RWI in den Medien

Schwächelnde Autoindustrie macht Sachsens Wirtschaft zu schaffen

Ifo-Institut in Dresden erwartet geringeres Wachstum / Immobilienbranche zeigt sich unbeeindruckt.

Leipziger Volkszeitung Stadt Leipzig vom 20.12.2018

Der ostdeutsche Wirtschaftsmotor gerät ins Stocken. Die Bremsspuren des schwachen zweiten Halbjahres 2018 werden noch ins neue Jahr hineinwirken, prognostiziert das Ifo-Institut in Dresden. Obwohl das Wachstum pausiert, muss man sich aber nicht allzu große Sorgen machen. Vorboten einer akuten Rezession seien das keineswegs, beruhigt Ifo-Vizechef Joachim Ragnitz bei der Vorstellung der Konjunkturprognose.

Die Dresdner Forscher korrigieren ihre Prognose für das laufende Jahr um 0,2 Prozentpunkte nach unten. Für dieses Jahr erwarten sie ein Wachstum in Ostdeutschland (mit Berlin) von nur noch 1,4 Prozent und in Sachsen von 1,2 Prozent. Im kommenden Jahr sollen es 1,3 Prozent im Osten und 1,2 Prozent in Sachsen sein. Zur Erinnerung: Im Jahr 2017 wuchs die Wirtschaft im Osten noch um 1,9 Prozent.

„Generell hat die Weltkonjunktur eine langsamere Gangart eingelegt“, sagt Ragnitz. Dem könne sich Deutschland nicht entziehen. Die Gründe dafür seien vielfältig, angefangen vom Handelsstreit der USA und China über den Brexit und Italiens Defizit bis hin zu den Problemen in Frankreich. Trotz der Abschwächung befinde sich die Weltwirtschaft insgesamt dennoch weiter in einer Aufschwungphase, so Ragnitz. In den meisten Volkswirtschaften nehme der Auslastungsgrad weiter zu.

In Deutschland gab es Rückgänge durch streik- und krankheitsbedingte Produktionsausfälle in den ersten Monaten des Jahres. Dazu kamen im Sommer gravierende Probleme der deutschen Automobilindustrie mit der Zertifizierung von Neuwagen nach dem neuen Abgastestverfahren. Im Zuge dessen weitete die Automobilindustrie ihre Lagerhaltung deutlich aus. Zeitweilig drosselte sie sogar die Produktion. Dieser Sondereffekt werde auch im gesamten Winterhalbjahr 2018/19 noch zu spüren sein, erklärte Ragnitz. „Im Autoland Sachsen macht sich dies besonders deutlich bemerkbar, da hier mehrere Automobilhersteller Produktionsstätten betreiben und darüber hinaus auch viele Zulieferer ansässig sind.“

Die Dresdner Konjunkturforscher rechnen für das Baugewerbe in Ostdeutschland mit einem stabilen Wachstum. Nachdem bereits im Vorjahr nah an der Kapazitätsgrenze gearbeitet wurde, dürfte das Baugewerbe im laufenden Jahr diese erreicht haben. „Die Auftragsbücher sind voll, und die Bauunternehmer klagen seit Ende 2017 über Arbeitskräftemangel und Materialknappheit.“ Sowohl in Sachsen als auch in Ostdeutschland wurden im Jahresverlauf viele neue Wohnungen gebaut. Im kommenden Jahr dürften die Wohnungsbauinvestitionen in Ostdeutschland weiter zunehmen. „Hierfür ist vor allem der enge Berliner Wohnungsmarkt verantwortlich.“

Stützend auf die Konjunktur wirke sich die nach wie vor robuste Verfassung der Binnenwirtschaft aus. Ragnitz verweist auf den soliden Arbeitsmarkt, die steigenden Löhne und das anhaltend niedrige Zinsniveau. Dies spreche für einen weiterhin starken Verbrauch der privaten Haushalte.

Der Beschäftigungsaufbau verliert nur leicht an Tempo. „In Anbetracht der Fachkräfteknappheit versuchen die Unternehmen Arbeitskräfte langfristig zu binden“, sagt Ragnitz. Das Ifo-Institut erwartet in diesem Jahr ein Plus von 95 000 Erwerbstätigen in Ostdeutschland, davon 21 000 in Sachsen. Ende 2017 hatte der Osten 7,93 Millionen Beschäftigte, Sachsen 2,03 Millionen. Im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs mit rund 84 000 Personen in Ostdeutschland und 19 000 in Sachsen etwas geringer ausfallen.

Auch andere Ökonomen korrigieren ihre Erwartungen. So senkt das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI das Wachstum in Deutschland für 2019 auf 1,4 Prozent. Im September hatten die Wissenschaftler noch damit gerechnet, dass die Wirtschaftsleistung 2019 um 1,7 Prozent zunehmen wird. Für 2020 schraubt das RWI seine Wachstumsprognose um 0,3 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent zurück. Ähnlich reagierten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

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