RWI in den Medien

Guter Rat für Deutschland

Die fünf Wirtschaftsweisen haben in dieser Woche ihr Jahresgutachten vorgelegt. Darin haben sie die Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert. Doch das fast 500 Seiten starke Werk hat viel mehr zu bieten als düstere Konjunkturszenarien.

Welt am Sonntag NR. 45 11. November 2018

GESUNDHEITSSYSTEM
Ein funktionierendes und allen zugängliches Gesundheitswesen ist ein unverzichtbarer Bestandteil der grundlegenden Versorgung. Zugleich ist es von erheblicher Bedeutung für Wertschöpfung und Beschäftigung. Doch das Gesundheitssystem wird zunehmend in die Zange genommen. Zum einen heizen die Alterung der Gesellschaft und der medizinisch- technische Fortschritt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen an. Zum anderen verstärkt der demografische Wandel die bereits jetzt erkennbaren Fachkräfteengpässe. Es ist daher geboten, Effizienzpotenziale zu erkennen und zu heben.

Gelegenheit dazu gibt es zuhauf. Kein anderes Land in Europa hat so viele Krankenhausbetten je Einwohner, eine längere Krankenhausaufenthaltsdauer und so viele kleine und wenig spezialisierte Krankenhäuser. Auch wenn es für die Beschäftigten und Anwohner vor Ort nicht direkt zu erkennen ist: Deutschland braucht weniger Krankenhäuser und mehr spezialisierte Kapazitäten in den Häusern, die bleiben. Der für diese Strukturbereinigung von der Bundesregierung eingeführte Strukturfonds sollte entsprechend genutzt werden. Da die Länder offenbar ihren Verpflichtungen für die Finanzierung der Investitionskosten der Krankenhäuser nicht hinreichend nachkommen, sollte deren Finanzierung wie die der Betriebskosten ganz bei den Krankenhäusern angesiedelt werden. Jedes Krankenhaus könnte dann in Eigenregie entscheiden, wie es mit seinem Budget verfährt.

Auf dem Krankenversicherungsmarkt haben Zusatzbeiträge den Kassenwettbewerb bereits belebt. Langfristig sollte die Einkommensumverteilung über den Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse ganz aus dem Versicherungssystem herausgenommen und vollständig ins Steuersystem überführt werden. Wünschenswert wäre es, einkommensunabhängige Zusatzbeiträge auszubauen, um letztlich eine Bürgerpauschale mit einem aus Steuermitteln finanzierten sozialen Ausgleich zu erreichen.

Eine regional differenzierte Lockerung des für Krankenkassen verpflichtenden Vertragsabschlusses mit jedem Krankenhaus, des sogenannten Kontrahierungszwangs, würde den Kassen die Möglichkeit geben, Selektivverträge abzuschließen. Damit würde der Druck auf qualitätsarme Krankenhäuser erhöht.

Selektivverträge ermöglichen es zudem, den ambulanten und stationären Sektor stärker zu verflechten und so die Versorgung effizienter zu gestalten.

Hoch