RWI in den Medien

Billiges Rohöl, teurer Sprit

Sinkende Preise kommen im Norden kaum beim Autofahrer an – ADAC kritisiert: „Da wird Kasse gemacht“.

Kieler Nachrichten - Kieler Zeitung vom 11.12.2018

Im Oktober klappte die Schere besonders weit auseinander: Die Preise für Rohöl gingen in einen steilen Sinkflug über. Gleichzeitig wurden Benzin und Diesel den ganzen Monat über teurer, nicht nur im Süden und Westen der Republik, sondern auch im Norden – bevor sie mit zeitlicher Verzögerung nachließen. Für den ADAC steht fest: Benzin und Diesel sind zu teuer. Kostete Rohöl am 1. Oktober noch 80,9 Dollar pro Barrel (159-Liter-Fass), gab der Preis bis Ende November auf 57,8 Dollar nach (siehe Grafik). Anders die Entwicklung beim Spritpreis. Das Portal clever-tanken.de behält die Kraftstoffpreise aller größeren Tankstellen im Blick und hat die Durchschnittswerte für Schleswig-Holstein berechnet: Ein Liter Diesel kostete am 1. Oktober 1,302 Euro. Dann stieg der Preis bis Ende Oktober auf 1,354 Euro und sank erst danach auf 1,284 Euro. Der Rohölpreis lag Ende November nur noch bei 71 Prozent des Wertes von Anfang Oktober. Doch der Dieselpreis ließ nur auf 98 Prozent nach. Diese Diskrepanz macht Autofahrer wie Experten stutzig. Eine Auswertung des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (Essen) im Rahmen des „Benzinpreisspiegels 2018“ hat ergeben, dass sich die Benzin- und Rohölpreise schon seit Anfang Mai auseinanderentwickelt haben. Während die Differenz zwischen dem Rohölpreis der Sorte Brent und dem Benzinpreis (E10) in der Vergangenheit bei etwa 85 Cent je Liter gelegen hat, ist dieser Wert seit Mai gestiegen und hat jüngst den Stand von fast 1,05 Euro erreicht, berichtete Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs Umwelt und Ressourcen am RWI. Als Begründung für diese Preisschere führt der Mineralölwirtschaftsverband (MMV) die beständig gesunkenen Pegelstände von Flüssen an. Durch den trockenen Sommer führen Flüsse wie der Rhein weniger Wasser – das bedeutet: Schiffe können weniger Benzin laden, müssen öfter oder mit zwei Schiffen fahren und würden durch den Mehraufwand an Transport die Spritpreise in die Höhe treiben. RWI-Ökonom Frondel prognostiziert aber: „Sobald die Pegelstände der Flüsse wieder deutlich ansteigen und die Lieferengpässe per Schiff beseitigt sind, sollten die Kraftstoffpreise, wie in der Vergangenheit auch, wieder der Entwicklung des Rohölpreises folgen.“ Laut der RWI-Auswertung hat jedoch in Hamburg die Preisdifferenz zwischen Benzin und Rohöl ebenfalls seit Anfang Oktober zugenommen. Und auch in Schleswig-Holstein ist dies der Fall, wie die Spritpreis-Daten von clever-tanken zeigen. Die Differenz fällt zwar weit geringer aus als in Städten wie Stuttgart, die bei der Belieferung mit Kraftstoffen stark auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind, dennoch ist die Differenz im Norden spürbar. „Benzin und Diesel war bei uns in den letzten Wochen zu teuer“, sagt Ulf Evert, Sprecher vom ADAC Schleswig-Holstein. Sein klarer Vorwurf: „Da wurde noch einmal Kasse gemacht“. Frondel weist aber darauf hin, dass es durchaus plausibel sei, dass mehr Benzin aus dem Norden über die Straße nach Süden gebracht werden musste: „Durch die Engpässe im Süden musste mehr Benzin dorthin transportiert werden. Es ist schon plausibel, dass durch die so gestiegene Nachfrage auch der Norden eine Diskrepanz zwischen Öl- und Benzinpreisen zu spüren bekommen hat.“ Keinerlei „nennenswerte Diskrepanzen“ im Norden sieht dagegen Birgit Hamann, zuständig für den Bereich Tankstellen beim Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Schleswig- Holstein. Sie ist überzeugt: „Das sind die normalen Schwankungen. Die liegen an der Preispolitik der Gesellschaften.

Hoch