RWI in den Medien

Allianz für die Stahlindustrie

NRW und fünf weitere Länder machen sich gemeinsam stark für die Branche.

Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 23.10.2018

Beim ersten Nationalen Stahlgipfel in Saarbrücken haben am Montag sechs Bundesländer mit Stahlproduktion eine "Allianz der Stahlländer" gegründet. Vertreter der Landesregierungen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, dem Saarland, Brandenburg, Bremen und Hamburg unterzeichneten die Charta. Auch IGMetall- Chef Jörg Hofmann, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und der Präsident des deutschen Stahlverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, nahmen an dem Treffen teil.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Kampfes der Stahlländer stehen Forderungen nach fairen Bedingungen für den EU-Emissionshandel sowie Innovation und Forschung. Die Allianz erwartet mehr EU-Fördergelder für die Entwicklung klimaschonender Produktionstechnologien in der Stahlindustrie. In der Charta wird darauf verwiesen, dass der Werkstoff Stahl für eine emissionsärmere Welt unverzichtbar sei. Die Industrie- und Stahlpolitik müsse im Forschungsrahmenprogramm der EU zum Zug kommen, um die Förderung neuer Produktionstechniken und Prozessinnovationen sowie der Wasserstoffstahlerzeugung mit besserer CO2-Bilanz sicherzustellen.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) äußerte im "Handelsblatt" Sympathie für die Idee, Teile der Einnahmen aus dem Emissionsrechtehandel als Forschungsgelder für Umwelttechnologien zu verwenden. Der Schwerpunkt der deutschen Stahlproduktion liegt in NRW. Der mit Abstand größte deutsche Stahlhersteller Thyssenkrupp sitzt in Essen: Mehr als ein Viertel der rund 85 000 Stahlarbeiter in Deutschland arbeiten bei Thyssenkrupp.

Heribert Fischer, Vorstand der Stahlsparte von Thyssenkrupp, sagte anlässlich des Gipfeltreffens: "Die deutsche Stahlindustrie steht für freien und fairen Wettbewerb; Protektionismus lehnen wir ab. Wir sehen derzeit unsere Befürchtungen bestätigt, dass durch die Strafzölle in den USA Stahl in großen Mengen auf den offenen europäischen Markt umgelenkt wird. Nur durch endgültige und umfassende Handelsschutzmaßnahmen kann die EU massive Wettbewerbsverzerrungen verhindern."

Der Strukturwandel in der Branche hat Spuren hinterlassen: In den vergangenen Jahrzehnten gingen Zehntausende Jobs verloren. 1980 arbeiteten noch 290 000 Menschen in den Stahlhütten - heute sind es weniger als ein Drittel. Andererseits macht der massive Strukturwandel heute auch die Stärke der deutschen Stahlindustrie aus, so Roland Döhrn vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. Die Werke seien besser ausgelastet als in vielen anderen Ländern, wo Stahl deutlich über Bedarf produziert werde. Durch diese Überkapazitäten gebe es weltweit Preisdruck.

Sie belaufen sich nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf mehr als 500 Millionen Tonnen. Vor allem chinesische Hersteller werfen viel billigen Stahl auf den Weltmarkt.

"Die Stahlallianz soll deutlich machen, dass es gemeinsame Anstrengungen von Unternehmen und Politik braucht, damit die Branche im Wettbewerb dauerhaft bestehen kann", sagte IG-Metall-Chef Hofmann. Der Gewerkschafter sieht die Stahlindustrie vor Herausforderungen: durch das Überangebot auf dem Weltmarkt, durch Klimaschutz und Emissionshandel sowie durch die Digitalisierung. Verbandschef Kerkhoff sagte, die Politik müsse die steigenden Klimaschutz und Energiekosten im Auge haben: "Im kommenden Jahrzehnt drohen der Stahlindustrie in Deutschland allein durch den Kauf von Zertifikaten im Rahmen des EU-Emissionsrechtehandels Zusatzkosten von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Hinzu kommt der Anstieg der Stromkosten."

Weltweit rechnet die Branche für 2018 mit einem Anstieg der Stahlnachfrage um 3,9 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Tonnen. Vor dem Hintergrund steigender Risiken etwa durch Handelskonflikte geht sie für 2019 nur von einem leichten Plus von 1,4 Prozent aus. (mit dpa)

Es braucht Anstrengungen, damit die Branche dauerhaft bestehen kann Jörg Hofmann, IG-Metall-Chef.

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