RWI in den Medien

Routineeingriff

Wie gut sich Patienten nach komplizierten Operationen erholen, hängt oft vom jeweiligen Krankenhaus ab. Die Barmer will daher unerfahrene Kliniken abstrafen

Süddeutsche Zeitung vom 10.08.2018

Berlin – Wenn es nach der Barmer Ersatzkasse geht, sollten komplizierte Operationen künftig nur noch in Kliniken vorgenommen werden, die diese Eingriffe auch regelmäßig durchführen.

Krankenhäuser, die solche Eingriffe seltener vornehmen, sollten dafür auch kein Geld mehr bekommen – die Vergütung von Operationen soll sozusagen an eine Mindestzahl gekoppelt sein. Das begründet die Krankenkasse in ihrem diesjährigen Krankenhausreport, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Darin wird deutlich, dass das Sterberisiko bei Operationen auch davon abhängt, wie häufig eine Klinik diesen einen Eingriff bereits durchgeführt hat. Die Macher der Studie veranschaulichten dies am Beispiel des Aneurysmas – einer erweiterten Schlagader – im Bauch. Mehr als 200 000 Menschen über 65 Jahren leiden laut der Studie in Deutschland daran. 2016 wurden etwa 11 400 der betroffenen über 65-Jährigen vorsorglich operiert. Denn das sogenannte Bauchaortenaneurysma kann platzen.

Aber auch hier spielt es eine Rolle, wo ein Patient den Eingriff vornehmen lässt. Denn es gibt zwei verschiedene Methoden:

Entweder schneidet der Chirurg den Bauch auf und setzt einen Gefäßersatz ein. Oder er schiebt eine Prothese über die Leistenschlagader in das Aneurysma – die minimal-invasive Lösung. Letztere lässt sich nicht immer anwenden, aber wenn, sollte sie bevorzugt werden, sagte Studienautor Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Der Report zeige, „dass der minimalinvasive Eingriff mit einer geringeren Sterblichkeit einhergeht.“ Drei Jahre nach dem Eingriff war die Sterberate zwei Prozentpunkte geringer, wurde die Operation nicht offen-chirurgisch (18,4 Prozent), sondern minimalinvasiv (16,4 Prozent) durchgeführt. Darüber hinaus war das Sterberisiko drei Jahre nach dem Eingriff 2,3 Prozentpunkte geringer, wenn der Eingriff in einem zertifizierten Gefäßzentrum stattfand. Und es war 2,6 Prozentpunkte niedriger, wenn es sich um ein Krankenhaus handelte, in dem solche Operationen häufiger durchgeführt werden. Auch eine Mindestmenge pro Standort schlägt der Report vor: Je Klinik sollten wenigstens 50 Fälle im Jahr operiert werden. Werde mindestens einmal in der Woche ein solcher Eingriff durchgeführt, könnten sich beim OP-Team und in der Vor- und Nachversorgung wichtige Routinen einstellen.

Insgesamt sprach sich die Krankenkasse also für eine Zentralisierung und auch Spezialisierung von Kliniken aus. Zwar würde dies mitunter die Fahrzeit ins Krankenhaus erhöhen, aber zugleich auch die Qualität. Der AOK-Bundesverband hatte im Frühjahr ebenfalls weniger und dafür spezialisierte Krankenhäuser gefordert.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warf der Barmer indes vor, dass ihre Thesen zu unterschiedlichen Sterberaten bei diesem Typ von Operationen „in keinster Weise belegt“ würden. Angesichts der Zahl der Eingriffe, die selbst Zentren durchführten, könnten bereits wenige Patienten mit höherem persönlichen Risiko zu abweichenden Sterberaten führen, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Zudem legte der Report offen, wie viel eine vollstationäre Krankenhausbehandlung kostet: Im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich 898 Euro pro Versichertem. Dabei war dieser für Männer im Schnitt teurer als für Frauen. Für Patienten waren es 4280 Euro je Behandlung eines körperlichen Leidens, für Patientinnen 3773 Euro. Erklären lässt sich durch verschieden häufige Krankheitsbilder.

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