RWI in den Medien

Ökonomen mit politischer Wirkung

Die neuen Wirtschaftsnobelpreisträger werben mit Innovation und Ideen für einen wirtschaftsverträglichen Klimaschutz.

Handelsblatt vom 09.10.2018

Das Lob anderer Ökonomen für die Wirtschaftsnobelpreisträger fällt einmütig aus: William Nordhaus und Paul Romer haben die Auszeichnung verdient, weil sie an ihren Universitäten nicht nur an Details ökonomischer Modelle basteln, sondern Forschung zur Verbesserung der Welt betreiben: "Nordhaus hat als erster Wissenschaftler berechnet, wie man die Klimaziele erreichen kann, und zwar kostengünstig", lobt etwa Ifo-Präsident Clemens Fuest die Wahl der Schwedischen Akademie. Und für Christoph Schmidt, den Chef der Wirtschaftsweisen, ist Paul Romer der "erste Ökonom, der die zentrale Bedeutung von Wissen und Bildung in Wachstumsmodellen aufgezeigt" und damit nachgewiesen hat: Ohne Innovation kein dauerhaftes Wachstum. "Insgesamt haben die Erkenntnisse beider Preisträger erheblich zu einem besseren Verständnis darüber beigetragen, welche Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfüllt sein müssen", sagte Schmidt. Die beiden US-Professoren - Nordhaus lehrt in Yale und Romer an der Stern School of Business in New York - teilen sich den Preis für ihre Arbeiten im Bereich "Innovation und Klima und deren Wechselwirkung", heißt es in der Begründung des Nobelkomitees. Sie hätten so erklärt, "wie die Marktwirtschaft mit Natur und Wissen interagiert" .

Die beiden Forscher schätzen einander, wie Romer in einem ersten Statement sagte. Zusammengearbeitet haben sie bisher allerdings nicht.

"Ich finde schon lange, dass Romer den Nobelpreis verdient hat", sagte Achim Wambach, Präsident des Mannheimer ZEW. Von Romer stamme die "endogene Wachstumstheorie": Er habe als Erster nachgewiesen, dass technologische Innovation entscheidend für Wirtschaftswachstum ist.

Dabei gilt Romer durchaus als streitbarer Ökonom. Als Chefvolkswirt der Weltbank schied er nach nur 15 Monaten wieder aus - wegen diverser interner Querelen. Zudem hatte der 62-Jährige nach der Finanzkrise immer wieder makroökonomische Modelle seiner Zunft kritisiert. "Die Kritik an der Makroökonomik war richtig", sagt jedoch Fuest. Zuletzt provozierte Romer die Regierungen des Westens mit einem Vorschlag zur Armutsbekämpfung: Die reichen Staaten sollten in Entwicklungsländern völlig neue Städte aus dem Boden stampfen, mit Bildungs- und Arbeitsangeboten und diese komplett finanzieren. Diese "Charter Cities" könnten als Vorbilder Entwicklung in Gang bringen - und so die Migrationsströme bremsen. Romer nannte als Beispiel: "Kanada entwickelt ein Hongkong in Kuba", so wie einst die Briten Hongkong in China gründeten. Der Vorschlag ist hoch umstritten, Entwicklungspolitiker bezeichnen ihn als Neo- Imperialismus.

Für Nordhaus dagegen gibt es Lob ohne Abstriche. Das Lebenswerk des 77-Jährigen befasst sich mit der Umweltökonomie. "Er war entscheidend daran beteiligt, die ökonomischen Probleme des Klimawandels zu erforschen und die Klimapolitik auf die Agenda der internationalen Politik zu bringen", sagte Fuest. Als Erster habe er Umweltschäden mit Preisen versehen und herausgearbeitet, dass der Klimawandel Geld kostet. So hatte Nordhaus 1992 errechnet, welche wirtschaftlichen Folgen eine Klimaerwärmung um drei Grad hätte - und damit die Basis gelegt für das Zwei- Grad-Ziel, auf das sich die Mehrheit der Staaten im Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat. Zudem hat er die CO2 - Steuer erfunden: "Sie ist die kosteneffizienteste Möglichkeit, den Ausstoß von Klimagasen zu beschränken", sagt Fuest. Nordhaus' Aufsatz "An optimal transition path for controlling greenhouse gases" von 1992 gehört zu den meistzitierten Aufsätzen in der Untersuchung marktbasierter Instrumente der Klimapolitik.

Die Auszeichnung erfolgte ausgerechnet an dem Tag, an dem der Weltklimarat in einem neuen Bericht "weitreichende und beispiellose Änderungen" der menschlichen Lebensweise gefordert hat, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen: Denn auch zwei Prozent seien zu viel.

Hoch