die unter Druck geratene Binnennachfrage. Das zeigen etwa die geschrumpften Autoabsatzzahlen. Das neue Wachstumsziel soll bei der jährlichen Parlamentssitzung im März offiziell festgezurrt werden.

Dass die Wirtschaftslenker in Peking nun eine Zielspanne und keine konkrete Zahl dafür ausgeben, verleiht ihnen mehr Flexibilität. „Der Druck auf die Wirtschaft ist ziemlich stark. Der Fokus der Politik liegt in diesem und dem nächsten Jahr auf Stabilität“, sagte eine der mit den internen Planungen vertrauten Personen.

Die Regierung greift bereits ein, um die Inlandsnachfrage zu stützen und will möglichen Massenentlassungen vorbeugen. So kommt das Land Unternehmen bei den Sozialabgaben entgegen.

Firmen, die niemanden entließen, sollten die Hälfte ihres Vorjahresbeitrags zur Arbeitslosenversicherung zurückerhalten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen ranghohen Vertreter des Arbeitsministeriums. Die entsprechenden Pläne würden beschleunigt.

Vergangene Woche hatte der Vize-Vorsitzende der staatlichen Entwicklungskommission signalisiert, dass es finanzielle Anreize für den Kauf von Konsumgütern wie Autos oder Waschmaschinen geben könnte. „Es gibt noch Potenzial, um den angemessenen Konsum der Bewohner zu unterstützen“, sagte Ning Jizhe dem Fernsehsender CCTV. Für ländliche Regionen würden entsprechende Pläne erarbeitet.

Inwieweit politisches Eingreifen das Wachstum stabilisieren kann, ist derzeit nicht klar. Im Handelsblatt-Interview hatte Christoph Schmidt, der Chef des Sachverständigenrats, vor Auswirkungen hierzulande gewarnt. „Deutschland ist als Exportnation eng mit anderen Ländern verflochten. Von daher wäre ein stark nachlassendes Wachstum in China wohl in der Tat Anlass zur Sorge“, sagte der Vorsitzende des ökonomischen Beratergremiums der Bundesregierung.

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