RWI in den Medien

Auf Wachstum verzichten, um den Planeten zu retten?

Unsere Lebensweise beruht auf einer Wirtschaft, die wächst. Das belastet die Umwelt. Nun liegt eine neue Studie auf dem Tisch.

SRF am 9.11.2018

Seit die Experten des Club of Rome 1972 den vielbeachteten Bericht zu den Grenzen des Wachstums publiziert haben, treibt die Frage Wissenschaft und Politik um: Kann die Wirtschaft wachsen, ohne dabei die Natur zu zerstören?

Ja, sagen die einen: Die Wirtschaft müsse nur grün ausgerichtet werden – «Green Growth», grünes Wachstum, sei möglich und gut. «Stimmt überhaupt nicht!», entgegnen die anderen, die Anhänger des sogenannten «Degrowth».

Beide Positionen sind nicht so sicher, als dass sie als alleinige Grundlage für umweltpolitisches Handeln dienen könnten.

Sie sind überzeugt, dass Wirtschaftswachstum immer zu Umweltbelastung führt, dass eine Entkopplung dieser beiden Faktoren nicht möglich sei. Die zwei Positionen stehen sich seit Jahren unversöhnlich gegenüber.

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung RWI im Auftrag des deutschen Bundesumweltamtes hat nun beide Seiten kritisch geprüft. Sie kommt zum Schluss, dass beide auf wackeligen Beinen stehen. «Aus unserer Sicht sind beide Positionen nicht so sicher, als dass sie als alleinige Grundlage für umweltpolitisches Handeln dienen könnten», sagt Co-Autor Nils aus dem Moore.

Was nicht ist, kann noch werden

Dass die Entkoppelung theoretisch denkbar sei, sei zwar keine Frage: «In Bezug auf einzelne, lokale Ressourcenprobleme sehen wir auch, dass das klappt.» Global aber gebe es noch keine Beweise dafür. Andererseits könne man auch nicht mit Sicherheit sagen, dass das Gegenteil stimme, so aus dem Moore.

Nur weil bisher die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung nicht klappe, sei es nicht ausgeschlossen, dass sie noch gelinge. Die Frage der Entkoppelung lassen die Autoren der Studie deshalb bewusst offen. Das oberste Ziel müsse sein, die Wirtschaft umweltverträglich zu gestalten – egal ob mit oder ohne Wachstum.

Wir sind der Meinung, dass es nicht eine Frage ist von Wachstum ja oder nein, sondern eine Frage dessen, in welchen Grenzen und wo wir wachsen.

Um dieses Ziel zu erreichen, gebe es sowohl bei «Degrowth» als auch bei «Green Growth» vielversprechende Instrumente, meint aus dem Moore: «Wir sollten aus dem Green-Growth-Instrumentarium auf jeden Fall das Leitinstrument nutzen, nämlich externe Effekte wo immer möglich zu internalisieren.»

Hoch