RWI in den Medien

"2019 wird ein verhalten gutes Jahr"

Der Chef der Wirtschaftsweisen spricht über die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im neuen Jahr.

Handelsblatt vom 04.01.2019

Wie viele seiner Kollegen ist Christoph Schmidt bei der Prognose für 2019 nur verhalten optimistisch. Die Gründe: fehlende Fachkräfte und mangelnde Investitionen von Unternehmen. Was man gegen Letzteres tun kann? Weg mit dem Soli - das fordert der Sachverständigenrats- Vorsitzende.

In China schwächelt die Industrie erstmals seit zwei Jahren. An den Finanzmärkten wachsen die Sorgen, dass das die deutsche Industrie hart treffen könnte. Ist die Angst berechtigt?

Deutschland ist als Exportnation eng mit anderen Ländern verflochten. Von daher wäre ein stark nachlassendes Wachstum in China wohl in der Tat Anlass zur Sorge. Der deutsche Arbeitsmarkt und die inländische Konjunktur sind jedoch nach wie vor in einer sehr guten Verfassung. Starke Anzeichen dafür, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland spürbar eintrübt, gibt es derzeit nicht.

Welches Risiko ist aus Ihrer Sicht das größte für Deutschlands Konjunktur?

Das internationale Umfeld ist derzeit insgesamt recht unsicher. Für mit am gefährlichsten für die deutsche Konjunktur hielte ich derzeit vor allem einen ungeordneten Brexit oder eine erneute Krise im Euro-Raum, ohne aber die anderen Risiken herunterspielen zu wollen.

Die Binnenkonjunktur in Deutschland läuft bisher stabil, der Arbeitsmarkt ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kann das die Konjunktur retten? Die Binnenkonjunktur wirkt derzeit stabilisierend. Jedoch zeichnen sich immer deutlicher Fachkräfteengpässe ab. Mehr als 1,5 Prozent Wachstum sind schon daher nicht wahrscheinlich. Und wenn bis Mitte der 2020er-Jahre der demografische Wandel stärker zum Tragen kommt, wird dies die Wachstumsaussichten weiter senken.

Wie schätzen Sie die Investitionen in Deutschland ein: Sind die Unternehmen zu ängstlich?

Während die Wohnbauinvestitionen recht robust zulegen, entwickeln sich die Unternehmensinvestitionen nur moderat. Angesichts der vielfältigen Risiken fände ich es aber unangebracht, Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen zu belehren. Sinnvoller wäre es wohl, die Unternehmensteuern investitionsfreundlicher zu gestaltet, beispielsweise indem man den Solidaritätszuschlag vollständig abschafft.

Die Fragen stellte Donata Riedel

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